Bürgergespräch

Bürger beklagen sich bei OB Horn über Verkehr im autoarmen Viertel Vauban

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Do, 18. Juli 2019 um 17:05 Uhr

Freiburg

Sonnig war es bei der "OB vor Ort"-Veranstaltung im Vauban: OB Martin Horn hatte die Bürger diesmal zur Diskussion ins Freie eingeladen, in den Innenhof der Karoline-Kasper-Schule.

Positiv ist auch die Stimmung in Vauban: Viele Bewohner betonten an dem Abend, wie gerne sie im Quartier leben. Aber auch im Modellstadtteil läuft nicht alles rund – das zeigten die zahlreichen Wortbeiträge der knapp 100 Teilnehmer. Hauptthema im stellplatzfreien Stadtteil: der Verkehr.

Verkehrskonzept: Der Stadtteil Vauban ist in der gesamten Welt für sein Verkehrskonzept berühmt. Im Alltag zeige sich jedoch immer wieder, dass es Defizite gebe, berichteten mehrere Teilnehmer der Veranstaltung. Neu sind die Schwierigkeiten nicht: Seit es den Stadtteil und das stellplatzfreie Konzept gibt, parken Autos auch dort, wo es eigentlich nicht erlaubt ist. Und es gibt Bewohner, die offiziell autofrei leben und deshalb keinen Stellplatz vorhalten müssen, in Wahrheit aber doch ein Fahrzeug besitzen, das sie zum Beispiel über Freunde angemeldet haben. "Die Probleme werden ein Stück weit totgeschwiegen", kritisierte ein Mann die Stadtverwaltung. OB Horn berichtete, dass es in Vauban seit 2008 fast 50 Prozent mehr Autos gebe, obwohl die Bewohnerzahl in diesem Zeitraum nur um zehn Prozent gestiegen sei. Die Veranstaltungsteilnehmer verwiesen darauf, dass dies daran liege, dass in den späteren Bauabschnitten die Häuser klassisch mit einer Tiefgarage ausgestattet worden seien. Wer autoarme Quartiere wolle, müsse auch entsprechende Planungen verfolgen, war die einhellige Meinung. Stadträtin Ulrike Schubert (Unabhängige Listen), die in Vauban wohnt, schlug am Ende der Debatte ein Gespräch zwischen Stadtverwaltung und Akteuren des Stadtteils vor, um nach Lösungen zu suchen – was Horn zusicherte. Mehr Parkplätze wünschte sich indes ein Anwohner der Oltmannsstraße: Abgestellte Wohnmobile blockierten dort die Stellflächen. "Da steht die ganze EU rum", sagte er, aber auch Fahrzeuge mit Freiburger Kennzeichen, zum Teil mit abgelaufenen TÜV-Plaketten.

Straßenbahn- und Zuglärm: Probleme bereitet den Vauban-Bewohnern auch der öffentliche Verkehr. Wenn die Straßenbahn um die Kurve an der Vaubanallee biege, quietsche es gewaltig, berichtete eine Frau. Wie laut dies ist, konnten die Diskussionsteilnehmer und OB Horn live erleben: Wie bestellt quietschte just in dem Moment, als die Frau zum Mikro griff, eine vorbeifahrende Bahn los, was bis in den Schulinnenhof zu hören war. Die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) nehme das Problem ernst, erklärte Horn, und bat um Geduld. Es gebe Lösungsansätze, die wegen technischer Schwierigkeiten jedoch nicht ganz zeitnah umgesetzt werden könnten. Wenig Hoffnung machte der Oberbürgermeister den Anwohnern der Bahnlinie im Norden des Stadtteils, die sich ebenfalls zu Wort meldeten. Sie leiden vor allem nachts unter den vorbeiratternden Güterzügen und forderten Horn auf, dass die Stadtverwaltung den Lärmschutz verbessern müsse – wenn es schon die Bahn nicht tue. Aber da winkte der OB ab.

Fahrradverkehr: Beim Thema Fahrradverkehr bemängelten Vauban-Bewohner, dass die Situation an der Ecke Wiesentalstraße/Clara-Immerwahr-Straße immer noch ungelöst sei. Seit Jahren setzt sich der Stadtteilverein und der Verein Autofreies Wohnen dafür ein, dass die Kreuzung entschärft wird (die BZ berichtete mehrfach). Bislang wurden nur Kleinigkeiten verändert. Aber die Planungen für einen Umbau der Straße seien angelaufen, das Geld im Doppelhaushalt eingestellt, berichtete Horn.

Weg am Dorfbach: Ein "heißes Thema" in Vauban sei aktuell der Weg am Dorfbach, sagte Stadträtin Ulrike Schubert. Auch der Leiter des Kinderabenteuerhofs, Joachim Stockmaier, sprach das Thema an. Der Weg soll barrierearm ausgebaut werden, aber der Verwaltungs-Vorschlag, diesen zu pflastern, komme im Stadtteil nicht gut an. "Wir wollen ihn naturnah erhalten", so Schubert. Auch in dieser Angelegenheit sicherte Horn ein Gespräch mit der Stadtverwaltung zu.

Und sonst noch:
Zwei Stunden lang diskutierten die Vauban-Bewohner mit dem Oberbürgermeister und streiften dabei viele lokale Themen, aber auch weltpolitische Fragen wie die Seenotrettung. In Bezug auf Vauban ging es unter anderem um die Absonderungen der Linden, die den parallel zur Vaubanallee verlaufenden Fußweg rutschig machen, um den Ausbau des Mobilfunknetzes zum 5G-Standard, um Behördendolmetscher bei Stadtteilveranstaltungen oder um auslaufende soziale Belegungsrechte, die das Wohnen im Stadtteil verteuern. Oberbürgermeister Martin Horn verwies bei vielen Aspekten darauf, dass er oder sein Stadtteilreferent Joachim Fritz sich um die Anliegen kümmern werden.