Coronavirus

Fußballer des TuS Efringen-Kirchen kaufen für Senioren ein

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Mi, 01. April 2020 um 08:30 Uhr

Efringen-Kirchen

Was tun Fußballer und Fußballerinnen, wenn das Training ruht? Die Spieler des TuS Efringen-Kirchen machen sich bei einem Einkaufsservice für ältere Menschen nützlich.

Seit knapp zwei Wochen bieten der TuS, das Bürgerbusteam und die "Sorgenden Gemeinde" den Einkaufsservice in Efringen-Kirchen an an, wie kommt er an? "Es geht", sagt Mike Hess, sportlicher Leiter des TuS Efringen-Kirchen, der die Idee zu diesem Engagement des TuS hatte. "Wir hätten aber noch Kapazitäten". Im Durchschnitt meldeten zwei "Kunden" am Tag einen Einkaufsauftrag an, berichtet er. Es dürften gern mehr sein.

Der Einkaufsservice ist – dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem TuS und dem eingespielten Bürgerbustelefonteam – für Nutzer sehr einfach. Mike Hess kam die Idee zum Einkaufsservice, nachdem die Vereinstätigkeit wegen der Corona-Gefahr eingestellt war, das Training ruhte. So hatten die Fußballer und Fußballerinnen Zeit für anderes.

Als er dann hörte, dass auch die Initiative "Sorgende Gemeinde" ähnliche Pläne schmiedete, war für ihn klar, dass eine Zusammenarbeit das Beste wäre. Das Bürgerbustelefonteam um Sonja Pagenkopf – sie ist übrigens auch Mitglied im TuS – stellt nun auch die Einkaufshotline sicher, mit viel Unterstützung der TuS-Sportler.

Die Spieler haben einen Dienstplan

Mehr als 40 Helfer – Fußballer und Fußballerinnen der TuS-Aktivmannschaften sowie deren Partner und auch Vorstandsmitglieder im Alter zwischen 20 und 45 Jahren – machen mit. Sie verteilten erst Flyer über das Angebot, machten Aushänge, um darauf aufmerksam zu machen. Der Einkaufswunsch oder auch die Essensbestellung bei mitmachenden Gaststätten wird über die Telefonhotline angemeldet. Im Dienstplan, der über Doodle wöchentlich aktuell erstellt wird, ist verzeichnet, welche Helfer wann einsatzbereit sind.

Das Telefonteam verständigt den Betreffenden, der dann Kontakt mit dem "Kunden" aufnimmt. Genau wird vereinbart, wann der TuS-Helfer mit welchem Auto kommt. Erst, wenn es vor der Tür steht, stellen die Leute Tasche, Einkaufszettel und Geld hinaus – so funktioniert dies kontaktlos und diebstahlsicher. Ebenso warten die Helfer dann später in der Distanz ab, bis die Einkäufe vom Besteller hineingeholt wurden.

"Nicht alle kommen mit der Isolation gut klar." Christiane Breuer

Warum die Resonanz nicht größer ist? Bürgerbuskoordinatorin Christiane Breuer hat die Beobachtung gemacht, dass der Großteil der Senioren von Angehörigen oder Nachbarn versorgt wird. Von anderen hat sie gehört, dass sie im Moment genug Vorräte haben, den Service aber vielleicht später mal nutzen wollen. Sie stellt aber auch fest, dass gerade ältere Menschen oft noch in Läden anzutreffen sind. "Sonst komme ich ja gar nicht mehr aus dem Haus," hört sie immer wieder. Weshalb sie schon überlegt hat, ob eine Art Sorgentelefon gut wäre, damit Senioren Gelegenheit zum Reden haben. "Nicht alle kommen mit der Isolation gut klar".

Eines gibt Christiane Breuer noch weiter: Auch wenn ältere Menschen zu Hause bleiben sollten, zum Arzt oder Therapeuten müssen sie ja trotzdem. Und da stehe der Bürgerbus selbstverständlich weiter bereit dafür. Einfach anrufen unter der bekannten Nummer, die nun wochentags jeden Vormittag erreichbar ist – bis Ostern, so hat das Team entschieden. Dann werde man entscheiden, ob und wie der Service weiter gebraucht wird.

Mike Hess hofft derweil, dass der Einkaufsservice noch besser genutzt wird. Und wirklich keiner brauche sich zu sorgen, damit jemanden zu belästigen. "Wir machen es gern – alle, die mitmachen, sind hoch motiviert und warten auf Bestellungen."
Einkaufsservice und Bürgerbus sind von Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr, zu bestellen unter Tel. 07628/806123.