Gerechterer Lohn für Schiedsrichter

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Mo, 08. Juli 2019

Fussball

Staffeleinteilung für Kreisliga B sorgt beim Bezirkstag für schlechte Stimmung / Dieter Schindler gründet konstruktive Plattform.

FUSSBALL. Beim Bezirkstag des Bezirks Offenburg wurden die Weichen für die neue Saison gestellt. Im Mittelpunkt standen die Personalien: Der Vorsitzende Heinz Schwab wurde im Amt bestätigt wie auch alle anderen Mitglieder des Bezirksfachausschusses (BFA). Lediglich der Ehrenamtsbeauftragte Hermann Baumann wurde nach langen Jahren verabschiedet. Seine Aufgabe übernimmt Fritz Wendling. Bezirksliga-Staffelleiter Reiner Lehmann erhielt die goldene Ehrennadel des Verbandes.

Karsten Rendler, Vorsitzender des Bezirkssportgerichts ging in der Ullenburghalle in Renchen-Ulm auf die Strafsachen ein und kritisierte die ausufernde Aggressivität gegen Schiedsrichter. Er ermahnte alle Aktiven zur Mithilfe und Unterstützung, "dass der Sport sauber bleibt". Um das Amt des Schiedsrichters attraktiver zu machen, soll ein neues, gerechteres Besoldungsmodell eingeführt werden. Wilfried Pertschy, Bezirksschiedsrichterobmann, stellte das neue Modell und seine Vorteile anhand einiger Rechenbeispiele vor. Beim Verbandstag am 27. Juli soll über den Entwurf abgestimmt werden.

Die DJK Tiergarten-Haslach stellte an den Bezirksausschuss den Antrag, die Stammspielerregelung in der Kreisliga A aufzuheben. "Es ist eh schwierig, Spieler zu finden", sagte der Vereinsvertreter. Durch die bestehende Regelung entstehe Frust, manche Spieler wechselten den Verein oder würden ganz mit dem Fußball aufhören. Besser wäre, nicht die Einsätze der Spieler zu zählen, sondern deren Spielminuten als Kriterium heranzuziehen. Der Vorsitzende Heinz Schwab sah jedoch keine Möglichkeit, diesem Antrag nachzukommen.

Der Vertreter des FSV Altdorf, bekanntlich geschädigter Verein eines heftigen Gewitters, empfahl nun, die Gesetzeslage für so einen Fall zu überdenken. "Man könnte das Spiel dort wieder aufnehmen, wo es unterbrochen worden war – mit der entsprechenden Zahl von Spielern, falls es Platzverweise gegeben hat", sagte der Altdorfer. Stand jetzt müsse das Spiel in jedem Fall von Anfang an wiederholt werden, selbst wenn sich beide Vereine über das Ergebnis einig wären. In diesem Fall sicherte Schwab seine Unterstützung zu, in einem solchen Fall künftig eine vernünftige Lösung zu ermöglichen.

Hitzige Diskussionen ergaben die Vorschläge der Staffeleinteilung für die Kreisliga B. Gleich mehrere Vereine sahen sich unglücklich eingeteilt und drängten auf eine Änderung. Die TGB Lahr kritisierte die vielen Ausflüge ins Kinzigtal, die die Existenz des Vereins gefährden würden, wie ein Vertreter erklärte. Tatsächlich ist die TGB Lahr zusammen mit dem SC Kuhbach-Reichenbach in der Staffel drei gelandet, in der sich sonst nur Kinzigtalteams finden. Es gab spontanen Beifall aus dem Saal für die Kritik an diesem Vorhaben.

"Soll der Applaus bedeuten, wir fangen die Kreisliga B nochmal von vorne an?", fragte der Bezirksvorsitzende Heinz Schwab sichtlich genervt, und erntete spontane Ja-Rufe. In der weiteren emotionalen Diskussion dreht sich das Karussell. Sind Ortenberg und Zunsweier in der drei nicht viel besser aufgehoben als in der zwei, wo sie doch deutlich näher am Kinzigtal liegen würden? Und den SC Friesenheim und den SV Heiligenzell lieber aus der vier in die drei? Sind 17 Mannschaften in einer Staffel akzeptabel oder zu viel? Nach einer halbstündigen Diskussion ließ Schwab den Erstentwurf erfolgreich abstimmen – zum Ärger einiger Vereinsvertreter (siehe Einwurf).

Positiver Ansatz nach reichlich Ärger und Diskussionen

Doch es gab auch positive Ansätze: Dieter Schindler, Trainer des SV Renchen, möchte eine Plattform zum dauerhaften Austausch und Dialog mit den Ausschussmitgliedern bilden und verteilte zum Ende der Versammlung Formulare für die Kontaktdaten für interessierte Kollegen aus anderen Vereinen. Schindler schwebt vor, Missstände an der Basis im Kollektiv aufzuarbeiten und konstruktiv mit den Funktionären zu besprechen – nicht nur bei Bezirkstagen, sondern kontinuierlich in regelmäßigen Sitzungen.

Einen Entwurf mit Themen hat er gleich mitgebracht. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, weshalb Vertragsamateure ablösefrei wechseln dürfen und um die Problematik, dass Reservemannschaften in die Kreisliga A aufsteigen dürfen, aber auch um die Frage, weshalb von Seiten des Verbandes für jede Handlung eine Gebühr erhoben wird, und er möchte sich mit der Frage beschäftigen, wie der Amateurfußball aufgewertet werden kann und wieder modern wird. "Letztlich müsste die Arbeit über alle Ebenen hochgehen bis zum DFB", sagt Schindler. Entsprechend breit müsse die Basis angelegt sein. Die spontane Resonanz war riesig, alle kopierten Formulare ganz schnell ausgefüllt.