An einem Waldrand enden die Spuren

Bastian Henning

Von Bastian Henning

Sa, 04. April 2015

Friesenheim

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs stirbt der Jagdflieger Otto Kittel im Luftkampf in Lettland. Sein Sohn Manfred aus Heiligenzell reiste an den Todesort des Vaters.

FRIESENHEIM. Der Heiligenzeller Manfred Kittel teilt das Schicksal vieler Kriegsgeborener: Er lernte seinen Vater kaum kennen, bevor dieser im Zweiten Weltkrieg umkam. Irgendwann fragte er sich: Wie war mein Vater? Seine Spurensuche gipfelte vor knapp zwei Jahren in einer Reise nach Lettland an den vermeintlichen Todesort des Vaters. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sprach er mit der BZ über verrottete Soldatenstiefel, Historiker in Flecktarnwesten – und einen brennenden Gedanken.

"In 100 Meter Entfernung rechterhand von Oberleutnant Kittel fliegend, sah ich, wie er eine IL-2 von hinten unten angriff, während hinter uns zwei weitere IL-2 steil hochzogen."
– Aus dem Einsatzbericht von Oberfähnrich Renner über den letzten Flug von Otto Kittel, 16. Februar 1945

Manfred Kittel beugt sich im Sessel in seinem Haus in Heiligenzell nach vorn und stützt die Arme auf den Oberschenkeln auf. Er kämpft mit den Tränen. "Da stehe ich mit meiner Frau an einem Waldstück in Lettland und mir geht dieser Gedanke durch den Kopf: Da drüben lebte mein Vater noch, da vorne war er tot. Hier war der letzte Moment, als er noch gelebt hat." Es ist die stärkste Erinnerung an seine Reise zu einem Waldrand im lettischen Kurland. In sechs Schlachten zwischen Nazideutschland und der Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs verloren hier Hunderttausende auf beiden Seiten ihr Leben, deutlich mehr Russen als Deutsche.

Im Februar 1945 stand auch Otto Kittel auf der Liste der ...

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