Gemeinderatssitzung

FSV Rheinfelden kann nach Warmbach ziehen

Ingrid Böhm-Jacob

Von Ingrid Böhm-Jacob

Fr, 19. Juli 2019 um 23:39 Uhr

Rheinfelden

Der Fußballstadtverein (FSV) darf mit Finanzhilfe der Stadt von der Richterwiese auf das alte Sportgelände in Warmbach umziehen. Diskussionen gab es aber über den Bau eines weiteren Kunstrasens.

Der Fußballstadtverein (FSV) darf mit finanzieller Unterstützung der Stadt von der Richterwiese auf das alte Sportgelände in Warmbach umziehen. Bei zwei Gegenstimmen traf der Gemeinderat diese Grundsatzentscheidung. Nach einer dennoch kontroversen Diskussion der Fraktionen zum Bau eines Kunstrasens neben dem Rasenspielfeld allerdings sind noch Fragen zu klären. Deshalb ist die Größenordnung offen, mit der sich die Stadt an dem Neubauprojekt beteiligt. Die Zuschussobergrenze wird aber bei 1,2 Millionen Euro liegen.

Der intensiven Diskussion im Sitzungssaal hörten zahlreiche FSVler zu und der Verein demonstrierte durch den Einzug von Jugendmannschaften im roten Trikot seine Stärke. Die zeigte er auch, als das Abstimmungsergebnis stand, mit einem kräftigen Applaus.

Konfliktfall Kunstrasenplatz
In der Sache herrscht Einigkeit. Der FSV mit fast 500 Mitgliedern kann sich wegen der Einschränkungen durch die Seveso-III-Richtlinie nicht weiterentwickeln. Dabei wächst der Jugendbereich fortlaufend und hat aktuell 130 Spieler. Der Gemeinderat sieht es deshalb wie der OB: "Eine Insellösung macht keinen Sinn." Das heißt, der FSV soll unter diesen Umständen eine neue Heimstatt erhalten zum Austragen der Spiele und um zu trainieren. Soweit gibt es Übereinstimmung.

Unterschiedlich wird quer durch die Fraktionen aber bewertet, ob in Warmbach zum Naturrasen ein großer Kunstrasenplatz für 389 000 Euro notwendig ist. Dieter Wild als Stadtsportausschussvorsitzender verwies in der CDU darauf, dass im Europastadion die Stadt für den Kunstrasen über eine Million gezahlt hat. Nachdem im Herten weitere 812 000 Euro für Kunstrasen investiert wurden, den zwei Vereine bespielen und auch Karsau für die Dinkelbergvereine einen laut Entwicklungsplan erhalten soll, zeichne sich ab, dass bald nur noch zwei Vereine das Angebot im Europastadion nutzen. Damit bestehe eine Überkapazität.

Für Fraktionskollegin Sabine Hartmann-Müller stellte sich die Frage, warum in so kurzer Distanz zum Stadion ein weiterer Kunstrasen entstehen soll. Auch wurde aus den Fraktionen die Frage aufgeworfen, ob Kunstrasen unter ökologischen Gesichtspunkten noch zu verantworten sei.

Alle Vereine gleich zu behandeln, wie es Karin Reichert-Moser (FWV) forderte, wird dennoch als Prinzip hochgehalten. Sie trat dafür ein, die Entwicklung des FSV zu stärken, ohne dass andere Vereine ungleich behandelt werden. Gustav Fischer (SPD) machte dagegen die Rechnung auf, dass Kunstrasen weniger Pflege brauche, und warnte davor, das jetzt aufgebaute Konstrukt in Gefahr zu bringen: "Das Ganze zu stören, ist ein Vabanquespiel." Auch Fraktionskollege Uwe Wenk bewertete das Konzept des FSV als schlüssig und hielt den Kunstrasen für nicht viel teurer als eine andere Lösung. Wie sinnvoll ein weiterer Kunstrasen tatsächlich ist, ließ sich in der Sitzung nicht abschließend beantworten. Es zeichnete sich aber ab, dass insgesamt mehrheitlich die Überzeugung pro bröckelt.

Statt die Entscheidung auszusetzen, gelang auf Vermittlung des OB eine Kompromisslösung: Der Beschluss soll nicht geändert werden, damit der FSV Planungssicherheit hat und an die Umsetzung seiner Pläne gehen kann. Der Trainingsplatz neben dem Rasenfeld steht dabei auch nicht grundsätzlich im Gemeinderat zur Disposition, lediglich der Punkt der Ausführung wird geprüft mit Blick auf weitere Entwicklungen.

Baukosten FSV-Heimstätte
Auf der Basis der vom Verein gerechneten Kosten wird im Gemeinderat so gerechnet: Clubheim mit knapp 1,4 Millionen, Zaun 70 000, Flutlicht gut 82 000, Kunstrasen 389 000, Naturrasen 257 000, Beregnungsanlage 12 600 Euro. Netto macht das unterm Strich etwas über 2,2 Millionen Euro. Die Stadt wird das Projekt nach den Sportförderrichtlinien mittragen. Das bedeutet, dass sie bis zu 1,2 Millionen (54 Prozent) leisten wird. Die Eigenleistung des FSV ist mit 600 000 Euro gesetzt, die des Badischen Sportbunds liegt bei 410 955 Euro.

Dazu hat der Gemeinderat beschlossen, dass vorbehaltlich der noch fehlenden Detailplanung eine überplanmäßige Ausgabe von über 901 000 Euro erfolgen wird. Der Gesamtzuschuss für Vereinsheim und zwei Sportplätze wird gedeckelt. Falls der Zweitplatz kein Kunstrasen wird, werden weniger als 1,2 Millionen gezahlt. Von der neuen Sportstätte des FSV, der in der Landesliga spielt, wird auch eine soziale und wirtschaftliche Aufwertung Warmbachs erwartet.