Hirntod: Eine todsichere Diagnose?

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Di, 10. Juni 2014 um 12:55 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Es gibt Fälle, da gelangt die medizinische Diagnostik an ihre Grenzen. Auch in Deutschland werden bei der Hirntod-Feststellung Fehler gemacht. Sind die Vorschriften zu locker?

Hirntot, Angèle Lieby hat erlebt, wie das ist. Genauer gesagt, wenn alle anderen meinen, dass sich im eigenen Gehirn nichts mehr regt, man selbst all dies aber bei vollem Bewusstsein mitkriegt. So zumindest hat die Französin es einer Journalistin der Badischen Zeitung erzählt, fast fünf Jahre, nachdem sie aus ihrem scheinbaren Koma aufgewacht ist. Die 57-Jährige gehört zu den seltenen Fällen, an denen die medizinische Diagnostik, die den Tod vom Leben trennen soll, tatsächlich an ihre Grenzen gerät.

Mit einer sogenannten Bickerstaff-Hirnstamm-Encephalitis war sie in das Straßburger Klinikum eingeliefert worden. Zuerst waren es nur unerträgliche Kopfschmerzen, dann verlor sie das Bewusstsein, schließlich konnte sie keinen einzigen Muskel im Körper mehr wirklich bewegen. Ihr eigenes Immunsystem hatte irritiert durch eine vorangegangene Infektion die eigenen Nerven angegriffen und dadurch gewissermaßen die Verbindung zwischen Gehirn und dem Rest des Körpers gekappt.

Locked-in-Syndrom nennt der Mediziner einen solchen Zustand, weil das Ich im eigenen Gehirn ohne Verbindung zur Außenwelt eingesperrt ist. Normalerweise können sich solche Patienten wenigstens noch durch Zwinkern oder Augenbewegungen bemerkbar machen. Angèle Lieby, bis hier hin sind sich alle Seiten einig, war auch das nicht mehr möglich – mit der Folge, so die Version der Patientin gegenüber der Zeitung, dass man sie für hirntot erklärte.

Ohne Diagnose keine Diagnostik
Die Version der Straßburger Ärzte und auch die in dem Buch, das Lieby über ihre Leidensgeschichte geschrieben hat, lautet allerdings anders. Demnach hätte zwar ...

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