Glühen zum Weltcup-Abschluss

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 22. März 2021

Nordische Kombination

Kombinierer Fabian Rießle stürmt am Sonntag in Klingenthal auf Rang drei, Manuel Faißt wird am Samstag Vierter.

Das hat er sich verdient. "Wir schmeißen jetzt den Grill an", verspricht Fabian Rießle via TV-Schirm an diesem winterkalten Frühlingstag im Vogtland. Es ist eine rustikale kulinarische Belohnung für den 30-jährigen Nordischen Kombinierer der SZ Breitnau, der ganz locker aus dem Handgelenk ein Drei-Gänge-Menü zaubern kann. Zum Weltcupabschluss stürmte der St. Märgener beim aus Schonach nach Klingenthal verlegten Saisonfinale hinter Weltcup-Dominator Jarl Magnus Riiber und Espen Bjoernstad (Norwegen) auf Rang drei.

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Es ist ein versöhnlicher Saisonabschluss für den Familienvater aus Kirchzarten, der vor zwei Wochen bei der Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf Silber im Mannschaftswettbewerb und Bronze im Zweier-Teamsprint gewann, in den Einzelwettbewerben auf Klein- (6.) und Großschanze (5.) aber ohne die erhoffte Solo-Medaille blieb. Der Frühling kann kommen. Irgendwann. Vermutlich am Mittwoch. Fabian Rießle hat noch Lust auf Schnee, aber jetzt freut er sich auf ein paar ruhige Tage daheim in Kirchzarten, zusammen mit Ehefrau Sandra und dem ein knappes halbes Jahr alten Töchterchen. Vielleicht noch ein bisschen durch die Loipen am Notschrei und Thurner stromern wird er und die Seele baumeln lassen.

Wenn er mit sich hadert, dann ist Fabian Rießles Lachen schief, weil die Mundwinkel nicht richtig Höhe gewinnen wollen. Ein paar Mal musste der St. Märgener in dieser Saison gute Miene zum verlorenen Spiel machen, weil er und seine DSV-Teamkollegen dem Norweger Jarl-Magnus Riiber, der in Oberstdorf zwei WM-Titel gewann und die Saison in Klingenthal mit seinem 36. Weltcup-Einzelsieg und dem dritten Weltcup-Gesamtsieg in Folge gewohnt triumphal beendete, nicht wie erhofft näher gekommen waren. Dank der Flughilfe des neuen Skisprung-Disziplintrainers Heinz Kuttin hatten Rießle und seine Kollegen auf der Schanze dazugelernt und die im Vergleich mit dem Dominator aus Norwegen zu kurzen Flugkurven verlängert. Doch ausgerechnet bei der WM und dort besonders auf der Großschanze, sprangen Rießle und seine Kollegen hinterher und vergaben schon bei der Luftfahrt alle Chancen auf WM-Einzelmedaillen. Der Österreicher Heinz Kuttin erlebte beim sensationellen Großschanzen-Erfolg seines 19-jährigen Landsmanns Johannes Lamparter ein Waterloo und hatte Mühe, das Scheitern zumindest ansatzweise zu analysieren. Über das Hinterherhüpfen und Kuttins Sprachlosigkeit wird in den kommenden Monaten noch zu reden sein. Schließlich ist nach der WM vor Olympia. Die Spiele rund um Peking warten. Gefühlt sind die DSV-Kombinierer, Zwischen-Erfolgen (wie dem trügerischen Geiger-Doppelerfolg bei der WM-Generalprobe Mitte Februar in Klingenthal) zum Trotz, auf der Schanze zwar ein bisschen vorangekommen, doch das haben sie mit verlorener Spritzigkeit auf der Skatingpiste bezahlt.

An diesem Sonntag in Klingenthal hat Fabian Rießle mit einem 135 Meter weiten Satz – nach Rang neun und gewohntem Sprungwackler am Samstag – bewiesen, dass er auch als 30-Jähriger die jungen Wilden in Schach halten kann. In der Sprint-Entscheidung um Rang drei ließ der St. Märgener den elf Jahre jüngeren österreichischen Großschanzen- und Teamsprint-Weltmeister Johannes Lamparter souverän hinter sich, weil er das tat, was er am besten kann: den Muskelturbo zünden und die Skienden zum Glühen bringen. Viermal enterte Fabian Rießle, der in seiner zehnjährigen Weltcup-Karriere 51 Mal auf dem Stockerl stand, in dieser Saison das Podest. Dieser finale dritte Platz bleibt haften.

"Ich kann sehr, sehr zufrieden sein", sagt Rießle lachend und verliert vor lauter Glück fast die FFP-2-Maske, weil die nach oben zeigenden Mundwinkel die Gummibänder hinter den Ohren aus der Verankerung stupsen. Rießle strahlt. Und das ist gut so. Er wird noch gebraucht. Als Vorbild für den nordischen Nachwuchs im Schwarzwald, als cleverer Windhund auf der Skatingpiste, als mit sich und der Schanze Kämpfender, als einer, der niemals aufgibt. Einer wie Rießle ist Manuel Faißt. Der in Oberried lebende Kombinierer des SV Baiersbronn glänzte am Samstag in Klingenthal mit Rang vier und verpasste den Sprung aufs Podest um eine lächerliche Sekunde. Am Sonntag sprang Faißt 136 Meter weit auf Zwischenrang vier und landete auf der Skatingpiste mit einem nicht ganz sauber gegen den Österreicher Lukas Greiderer gewonnenen Zielsprint auf dem zehnten Platz.

Wie Rießle und Faißt die Wurst vom Grill gemundet hat? Wurscht.