Umweltschutz

Wie und warum Freiburg aktiver gegen Lichtverschmutzung vorgehen soll

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 15. September 2019 um 14:39 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Echte Dunkelheit gibt es in Städten nachts nicht mehr. Gerade für Insekten ist das ein Problem. Gegen die sogenannte "Lichtverschmutzung" sollte mehr unternommen werden – auch in Freiburg.

Der Begriff "Lichtverschmutzung" entert mehr und mehr ökopolitische Diskurse, die Stadt Fulda beschäftigt jetzt gar eigens eine Beauftragte für dieses Thema. Das täte auch Freiburg gut, regte diese Woche die Wählerliste Freiburg Lebenswert per Brief ans Rathaus an. Stadtrat Wolf-Dieter Winkler erklärt warum.

Der Sonntag: Herr Winkler, seit wann ist Ihnen Licht als Verunreinigung der Natur bewusst?

Seit langem. Ich engagiere mich ja seit den 70er Jahren im Umweltbereich, zunächst privat, später auch politisch und beruflich , und Lichtverschmutzung war dabei auch ein Thema. Sie brauchen sich nur mal die nächtliche Lichtverschmutzungskarte der Erde anzuschauen – eine Katastrophe.
Der Sonntag: Für wen?

Vor allem für Insekten. Sie werden von Lichtquellen angezogen, um die sie dann kreisen, bis sie vor Erschöpfung sterben oder, bei heißen Lichtquellen, verbrennen. Aber Licht irritiert nicht nur Insekten. Schauen Sie nach Griechenland: Nach dem Schlüpfen am Strand orientieren sich junge Meeresschildkröten am Mond und dessen Spiegelbild auf dem Wasser, um ins Meer zu gelangen. Durch die erleuchteten Hotelburgen werden sie verwirrt und laufen dann in deren Richtung – mit für sie meist tödlichen Folgen
Der Sonntag: Wo muss man zuerst ansetzen? Im privaten oder im öffentlichen Bereich?

In allen. Vielen Städten ist schon bewusst, dass sie auf diesem Gebiet etwas tun müssen. Freiburg hat bereits vor zehn Jahren begonnen, seine Straßenbeleuchtung auf Natriumdampflampen in nach unten abstrahlender Flachglastechnik umzustellen, die sparsamer und gleichzeitig auch insektenfreundlicher sind. Die Beleuchtung von Schaufenstern und Fassaden sollte, wie in Frankreich, zwischen ein und sechs Uhr morgens untersagt werden. Und müssen Fabrikgebäude aus Einbruchsschutz die ganze Nacht beleuchtet werden? Da würden doch auch Bewegungsmelder reichen.
Der Sonntag: Was können die Bürger tun?

Schlichtweg schauen, wo es sich vermeiden lässt, dass Licht nach außen strahlt, auf unnötige Haus- und Gartenbeleuchtung verzichten beispielsweise.

Der Sonntag: Vergangene Woche ging die Einstellung von Deutschlands erster Lichtverschmutzungs-Beauftragten durch die Medien. Sie und Ihre Kollegen der Wählerliste Freiburg Lebenswert haben diese Woche per Brief an Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn die Einrichtung einer solchen Stelle auch für Freiburg angeregt. Was versprechen Sie sich davon?

Davon verspreche ich mir jemanden, der genau weiß, wie er das Thema angehen muss. Jemand, der die Schwachstellen sieht, der im privaten, gewerblichen und öffentlichen Bereich Möglichkeiten findet, wie Licht effizienter eingesetzt oder ganz vermieden werden kann.
Der Sonntag: Die öffentliche Diskussion ist derzeit von der Frage geprägt, wie der Klimawandel noch abgebremst werden kann. Könnten Kritiker Ihnen nicht vorhalten, es gebe derzeit drängendere Probleme als Lichtverschmutzung?

Man kann das ja nicht gegeneinander abwägen. Es gibt noch viel mehr Aspekte, die Überfischung der Meere, der Plastikmüll – man muss alle Dinge angehen, die die Menschheit, aber auch Fauna und Flora gefährden. Wir haben die letzten 50 Jahre einfach über unsere Verhältnisse gelebt, das wirkt sich jetzt eben aus.