In Schildkröten-Formation

Männer aus Eisen erobern das Römerfest in Augusta Raurica

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 26. August 2019 um 09:12 Uhr

Baselland

Römische Soldaten und Gladiatoren begeistern, die Handwerkskunst beeindruckt: In Kaiseraugst ist am Wochenende das Römerfest gefeiert worden.

Alles fest in Römerhand: Auf dem Gelände der einstigen Römerstadt Augusta Raurica ist am Wochenende zum 24. Mal Römerfest gefeiert worden – mit stilechten Legionären, Gladiatoren und mit römischen Bürgern, die damaliges Handwerk ausübten. Bei bestem Sommerwetter besuchten viele tausend Gäste das Spektakel. Römische "Legionäre" haben ihr Kastell auf dem Gelände errichtet. Die römerbegeisterten Laiendarsteller haben Zelte aufgebaut und sind mit Rüstungen und Waffen ausstaffiert, die so genau wie möglich den echten vor 2000 Jahren entsprechen.

Kampf auf engstem Raum

Das Publikum versammelt sich in großer Zahl vor ihrem Lager als die Legionäre aus dem Kastell ausziehen, Aufstellung nehmen und schließlich quer durch das ganze Festareal bis zum Marsfeld ziehen, das dem Kriegsgott geweiht ist, wo sie ihre Kampfstrategien vorführen. Gekämpft wurde damals auf engstem Raum. Mit einem Kurzschwert stachen die Legionäre zu, erklärt der Legionskommandant dem Publikum. Auf die Barbaren, wie die Römer alle Völker nannten, die nicht dem Römischen Reich angehörten, müssen diese Männer aus Eisen sehr einschüchternd gewirkt haben.

Die Legionärsdarsteller werfen mit ihren Lanzen und führen die "Schildkröten-Formation" vor, die man aus den Asterix-Comics kennt, die es aber tatsächlich gab: vorne eine Wand und über den Köpfen ein Dach aus Schilden zum Schutz gegen Pfeile. Der damalige Wert einer Legionärsausrüstung entspricht heute dem eines Mittelklassewagens. Eine Uniform kannten die Römer noch nicht, jeder Legionär sah anders aus. Doch die Schilde waren bei allen Angehörigen einer Legion gleich. Den Centurio – Hauptmann einer bis zu 100 Mann starken Abteilung – erkennt man am üppigen Federschmuck auf dem Helm. Zu jeder Legion gehören auch 60 Hornbläser, deren Signal im Kampfgetöse die Befehle gibt.

Das Knochenorakel sprechen lassen

Die Legionärs-Begeisterten sind aus ganz Europa zum Römerfest nach Augst angereist. Da kommen Angehörige der "VI. Legion" aus Dänemark und der "XXII. Legion" aus Spanien. Gut vertreten ist die "XI. Legion" mit Legionären aus Belgien, Spanien, Russland und natürlich der Schweiz. Kein Wunder: Die historische XI. Legion war im ersten nachchristlichen Jahrhundert in Vindonissa, dem heutigen Windisch bei Brugg im Aargau stationiert. Die Verständigung ist indessen kein Problem, denn die Befehle der Legionäre werden in Latein gegeben. Und bei ihrem Marsch durchs Festgelände skandieren sie lateinische Sprüche, wie "Roma aeterna – ewiges Rom". Doch nicht nur die Legionäre ziehen beim Römerfest die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Wenn in Arena der Gladiatoren die Kämpfer aufeinandertreffen, ist der ovale Platz von mehreren Reihen Zuschauern umgeben. Wer selbst ein großer Kämpfer werden will, kann anschließend die Gladiatorenschule besuchen. Während auf dem Ager die Wildschweine am Spieß brutzeln, werden auf dem weitläufigen Forum die unterschiedlichsten Handwerkskünste gezeigt. Da werden Kettenhemden hergestellt und Gläser geblasen, es gibt eine römische Schuhmacherei und eine Apotheke, und man kann das Knochenorakel sprechen lassen. Dazwischen finden sich Informationsangebote, etwa über römische Münzen, über archäologische Forschung, über die Jagd oder Rechentafeln, die das Rechnen mit römischen Zahlen erleichterten. Musiker führen Musik auf originalgetreu nachgebauten Instrumenten vor, eine andere Gruppe zeigt, wie sich die Bewohner der verschiedenen Provinzen kleideten. Maskenspiele und Tänze gibt es im antiken Theater zu sehen, und Familien können beim Streitwagenrennen mitmachen.