Der Löffinger Flugbegleiter Lars Sukale

GESICHT DER WOCHE: Als die Welt stillstand

Florian Kech

Von Florian Kech

So, 12. September 2021

Südwest

Am Morgen des 11. September 2001 stieg Lars Sukale am Frankfurter Flughafen in eine Lufthansamaschine mit dem Ziel Philadelphia. Der damals 20-jährige Löffinger jobbte während des Studiums als Flugbegleiter. Wenige Wochen zuvor war er in New York gewesen und hatte die Gelegenheit genutzt, das World Trade Center zu besichtigen. Er wollte hinauf ins Turmrestaurant "Windows of the World", doch die Schlange war endlos. Er tröstete sich mit dem Gedanken, in wenigen Wochen zurückzukehren. Die Türme würden schon nicht weglaufen. Auf dem Philadelphia-Flug sah Sukale gerade das grüne Irland unter sich hinwegziehen, als er überrascht feststellte, dass ihm die Sonne entgegenschien. Das Flugzeug hatte umgedreht. Die Vorgesetzte teilte der Crew mit, dass über den USA ein Flugverbot verhängt worden sei. Ein Flugzeug sei in das World Trade Center gekracht. Es folgte eine Durchsage des Piloten. An den Wortlaut kann sich Sukale nicht mehr erinnern. "Aber ich weiß noch, dass der Pilot später im Cockpit einen Unfall ausschloss. Er sagte, niemals würde ein Pilot aus Versehen in ein Hochhaus fliegen." Nach der Landung in Frankfurt herrschte eine gespenstische Stimmung. Auf den Bildschirmen sah Sukale die Einschläge in die Zwillingstürme. Spätestens jetzt war auch dem Letzten klar: Amerika ist das Angriffsziel von Terroristen. Die Welt stand still und drehte sich doch weiter. Zwei Wochen nach den Anschlägen flog Sukale nach New York. "An Bord waren nur wenige Passagiere, die Anspannung war spürbar", erinnert er sich. Fliegen war nach "Nine Eleven" nicht mehr wie vorher. Die Kontrollen wurden verschärft, das Cockpit, in das früher Kinder ein und aus gehen durften, war nur noch mit Einlasscode zugänglich, und Flugbegleiter mussten sich Kampfgriffe aneignen. Ground Zero lockte Katastrophentouristen an. Deswegen habe er mit dem Besuch zunächst gezögert, sagt Sukale. Er ging dann doch hin, verzichtete aber auf Fotos. Der Anblick der offenen Wunde im Herzen Manhattans, aus der immer noch Rauch aufstieg – "diese Bilder werde ich niemals in meinem Leben vergessen."
Seine Geschichte erzählt Lars Sukale im BZ-Talk unter: mehr.bz/sukale-9-11