Gold für Hildegard Falck, Bronze für Adolf Seger

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Sa, 13. August 2022

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Vor einigen Wochen trafen sie sich wieder, die deutschen Medaillengewinner der Spiele 1972 – natürlich in München, auf Einladung des Deutschen Olympischen Sportbundes. Mit dabei waren auch Leichtathletin Hildegard Falck-Kimmich und Ringer Adolf Seger, die vor 50 Jahren Gold über 800 Meter beziehungsweise Bronze im Freistilringen der Klasse bis 74 Kilo gewannen. "Das waren drei sehr schöne Tage", sagt Seger über das Wiedersehen. Unter den 16 (!) Sportlerinnen und Sportlern aus Südbaden, die für Olympia in München nominiert wurden, waren Seger und der Konstanzer Ruderer Peter Berger, der als Schlagmann mit dem sogenannten Bodensee-Vierer Gold holte, die einzigen Medaillengewinner. Hildegard Falck-Kimmich lebte damals noch in Niedersachsen.

Seger, damals 27 Jahre alt, hatte seine ersten vier Kämpfe gewonnen, ehe er am 31. August gegen Jan Karlsson aus Schweden und Olympiasieger Wayne Wells aus den USA verlor. Vielleicht verhinderte ein gewöhnungsbedürftiges Reglement, das Karlsson vor dem Kampf gegen Seger ein Freilos beschert hatte, ein noch besseres Abschneiden des Freiburgers. Und da war noch das Abwiegen: Am Morgen aller fünf Wettkampftage durften die Weltergewichtler kein Gramm mehr wiegen als eben 74 Kilo. Das hieß für Seger: Fünf Tage hungern.

Solche Sorgen hatte die damals 23-jährige Hildegard Falck nicht. Ein Jahr vor den Spielen in München war sie als erste Frau der Welt über 800 Meter unter zwei Minuten geblieben (1:58,45). Am 3. September 1972, dem "Goldenen Sonntag", als (west-)deutsche Leichtathleten zwischen 17 und 18 Uhr dreimal Gold gewannen, machte sie den Abschluss. Zuvor hatten der vom Bad Krozinger Rolf Luxemburger betreute Geher Bernd Kannenberg und Speerwerfer Klaus Wolfermann Gold geholt.

Nach ihrem obligatorischen Mittagsschlaf war Hildegard Falck kurz vor 18 Uhr hellwach. Über die Zwei-Runden-Distanz war sie lange Zeit Sechste im Achter-Feld, in der letzten Kurve schob sie sich an die Spitze. Die für die UdSSR startende Litauerin Nijole Sabaite pirschte sich auf der Zielgeraden an die Sportlehrerin heran. "Ich hatte sie immer im Augenwinkel, sie konnte auch nicht mehr schneller", so Falck-Kimmich, die im Ziel eine Zehntelsekunde vor Sabaite lag.

Falck-Kimmich kam nach der Heirat mit ihrem zweiten Mann, dem Freiburger Arzt Klaus Kimmich, 1978 nach Südbaden. Seit 2010 lebt sie in Breisach-Oberrimsingen.