Corona-Reaktion

Freiburger Spielmobil tüftelt an Stadtteil-Rallyes, statt Jubiläum zu feiern

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Sa, 09. Mai 2020 um 09:52 Uhr

Freiburg

Der Freiburger Verein Spielmobil wird 40 Jahre alt. Doch statt eines großen Fests gibt’s Ausfälle. Derzeit tüftelt das Team an Stadtteil-Rallyes, bei denen Mini-Gruppen die Stadt erkunden können.

Eigentlich hätten sie an diesem Wochenende groß gefeiert: Zum 40-Jahre-Jubiläumsfest im Eschholzpark wären neben vielen Kindern und Familien auch Spielmobil-Kollegen aus ganz Baden-Württemberg gekommen. Stattdessen hofft das fünfköpfige Freiburger Spielmobil-Team, das sich drei Vollzeitstellen teilt, dass vielleicht im Herbst nachgefeiert werden kann. Doch das ist in diesen unberechenbaren Corona-Zeiten mehr als ungewiss – ähnlich wie alle anderen Pläne des Vereins für die nächsten Monate.

1980 fing alles an – am Stühlinger Kirchplatz

Die Spielstadt aus Kartons am Stühlinger Kirchplatz ist lange her: Sie war 1980 eine der Aktionen, mit der eine Studierendeninitiative der Pädagogischen Hochschule das Spielmobil startete. Im Lauf von vielen Jahren etablierten sich die immer breiter werdenden Spielangebote, längst sind sie auf Schulhöfen, in verschiedenen Stadtteilen und auf vielen Festen nicht mehr wegzudenken. Außer jetzt, in Corona-Zeiten.

Gab’s in den 40 Jahren irgendetwas mit der aktuellen Situation Vergleichbares? Dem Sozialarbeiter Torsten Willmann, der von 2000 bis 2013 beim Spielmobil mitgearbeitet hat und 2019 wieder neu eingestiegen ist, fällt der Tschernobyl-Frühling 1986 ein, der aber vor seiner Spielmobil-Zeit lag. Auch damals hätten – wegen der Angst vor radioaktiver Belastung – viele Angebote gestrichen werden müssen und die Saison sei später gestartet. Im Vergleich zu Corona seien das aber viel kleinere Einschnitte gewesen.

Mindestens bis 18. Mai bleibt es beim Totalausfall

In diesem Frühling konnte das Spielmobil noch gar nicht loslegen. Normalerweise endet die Winterpause Mitte März. Bis mindestens zum 18. Mai bleibe es beim kompletten Ausfall, sagt Torsten Willmann. Für die Zeit ab Pfingsten hoffen er und sein Team, dass dann wieder manches möglich sein wird. Allerdings müssen sie die neuen Konzepte mit Abstand und Hygieneregeln, die sie zurzeit in ihren Büros am Spielmobil-Sitz beim Mundenhof planen, zuerst mit der Stadtverwaltung abstimmen. Bei der Entwicklung der Konzepte orientieren sie sich an den Landes-Verordnungen für Freizeitparks und Indoorspielplätze, denn für Spielmobile – von denen es bundesweit inzwischen mehr als 350 gibt – fehlen entsprechende Vorgaben.

Die Hauptzielgruppe sind Grundschulkinder

Sehr vieles ist ungeklärt: Können nach Schulschluss Aktionen auf den bisherigen Spielmobil-Schulhöfen stattfinden, oder gilt weiter das Betretungsverbot? Wo sind Ausweichorte, und welche Größen sind da sinnvoll? Nötig ist ausreichend Platz für Abstand, andererseits könnten zu große Plätze zu viele Kinder anlocken. Welche Angebote müssen wegfallen, weil dabei zu viel angefasst werden muss? Ist es realistisch, alle Kinder dazu zu bringen, dass sie auf den Abstand achten und sich oft die Hände waschen oder desinfizieren? Generell richte sich das meiste an Grundschulkinder, sagt Torsten Willmann, aber manchmal kommen auch Kleinere. Letztlich bleibe nur eines: sehr viel Flexibilität, um immer wieder neu auf die jeweilige Situation zu reagieren. Dabei sollen auch die Ergebnisse der derzeit noch laufenden Freiburger Studie einbezogen werden, die klären soll, welche Rolle Kinder bei den Infektionswegen spielen. Klar sei, dass das Spielmobil unter anderem durch den Wegfall der Spieldrachen-Aktionen und des Verleihs von Spielgeräten bei Festen mindestens ein Viertel der Einnahmen verliert.

Spielmobil-Team ist seit April in Kurzarbeit

Das Spielmobil-Team ist im April auf Kurzarbeit umgestiegen. Die Mitarbeiter sind auch online aktiv. Auf der Homepage gibt’s Infos zu Spielen mit Abstand, bis Ende der kommenden Woche kommen Anleitungen für Stadtteil-Rallyes dazu. In Betzenhausen, Haslach, Rieselfeld, Zähringen und Littenweiler sollen Familien oder corona-gemäße Mini-Gruppen selbständig losziehen können. In Littenweiler sind zum Beispiel Stationen am Kunzenhof oder dem SC-Stadion geplant, jeweils mit Aufgaben, die gelöst werden müssen.
Mehr Informationen unter spielmobil-freiburg.de