Leute und Listen

Sophie Kessl, Die Partei: "Die Zuschüttung der Bächle anstreben"

Bernhard Amelung

Von Bernhard Amelung

Fr, 03. Mai 2019 um 00:00 Uhr

Freiburg

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Sophie Kessl, Spitzenkandidatin von Die Partei.

BZ: Frau Kessl, auf Facebook fordern Sie einen textilfreien Sonntag für alle. Was versprechen Sie sich davon?
Kessl: Nacktheit ist ein natürlicher Daseinszustand, der sich gut anfühlt. Er lässt sich sonntags auch wunderbar in den eigenen vier Wänden ausleben.


BZ:
Wofür steht Ihre Liste?
Kessl: Wir stehen als Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz für Die PARTEI. Wir treten mit einem "Null-Ambitionen-Wahlkampf" an. Wir setzen uns also für Dinge ein, die sowieso geschehen. Wir unterstützen den Bau eines neuen Stadions und haben erfolgreich durch "Ja zum Nein" Dietenbach möglich gemacht. Als Spitzenkandidatin spreche ich mich auch gegen Zwangsehen aus und strebe die Zuschüttung der Bächle.

"Wir fordern eine Windradpflicht in Freiburg zur Dezimierung der örtlichen Taubenpopulation."

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Kessl: Wir unterstützen die Besteuerung von leerstehenden Wohnungen. Wir fordern, dass Vermieter eine Leerstandssteuer in Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete pro Quadratmeter an die Stadt abdrücken müssen. Außerdem fordern wir eine Windradpflicht in Freiburg zur Dezimierung der örtlichen Taubenpopulation.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Kessl: Planen und Bürgerentscheide machen uns großen Spaß! Mehr davon!
Sophie Kessl, 31, arbeitet als Sozialpädagogin im Haus der Begegnung in Landwasser. Sie ist passives Mitglied beim Freiburger Rugby Club und beim Blockforest Roller Derby.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Kessl: Das ist ein Problem. Wir arbeiten an Konzepten, die wir aber erst nach der Wahl präsentieren werden. Ich verspreche einen hohen Unterhaltungswert und keine Nachteile für Freiburg.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Kessl: Eine Stadt voller Trampoline und Hüpfburgen!

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst …
Kessl: ...auf Segways besonders amüsant.

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Kessl: Wir unterstützen den demokratischen Prozess der Bürgerentscheide. Aber nicht jede politische Entscheidung ist für den Laien durchschaubar genug. Deshalb schlage ich in bestimmten Fällen eine Entscheidung durch Schlammcatchen oder wahlweise, für die internetaffine Generation, ein Fortnitebattle vor.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Kessl: Grundsätzlich mit allen, die einen gewissen Sinn für Humor und Satire besitzen. Wir sind dafür bekannt, dass wir gerne für Steigbügelhalter zu haben sind.
Ausschließen möchten wir allerdings die FDP (zu Spaßpartei), die SPD (zu irrelevant) und ausdrücklich die AFD (zu 1933).

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Kessl: Flop: Die Einführung des kommunalen Ordnungsdienstes. Top: Ab 2020 gibt es jährlich zwei Millionen Euro zusätzlich für den Klimaschutz. Ein klares Zeichen für alle Fridays for Future Teilnehmer*innen.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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