Eltern sind ein Dauerbrenner

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 11. Juni 2019

Gengenbach

Lesung mit Sebastian Lehmann.

GENGENBACH. Volles Haus in der Nollenhalle zur Lesung mit Sebastian Lehmann. Der Radio-Comedian ist Mitbegründer der Berliner Lesebühne, zu der unter anderem der Erfolgsautor Marc-Uwe Kling gehört. Während dessen Sparringspartner ein imaginäres Känguru ist, sind es für Lehmann die Eltern. Der Satz: "Meine Mutter ruft aus meiner Heimatstadt Freiburg an", bildet das Ostinato seines Programms. Lang wird die Selbstinszenierung des mittlerweile 37-jährigen Autors als Berufsjugendlicher aber nicht mehr tragen. Deshalb gibt es neben den Mama-Telefonaten und den Erinnerungen an Jugendkulturen der 1990er auch fast erwachsene Erfahrungen in einem Bürgerbüro. Dort will Lehmann Elterngeld beantragen, am besten gleich mal für 18 Jahre, so lange sei man schließlich finanziell verantwortlich für die Kinder.

Den eigenen Eltern ist der Slam-Poet und Autor jedoch länger auf der Tasche gelegen. Kein Wunder, dass sie meinen: "Mit deinem Bruder hatten wir ja Glück." Dieser arbeitet in der Bank, "verdient also Geld mit Geld", wogegen Sebastian immer noch um Unterstützung bitten muss, wenn die Waschmaschine kaputt ist.

Lustig ist der Abend vor allem, weil das Publikum Parallelen erkennen kann. Mütter, die bei ihren Besuchen die Fenster putzen. Väter, für die ein Essen ohne Fleisch kein Essen ist. Eltern, die der Leere im Eigenheim durch Volkshochschulkurse und Flusskreuzfahrten entfliehen. Lehmann hat den typischen Poetry-Slammer-Ton drauf, ein bisschen nuschelig, und mit Lokalkolorit versehen.

"Wie alle echten Berliner komme ich aus Süddeutschland", bekennt er. Genauer aus Freiburg, so dass ein paar Witze über Stuttgart passend erscheinen. "Immerhin gibt es in Freiburg einen Bundesligisten und einen Bahnhof." Trotzdem, Berlin hat auch seine Vorteile – vor allem den, dass es weit weg von Freiburg ist und die Eltern nicht so oft zu Besuch kommen. Wenn aber doch, dann verlaufen sie sich und tragen aus Angst vor Taschendieben den Rucksack vor dem Bauch.

Weniger gelungen sind die Partien, bei denen Lehmann den Google-Übersetzer vorführt, der die Texte von Popsongs absurd zerhackstückt. Warum er außerdem Helene Fischers Atemlos ins Lateinische und dann wieder ins Deutsche übersetzen ließ, erschließt sich kaum.

Richtig Spaß machen die Dialoge, wie jener mit einem Berliner Hausmeister. Der grüßt kurz vor sieben mit "Juten Mittach", antwortet auf die Frage, ob er Hausmeister sei, mit: "Ick jeb mir Mühe".