"Gefesselte Wut" auf der Leinwand

Maria Dinger

Von Maria Dinger

Do, 09. Juli 2020

Lahr

LEUTE IN DER STADT: Wie die Malerin Christa Ferreira Pires in Corona-Zeiten arbeitet.

. Was macht die Malerin Christa Ferreira Pires in Zeiten von Corona? "Ich habe mir einen Malplatz auf meiner schönen Laube eingerichtet und kann dort jederzeit einen Pinsel greifen", sagt die Künstlerin, die in der Innenstadt wohnt. Die BZ hat sie dort besucht.

Umgeben von größeren modernen Wohnblöcken, fällt dieses alte kleine Hinterhaus mit der Loggia und der zauberhaft kunstvollen Holzkonstruktion sofort ins Auge. Ruhig ist es an diesem Ort keineswegs. Da ist einmal eine viel befahrene Straße, aus einem Auto dröhnt laute Musik, Kinder spielen unüberhörbar in Höfen und vor den Hauseingängen. Bei dem durchgängig traumhaft frühsommerlichen Wetter befinden sich sehr viele Nachbarn der Künstlerin natürlich auch draußen auf ihren Balkonen: "Da hat mir kürzlich eine Nachbarin zugewunken, man hat sich ja vor Corona nur flüchtig wahrgenommen, das ist jetzt anders", bemerkt die Künstlerin.

Instagram als Quelle der Inspiration

Wie gelingt ihr das Malen in dieser neuen Situation? Sie berichtet von zwei Bildern, die sie zuletzt gemalt hat. Eines trägt den Titel "Orientierungslos", das andere nennt sie "Gefesselte Wut". Sie sind mit Acryl auf Leinwand gemalt. "Ich merke, es ist sehr gut in dieser Zeit, die fließende Materialität auf der Leinwand zu bewegen, zu transformieren, wie meine in sich gefangene Gedankenwelt, die von Angst und Sorge geplagt ist", sagt sie bei dem Besuch während der Corona-Krise.

Christa Ferreira Pires lebt seit 2013 in der Ortenau. Zunächst zog sie nach Seelbach, seit fünf Jahren wohnt sie in Lahr. Die Malerin wurde 1956 in Heusden in Belgien geboren und sie trägt den Namen des portugiesischen Mannes, mit dem sie verheiratet war. Der Grund, in den Schwarzwald zu ziehen, waren in erster Linie ihre beiden Töchter beziehungsweise ihr Enkel, der in Lahr geboren wurde. Als sie noch in Lörrach wohnte, hatte sie eine Ausbildung in der Assenza Malschule in Münchenstein in der Schweiz absolviert. Diese Schule wurde von vier Schülern des 1985 verstorbenen Gründers Beppe Assenza geleitet, der anthroposophische Hintergrund des Gründers war prägend. Assenza war von 1957 bis 1985 freier Künstler und Leiter der Malschule im Goetheanum in Dornach.

"Ich bewege mich sehr gerne im Farbkreis nach Goethe, durch Moll und durch Dur, auch die Farbenlehre von Rudolph Steiner fließt ein", sagt sie. Die Künstlerin empfindet das Malen als Abenteuer: "Ich möchte durch Farbe Licht entstehen lassen, zugleich soll durch Form und Komposition ein "Event" entstehen".

Welche Vorbilder hat sie für ihre Malerei? "Ich bewundere William Turner, wie er Licht gemalt hat, Per Kirkeby wegen der wahnsinnigen Freiheit, die ich in den Arbeiten spüre, auch Mark Rothko wegen der Spürbarkeit der Farbe", sagt sie.

Was ihr derzeit auch viel gibt, das sind ihre unzähligen Kontakte durch Instagram. "Es ist herrlich, dass man gleichgesinnte Menschen verfolgen und erleben kann auf diese Art. Eine tolle Community, die mir Zuversicht und Inspiration bietet."