Wahlkreis 283

Generationenübergreifend: Wolfgang Schäuble und Yannick Bury werben für Gemeinsamkeit

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Di, 31. August 2021 um 15:09 Uhr

Emmendingen

Politik im Park", so war der Wahlkampfauftritt von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in Herbolzheim angekündigt. Doch auch in der Breisgauhalle sorgte der CDU-Veteran für gut gefüllte Reihen.

"Die CDU ist eine Volkspartei, die alle gesellschaftlichen Gruppierungen umfasst." So begrüßte CDU-Direktkandidat Yannick Bury die rund 150 Besucherinnen und Besucher in der Breisgauhalle in Herbolzheim. Hierhin war die CDU umgezogen, nachdem das Wetter der geplanten Veranstaltung "Politik im Park" einen Strich durch die Rechnung machte. Das Miteinander der Generationen werde an diesem Abend deutlich, an dem neben Bury als Vertreter der jungen Generation die langjährige politische Erfahrung in Person des 79-jährigen Wolfgang Schäubles auf dem Podium saß.

Bevor dieser eintraf, stimmte Bury auf die "heiße Phase des Wahlkampfs ein, die bereits läuft, schließlich ist wegen der Briefwahl bereits jeder Tag Wahltag".

Bury, der sich im Wahlkreis Emmendingen-Lahr als Direktkandidat aufstellen ließ und nicht über einen Listenplatz in den Bundestag gewählt werden könne, sieht seine Chance als Vertreter der jungen Generation. "In den kommenden vier Jahren werden Entscheidungen getroffen, die weit über die Legislaturperiode hinaus reichen", führte er aus. Daher müssten die jüngeren Menschen auch in der Politik vertreten sein.

Dreiklang aus Innovationsmeisterschaft, Zusammenhalt

Inhaltlich setze er auf den von ihm benannten Dreiklang aus Innovationsmeisterschaft, Zusammenhalt und Ressourcenschonung. Deutschland müsse den Anschluss halten in Sachen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Autonomes Fahren und für den entsprechenden Ausbau der Infrastruktur sorgen. Zudem gelte es, nach den Verwerfungen der vergangenen Monate für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sorgen, auch um die Herausforderung einer alternden Gesellschaft zu meistern. Und letztlich müssten für den Klimaschutz Lösungen gefunden werden, um den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt bieten zu können.

Ein Aspekt, den auch Wolfgang Schäuble in seiner rund 45-minütigen Ansprache unterstrich. "Wir müssen mehr für den Klimaschutz machen und dabei die Innovationskraft der Wirtschaft nutzen", fasste er seine Position zusammen. Nicht Verbote und disziplinarische Maßnahmen seien gefordert. Vielmehr müsse die Politik Ziele benennen und den Unternehmen Freiräume schaffen, diese Aufgaben umzusetzen. Klimaschutz und Wirtschaft seien keine Gegensätze.

Auch Schäuble appellierte, den Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder zu stärken. Corona, die Flutkatastrophen im Ahrtal und im Erftkreis sowie die Afghanistankrise, wie unter einem Brennglas bündelten sich die Probleme, die von der Politik Lösungen erfordern. Dabei legte er einen inhaltlichen Schwerpunkt seines Auftritts auf die Bewältigung der Pandemie und machte klar: "Ich appelliere an alle, auch die Jüngeren, sich impfen zu lassen. Denn nur Impfen nützt und Impfen schützt." Im Einklang mit den AHA-Regeln könne so ein möglicher neuer Lockdown abgewendet werden. Als Schäuble merkte, dass er beim Publikum auf Zuspruch stieß, fügte er an: "Wenn Sie klatschen wollen, bitte, ist mir recht."

Widerspruch aus Reihen der Besucher zum Thema Impfen

Wobei er im anschließenden Dialog, einer Art Fragerunde, in diesem Punkt auch Widerspruch erfuhr. Ein Besucher äußerte seine Bedenken, dass Impfungen von Kindern und Jugendlichen wegen fehlender Erfahrungen mit den Vakzinen nicht gerechtfertigt seien. Auf mögliche Neben- und Nachwirkungen angesprochen, verwies Schäuble darauf, "dass wir nicht zehn Jahre warten können. Wir müssen jetzt handeln, um die Pandemie baldmöglichst zu beenden". Und auch auf den von einer Besucherin zunächst lautstark geäußerten Vorwurf der "Impfpropaganda in übelster Weise" begegnete Schäuble in ruhiger Manier. Der Besucherin, die laut eigener Aussage den Tod eines Freundes nach einer Corona-Impfung beklagt, antwortete Schäuble sachlich mit dem Hinweis darauf, dass, wenn die Wahrscheinlichkeit, schwer an Corona zu erkranken größer sei als die Gefahr durch eine Impfung, ohne dabei einzelne Schicksale auszublenden, dann spreche die Vernunft dafür, sich impfen zu lassen. Und betonte ausdrücklich, dass dieses die freie Entscheidung eines jeden Einzelnen sei und aus seiner Aussage kein Hinweis auf eine Impfpflicht abzuleiten sei.

Keine Aussage zu möglichen Koalitionen

Im Rahmen der Fragerunde wurde Schäuble auch um eine Koalitionsaussage für die CDU gebeten. Diese ließ er offen, verwies darauf, dass die CDU am Wahlabend als "hoffentlich stärkste Partei mit allen demokratischen Parteien sprechen wird", dieses Gesprächsangebot aber für die Parteien an den extremen Seiten des Spektrums ablehne. Zunächst gelte es, nicht zu spekulieren, sondern die Zeit bis zur Wahl zu nutzen, viele Menschen zu überzeugen, um dann nach der Wahl möglichst viele CDU-Ziele in der Regierung umzusetzen.