Supermarkt-Mangel

Seit Samstag hat der Rewe in Weingarten geschlossen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 18. Juni 2019 um 08:01 Uhr

Weingarten

Erst hieß es, dass der Rewe in Weingarten erst Ende Juni schließt. Nun kam das Ende für den Supermarkt früher. Bereits am Samstag öffnete er zum letzten Mal. Die schwierige Einkaufszeit hat begonnen.

Die meisten wussten zwar Bescheid, als sie am Samstag zum letzten Mal zum Rewe an der Bugginger Straße 52 kamen – auf dem Schild am Eingang war die Schließung für Samstagmittag um 13 Uhr angekündigt. Doch begeistert ist niemand über die schwierige Einkaufszeit, die nun endgültig in Weingarten begonnen hat: Nachdem im Einkaufszentrum vor zwei Jahren der Edeka und an Ostern auch der Aldi – der saniert wird – schloss, gibt’s bis Herbst im Stadtteil keine Vollsortimenter-Supermärkte mehr.

Hinweisschild hin oder her: Eine ältere Frau, die ihre Einkäufe in einem Trolley verstaut hat, kennt den Text darauf noch nicht. Sie dachte, der Rewe hätte bis Ende des Monats geöffnet, wie es vor einiger Zeit noch angekündigt war. Erst in der vergangenen Woche war an die Öffentlichkeit gedrungen, dass die Schließung auf den 15. Juni vorverlegt worden war. "Dann wird es ja jetzt schon Ernst", sagt sie und überlegt, ob sie ihre Vorräte daheim noch erweitern soll.

Viele Waren sind am letzten Öffnungstag ausverkauft

Das allerdings ist an diesem letzten Einkaufstag im Rewe gar nicht ohne weiteres möglich: "Es gibt keinen Weichspüler mehr und kein Toilettenpapier", ruft eine junge Frau aufgeregt in ihr Handy, als sie an vielen leeren Regalreihen vorbeieilt – eine halbe Stunde vor der Schließung ist vieles restlos ausverkauft: Unter anderem gibt’s keine Waschmittel und keine Putzmittel mehr, keine Zahnpasta und kaum andere Hygieneartikel.

Auch Chips, Fertigsuppen, die meisten Getränke und Nudelsorten sind nicht mehr zu haben, im Kühlregal klaffen große Lücken bei Puddings und anderen Desserts. An einigen Regalen wurden bereits die Bezeichnungen der Waren, die dort einmal gelagert haben, entfernt. Ein älteres Paar hat es noch geschafft, einen Vorrat an Wasserflaschen zu ergattern: Die beiden ziehen mit 36 Flaschen davon – in Zukunft müssen sie weite Wege auf sich nehmen, zumindest haben sie eine Regiokarte. Das gilt längst nicht für alle, und es hilft auch längst nicht allen: Die Rewe-Kundin Renate Kalajcioglu kennt viele, die älter und schlechter auf den Beinen sind als sie: "Denen ist jeder Weg zu weit."

Für alte Menschen und alle mit Gehbehinderung sei die Situation "ein richtiges Drama". Denn für sie sei das Einkaufen auch mit kurzen Wegen mühsam genug – wenn nun noch die Fahrten in oft überfüllten und wackelnden Straßenbahnen dazu kämen, sei das eine Zumutung, erst recht mit schweren Taschen. Dieses Problem sieht auch Christel Werb, Quartiersarbeiterin vom "Forum Weingarten": Manche hätten sich einen Fahrservice mit Shuttlebussen gewünscht, sagt sie.

Im September soll Wiedereröffnung des Aldi sein

Das aber wurde von der Stadtverwaltung inzwischen verworfen, weil der Bedarf unklar und der Aufwand groß und teuer sei, sagt die städtische Pressesprecherin Martina Schickle. Die Quartiersarbeit hat mit der Stadtverwaltung Alternativen bis Herbst erarbeitet. Für September ist die Wiedereröffnung des Aldi im Einkaufszentrum angekündigt, bis zum Jahresende soll dort auch ein Mix-Markt starten, der neben dem üblichen Angebot der osteuropäischen Kette auch Edeka-Waren anbieten will.

Bis dahin wird zusätzlich zum üblichen Bauernmarkt mittwoch- und samstagvormittags am Fritz-Schieler-Platz auch montags ein Marktstand am Else-Liefmann-Platz stehen – Adrian Selinger aus Grezhausen bietet dort Obst und Gemüse an.

Christel Werb hatte ihn angesprochen, als sie seinen Marktstand am Tennenbacher Platz in Brühl-Beurbarung gesehen hatte, wo er – genau wie seit Frühling beim neuen Stadtteilmarkt am Güterbahnhof – mit seiner Mutter verkauft. Außerdem können sich alle, die beim Gehen Probleme oder kein Geld für eine Regiokarte haben, bei der Quartiersarbeit melden – dort werden fünf Regiokarten kostenlos verliehen. Sie wurden mit einer 1500-Euro-Spende der Stadtverwaltung angeschafft, zudem einige Einzeltickets. Ebenfalls über die Quartiersarbeit läuft die Anmeldung für alle, die den Lieferservice nutzen wollen, den der Beckesepp in Haslach an der Carl-Kistner-Straße anbietet: Er finanziert die Lieferung dort gekaufter Waren – es bleiben noch die Wege für die Kunden selbst.
Kontakt: Forum Weingarten, Krozinger Straße 11, Tel. 0761/ 466 11 oder Quartiersbüro in der Bugginger Straße 50, Tel. 0761/ 47 60 697. Zusätzlicher Marktstand montags von 8 bis 13 Uhr am Else-Liefmann-Platz.

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