Integration

Glottertals Sozialarbeiterin soll ihre 70-Prozent-Stelle behalten

Helmut Rothermel & Sebastian Krüger

Von Helmut Rothermel & Sebastian Krüger

Fr, 12. Juli 2019 um 15:40 Uhr

Glottertal

66 Flüchtlinge sind derzeit in Glottertal untergebracht. Eine wichtige Rolle bei deren Integration spielt die Sozialarbeiterin. Deren Stelle sollte reduziert werden, da die Finanzierung unklar war.

Wegen Unklarheiten bei der Finanzierung hatte die Gemeinde Glottertal darüber nachgedacht, die 70-Prozent-Stelle einer für die Flüchtlingsintegration im Ort zuständigen Sozialarbeiterin der Caritas auf eine 50-Prozent-Stelle zu reduzieren. Dass die Finanzierung nun steht, hat den Gemeinderat dazu bewogen, die Stelle im bisherigen Umfang beizubehalten.

Bei der Unterbringung und Betreuung der aktuell 66 Flüchtlinge im Ort habe die Gemeinde Glottertal in den vergangenen Jahren eine große Integrationsleistung erbracht, sagte Bürgermeister Karl Josef Herbstritt in der Gemeinderatssitzung. Dank der Unterstützung der Bürger konnte ein Großteil der Flüchtlinge dezentral untergebracht und so eine Ghettobildung vermieden werden. Einzig im Gewerbegebiet gibt es eine Gemeinschaftsunterkunft, in der derzeit 21 meist junge Männer wohnen.

Die Laufzeit der Stelle war auf zwei Jahre begrenzt

Sehr aktiv in der Flüchtlingshilfe sei der örtliche Helferkreis, so Herbstritt. Seit Februar 2018 erhält Glottertal zudem professionelle Unterstützung von einer Sozialarbeiterin des Caritasverbandes, die als Integrationsmanagerin eine 70-Prozent-Stelle innehat. Finanziert wird diese Stelle durch einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 10.349 Euro aus dem 2017 ins Leben gerufenen "Pakt für Integration" der Landesregierung sowie durch weitere Fördermittel, so dass die Kosten weitgehend gedeckt sind.

Ursprünglich war die Laufzeit des Integrationspaktes auf zwei Jahre begrenzt. Deshalb befürchtete die Gemeinde eine Deckungslücke. Es wurde überlegt, die 70-Prozent-Stelle in eine 50-Prozent-Stelle umzuwandeln, um eine zusätzliche finanzielle Belastung der finanzschwachen Gemeinde zu vermeiden. Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass die Stelle im bisherigen Umfang beibehalten werden kann. Der Integrationspakt soll um ein Jahr verlängert werden und außerdem hat der Kreistag beschlossen, eventuelle Deckungslücken mit Kreismitteln zu schließen. Einige Vorfälle der vergangenen Woche hätten gezeigt, dass in Glottertal eine 70-Prozent-Stelle wichtig und nötig sei, sagte Herbstritt. Auf BZ-Nachfrage wollte sich der Bürgermeister nicht konkreter über das äußern, was vorgefallen war.

Die Gemeinderäte Claus Vorgrimler (CDU) und Christoph Maier (FW) zeigten sich erleichtert, dass die wichtige und sinnvolle Arbeit wie bisher fortgesetzt werden kann. Einstimmig beschloss der Rat, dass für ein weiteres Jahr eine 70-Prozent-Stelle angestrebt werden soll.

Wolfgang Busse vom Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald berichtete über das Integrationsmanagement im Ort. 2017 seien die ersten Flüchtlinge nach Glottertal gekommen. Damals gab es lediglich einen Ansprechpartner des Landratsamts, der gelegentlich vor Ort eine Sprechstunde anbot. Wichtige Akteure waren die Gemeindeverwaltung und ehrenamtliche Helfer.

50 Beratungen pro Monat

Seit dem 1. Februar 2018 ist die hauptamtliche Integrationsmanagerin im Ort tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Vermittlung von Sprachkursen, die schulische, gesellschaftliche und berufliche Integration von Kindern und Erwachsenen, die Begleitung bei individuellen oder familiären Problemen, Hilfen bei Gesundheitsproblemen, Fragen der Familienzusammenführung, Hilfe bei Wohnangelegenheiten und Nachbarschaftskonflikten, Vermittlung von alltagspraktischem Know-how und Schuldenberatung.

Von Februar 2018 bis Juni 2019 erfolgten circa 50 Beratungen monatlich – im Büro, bei Hausbesuchen oder telefonisch und per E-Mail. Die Betreuung durch die Caritas erfolgt im Rahmen eines Gemeindeverbundes, dem neben Glottertal auch Bötzingen, Eichstetten, Gottenheim, Gundelfingen, March und Umkirch angehören. Im Verbund arbeiten neun Caritas-Mitarbeiter. Angestrebt, aber noch nicht erreicht ist ein Schlüssel von eins zu 70. Das heißt, ein Mitarbeiter soll sich um 70 Flüchtlinge kümmern. Verkürzt könne man sagen, so Busse, dass ein "guter Flüchtling" ein "arbeitender Flüchtling" sei, weshalb die Arbeitsvermittlung besonders wichtig sei. Er wies zudem auf die Wichtigkeit von Patenschaften und die Integration durch Vereine hin. Aktuell kämen die meisten Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, gefolgt von Afrika.