Freiburg

Unter welchen Umständen wurde 1939 das Synagogengrundstück an die Stadt verkauft?

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Sa, 02. Juni 2018 um 12:25 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Noch immer gibt es Fragen zum erzwungenen Verkauf des Synagogengrundstücks an die Stadt im Jahr 1939. Wir haben die Spuren verfolgt – bundesweit.

Unter welchen Umständen wurde 1939 das Synagogengrundstück an die Stadt verkauft? Die BZ ist dieser Frage nachgegangen. Als Reaktion auf eine Anfrage der Gemeinderatsfraktion Unabhängige Listen im Herbst 2017 hatte die Stadtverwaltung versucht, dies zu recherchieren. Doch die Antwort blieb lückenhaft, eine abschließende Darstellung konnte das Rathaus nicht liefern. Denkbar sei eine wissenschaftliche Aufarbeitung, "wenn hierzu eine politische Mehrheit besteht", hieß es in einem Schreiben des damaligen Ersten Bürgermeisters Otto Neideck.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten die Nationalsozialisten wie vielerorts in Deutschland auch in Freiburg die Synagoge nieder. Nur wenige Monate später, am 15. März 1939, verkaufte die Israelitische Gemeinde das Grundstück, auf dem die Synagoge gestanden hatte, an die Stadt Freiburg. Es war ein Verkauf "unter moralischem Zwang", stellte die Restitutionskammer des Landgerichts 1948 in einem Vergleich zwischen Stadt und Israelitischer Gemeinde Baden fest.

Stadtplanung ohne Synagoge
Fest steht auch, dass man im Rathaus schon vor dem Pogrom Interesse an dem Grundstück hatte, wie die Historikerin Kathrin Clausing in ihrer Dissertation "Leben auf Abruf. Zur Geschichte der Freiburger Juden im Nationalsozialismus" 2005 schrieb: Schon in den 1920er Jahren habe die Stadt keinen Zweifel daran gelassen, "dass langfristig die Verlegung der Synagoge erwünscht war, um den Straßenbereich vor Theater und Universität neu und dem repräsentativen Charakter dieser Bauten angemessen gestalten zu können." Weiter heißt es: "Angesichts der ...

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