Fußballfete frei Haus(en)

Edgar Steinfelder

Von Edgar Steinfelder

Di, 20. August 2019

Hausen im Wiesental

Die vom Hausener Stubengericht Verurteilten büßen ihre Strafe ab – und das Dorf hat Freude.

HAUSEN. Ausnahmezustand herrschte im Hof des historischen Gasthauses Adler: Mussten doch hier zwei von insgesamt drei verurteilten Delinquenten ihre vom Altbadischen Stubengericht von Huuse Ho am Fasnachtsdienstag ausgesprochenen Strafen einlösen.

Heiner Rippel, der wegen seiner samstäglichen Fußballübertragungen im heimischen Fernsehgarten von Dorfrichter Michi Brugger zu einem Kickerfest mit Bewirtung der Hausener Fußballfans verdonnert worden war, zeigte sich dabei von seiner reumütigsten Seite. So hatte er im Adlerhof ein mit sämtlichen Vereinsfahnen der Bundesliga ausgeflaggtes Fernsehstudio eingerichtet.

Üblicherweise empfängt Rippel seine Fernsehgäste zum gemeinsamen Fußballschauen im eigenen Schrebergarten in der Hebelstraße. Diese stimmen dann vor der überdimensionalen Glotze zwischen Bohnenstangen und Sonnenblumen ihre markerschütternden Fangesänge an und malträtieren damit die Nachbarschaft. In Rippels Gartenidylle sitzen die Zuschauer sendergesteuert nicht in der ersten oder zweiten Reihe, sondern direkt gegenüber der mächtigen "Sky"line des Hausener Mühlenkomplexes. Die Verlagerung der Fernseh-Fanmeile in den Adler stellte für Rippel entsprechend eine einschneidende Zäsur dar.

Der vom Stubengericht Verurteilte hat den Umzug in den Adlerhof zwar billigend, aber durchaus mit Schmerzen in Kauf genommen. Während sich seine Gäste in allen möglichen Fantrikots mit Gerstensäften aus vielen deutschen Regionen für den Knaller zwischen Bayern und Hertha zum Auftakt der Fußball-Bundeliga präparierten, hatte der Sträfling am Grill schweißüberströmt Schwerstarbeit zu verrichten.

Die in den Adlerhof verlagerte Fernsehgemeinde feierte auch an diesem ungewohnten Ort überschwänglich ein rauschendes Fußballfest, wobei der Spielausgang der Auftaktpartie von den Fans verständlicherweise unterschiedlich bewertet wurde.

Es war mehr als eine Pauseneinlage, als dann auch die verurteilte Delinquentin und Adlerwirtin Andrea Behringer ihre gerechte Strafe wegen der Züchtungen einer gemeinen einstieligen Geraniensorte in den Blumenkästen auf den Fensterbänken des Gasthauses Adler einlösen musste. Reumütig stieg die verurteilte Wirtin in das kalte Wasser des Adlerbrunnens, während ihr als Eventmanager und Gärtner angestellter Lebensgefährte Mario Brugger vor den Gästen einen wissenschaftlich fundierten Vortrag über die seltene Züchtung dieser Einstielergeranien zum Besten gab. Dabei erwies sich Brugger als überaus fachkundiger Botaniker, der die Nachhaltigkeit dieser Pflanze mit unumstrittenen Argumenten unterstrich. Den Einstielergeranien würde er nach dem Verblühen eine Winterpause im Adlerkeller gönnen und sich dabei mehrmals in der Dunkelheit des Adler-Untergrundes mit den schlummernden Pflänzchen angeregt unterhalten, erzählte Brugger. Mit lockeren Sprüchen würde er sodann den "Geranikus unos stieliensis" die Wartezeit bis zum Hebelfest am 10. Mai verkürzen. Dann aber dürften sie sich auf den Adler-Fensterbänken wieder in ihrer ganzen Pracht entfalten, erklärte Mario Brugger. Seine Zuhörerschar hatte von seinen akademisch vorgetragenen Ausführungen zwar nichts verstanden, spendete aber tosenden Applaus für den Mann mit dem grünen Daumen.

Und in seiner Parallel-Rolle als strenger Hausener Dorfrichter sah sich Michi Brugger nach diesem fröhlichen Strafeinlösungsfest wieder einmal in der Unfehlbarkeit seiner Urteile bestätigt.

Nun steht lediglich noch die Urteilseinlösung des Käsehändlers und Hausener CDU-Vorsitzenden Helmut (Lemmy) Lang aus, der sich wegen seiner Zeller Hausbeflaggung während der Huusemer Fasnacht zu verantworten hat, sich aber eine vierwöchige Bedenkzeit während eines Badeurlaubs in Thailand auserbeten hat.