Für Staufens grüne Flecken

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Di, 04. August 2020

Staufen

Unterschriftenaktion zum Erhalt des Gartens an der Frickstraße / Schlossgarten soll öffnen.

. Im Grün. Der Name dieser Straße beschreibt, was die ganze Stadt auszeichnet: Der Neumagen zieht ein grünes Band quer durch Staufen, der Stadtsee, der Friedhof, nicht zuletzt der Schlossberg laden zur Erholung ein und bieten stadtnahe Rückzugsmöglichkeiten vom Alltag. Deshalb sind viele Bewohner der Stadt sehr aufmerksam, wenn droht, dass ein Stück Grün verloren geht, wie jetzt der sogenannte Grabengarten. Gleichzeitig, das zeigte die jüngste Gemeinderatssitzung, eröffnen sich neue Chancen, bisher vernachlässigte Grünanlagen zu öffnen.

Thematisiert wurden die Vorgänge rund um den Garten am Eingang zur Altstadt schräg gegenüber des Weinbrunnens durch eine Frage aus der Bürgerschaft zu Anfang der Sitzung. Wie ist der Stand der Dinge? Tags zuvor hatten Mitglieder der Initiative zum Erhalt des Grabengartens 517 Unterschriften an Bürgermeister Michael Benitz übergeben, die in nur zweieinhalb Wochen gesammelt worden waren. Die Unterzeichner der Petition setzen sich für den Erhalt des Gartens ein und zeigten sich laut einem Sprecher der Initiative entrüstet und wütend über den drohenden Verlust dieser grünen Lunge mitten in der Stadt.

Der Bürgermeister hatte laut einer Pressemitteilung der Initiative bei dieser Gelegenheit betont, ob das Gelände bebaut werde, sei vor allem eine rechtliche Frage sowie eine Sache der Verhandlung mit dem Besitzer. Allerdings sei die Bebauung mit erheblichen Hürden verbunden, die auch ein Investor berücksichtigen müsse. So stünden die Häuser an der Frickstrasse auf der historischen Stadtmauer, und es sei angesichts der engen Wohnbebauung mit Lärmklagen zu rechnen. Auf die Bürger-Frage in der Gemeinderatssitzung ergänzte Benitz, als vor zwei Jahren ein Baugesuch eingereicht worden sei, habe es keinen Bebauungsplan für diesen Bereich gegeben; der Gemeinderat habe erst einmal eine Veränderungssperre erlassen, die jegliches Bauen verhinderte. Nun, voraussichtlich im September, werde das Bebauungsplanverfahren offiziell eröffnet. Der Eigentümer hatte betont, nur das ganze Grundstück stehe zum Verkauf; zu prüfen sei jetzt, ob ein Teilankauf nicht doch möglich ist. Im Falle eines Kaufes durch die Stadt erwartet Benitz auf jeden Fall eine signifikante finanzielle Beteiligung durch Sponsoren wie Bürger oder Vereine.

Der Punkt 13 der Sitzung lenkte dann den Blick auf ein anderes begrüntes Grundstück, das so versteckt liegt, dass es selbst viele Staufener nicht kennen: der Schlossgarten, ein großes Areal zwischen dem Stadtschloss und den Straßen Auf dem Rempart und Jägergasse. Die Gruppe Staufen-Sulzburg des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte der Verwaltung einen Konzeptvorschlag für den etwa 3800 Quadratmeter großen Garten zugeleitet. Er gehört offiziell zum Schloss, das sich wie der Garten im Besitz der Vermögens- und Hochbauverwaltung des Landes befindet. Der Garten ist im Moment ein wenig gepflegter Bereich mit Wiesen, Sträuchern und zahlreichen Bäumen, darunter Mammutbäume, Esskastanien und eine Linde; auch ein kleiner Bereich mit verwilderten Gemüsebeeten gehört dazu. Das Betreten des Gartens ist nicht erlaubt; ein verschlossenes Tor versperrt den Weg.

Bürgermeister Benitz verwies auf die Sicherungspflicht, würde man den Garten öffnen; Baumpflege sei aufwändig und teuer. Dennoch zeigten sich Verwaltung und Gemeinderat nicht abgeneigt, zumal Benitz aktuell von einem Programm zur innerörtlichen Reaktivierung von Parks und Grünflächen berichten konnte, das mit Geld des Bundes bis zu 90 Prozent der Kosten tragen könnte. Er sah die Möglichkeit, nach Verhandlungen mit dem Land und für einen symbolischen Euro das Gelände zu pachten und dann in Zusammenarbeit mit einem noch zu gründenden Verein für die Pflege des Stadtgartens zu sorgen. Der Gemeinderat unterstützte einstimmig den Vorschlag, die Öffnung des Schlossgartens voranzubringen; die Verwaltung soll sich dafür bei den zuständigen Behörden des Landes einsetzen.