Gesicht der Woche

Anselm Grün: Mitten ins Herz im Paulussaal in Freiburg

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

So, 26. Januar 2020 um 14:39 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Er ist sicherlich der berühmteste Mönch hierzulande und mit mehr als 20 Millionen verkauften Exemplaren außerdem einer der populärsten Autoren deutscher Sprache weltweit: Anselm Grün.

Der Benediktinermönch aus dem Kloster Münsterschwarzach hat aus christlicher Mystik, fernöstlicher Meditation und der Psychologie C.G. Jungs einen Glaubenskosmos geschaffen, der den von Job und Selbstoptimierung Gestressten ebenso etwas sagen kann wie suchenden Teenagern und Katholiken, die von ihrer allzu starren Kirche enttäuscht sind und Protestanten, die sich mehr Innigkeit und Zauber wünschen. Wer eines von Grüns bislang mehr als 400 Bücher liest, darf sich verstanden, getröstet und beruhigt fühlen. Und das tun viele: Wo immer er auftaucht, strömen die Menschen zu ihm. So auch am Dienstagabend dieser Woche in den Freiburger Paulussaal, wo der 75-Jährige auf Einladung des Herder-Verlags aus seinem neuen Buch "Der Weg ins eigene Herz: Die Antwort der Religionen auf die Suche nach Sinn und Glück" las.

Der Paulussaal war voll besetzt

Schon eine halbe Stunde vor Beginn waren die rund 800 Plätze im Saal und auf den Emporen voll besetzt mit Betagten, Menschen mittleren Alters und vielen jungen Männern und Frauen. Wer keinen Platz mehr bekam, durfte an den offenen Saaltüren stehen und erlebte einen bescheidenen und humorvollen Menschenfreund mit dem charakteristischen Bart. Die Geschichten, aus denen Anselm Grün nach einführenden Worten seines Lektors Rudolf Walter, des Verlegers Manuel Herder und einem Bach-Stück der Cellistin Åsa Åkerberg las, erzählen von Begegnungen und Erkenntnissen der spirituellen Art. Sie stammen aus Christentum und Islam, Judentum, Hinduismus und wie diese aus dem Buddhismus: Ein junger Mönch fragt seinen Meister: "Was kann ich tun, um die Welt zu retten?" Der Meister antwortet: "So viel, wie du tun kannst, damit die Sonne aufgeht." Daraufhin ist der Mönch enttäuscht: "Was bringen dann all meine Bemühungen und guten Taten?" Und der Meister sagt: "Dass du wach bist, wenn die Sonne aufgeht."

Das Publikum reagiert mit zustimmendem Murmeln und leisem Lachen. Zum Schluss lädt Grün alle ein, die Hände vor der Brust zu kreuzen und "die Angst und die Freude, das Gesunde und das Kranke, das Junggebliebene und das Altgewordene" in sich zu umarmen. Danach spricht er ein Abendgebet. Die Zuhörer machen gerne mit und danken dem Pater für seine einfachen und offenbar inspirierenden Weisheiten mit langanhaltendem Applaus.