Fußball

Gottenheim freut sich auf Pokalspiel der Damen

Daniel Hengst

Von Daniel Hengst

Mo, 21. September 2020 um 11:11 Uhr

Gottenheim

Der DFB hat unzählige Vorgaben – und Gottenheim erfüllt sie alle. Deshalb kann nächsten Samstag das Pokalspiel des SV Gottenheim gegen den 1. FC Saarbrücken angepfiffen werden.

"Der ganze Verein freut sich", sagt Björn Streicher über die Partie in der ersten Runde des DFB-Pokals. Die Spannungskurve wird noch bis Samstag, 26. September, um 15 Uhr ansteigen, dann wird die Begegnung der Fußballerinnen des SV Gottenheim gegen den 1. FC Saarbrücken angepfiffen. "Es ist auf jeden Fall ein Höhepunkt für uns im Dorf", so der Vorsitzende des SV. Für die Partie gibt es in der Vereinsgaststätte am Sportplatz noch Karten.

"Die Corona-Auflagen haben sich nicht wesentlich geändert", erzählt Björn Streicher erleichtert. Gegenüber dem ebenfalls in Gottenheim ausgetragenen Verbandspokalfinale gibt es sogar eine Verbesserung. "Zu den 500 Personen, die ins Stadion dürfen, zählen die Ordner und der Hygienedienst nicht mehr dazu", erklärt Streicher. "Zehn Prozent stehen eigentlich dem 1. FC Saarbrücken zu. Der Zweitligist hat aber nur zehn Karten für seine treuesten Fans geordert."

Die Anforderungen sind auf 100 Seiten aufgelistet

Die Vorgaben des DFB für das Pokalspiel umfassen rund 100 Seiten. "Wir hatten gerade einmal eine Woche von der Übergabe dieser Anforderungen bis zur Genehmigung beim DFB", sagt Streicher. Zur vorliegenden Genehmigung für das Hygienekonzept verlangte der DFB aus dem Rathaus nochmals eine Unterschrift. Die Trikots der Mannschaft, die Hosen und die Stutzen, mussten fotografiert, die Werbung auf den Trikots vermessen und vom DFB genehmigt werden; das Plazet vom Südbadischen Fußballverband reichte nicht aus. Auch für die Räume gab es Anforderungen. "Wir brauchen einen Sanitätsraum und einen Erste-Hilfe-Raum. Würden wir gegen einen Erstligisten spielen, bräuchten wir noch einen Raum für Dopingkontrollen", so Streicher. Sanitätsdienst, Ordner und Hygienebeauftragte seien selbstverständlich.

Details über Kabinen und Duschen werden abgefragt

Auch die genauen Spielfeldmaße musste man melden. "Wir erfüllen die Norm, brauchen keine Sondergenehmigung wie der SC Freiburg bei den Männern, deren Spielfeld im Schwarzwaldstadion zu klein ist", sagt Streicher stolz. Im Stadionfragebogen werden auch Details über die Kabinen und Duschen abgefragt, wie die Ersatzbank aussieht, wie viele Steh- und Sitzplätze es gibt. Ballmädchen sind auch gefordert, die den Spielerinnen einen Ball zuwerfen, wenn einer im Aus ist. "Wir müssen deshalb elf gleichwertige Spielbälle bereitstellen – so viele haben wir im ganzen Verein nicht." Doch da springen die Gäste ein: "Saarbrücken trainiert nur mit Spielbällen. Beim Spiel kommen deren Bälle zum Einsatz, darauf haben wir uns geeinigt."

Am Spieltag selbst gibt der DFB alles bis auf die Minute vor: Bis wann die Mannschaften da sein müssen und bis wann die Schiedsrichterinnen, die Zeit fürs Warmmachen, wann die Betreuer des SV und wann die der Gäste auf ihre Plätze dürfen, wann die Ersatzspielerinnen. Für die Medienarbeit würde eine stabile Internetverbindung gefordert, was manchmal problematisch sei. Streicher: "Es muss einen Live-Ticker geben, Statements vor und nach dem Spiel müssen an die Medienabteilung des DFB gesendet werden."

Saarbrücker zeigen sich als Gastverein sehr kooperativ

Mit Saarbrücken als Gegner haben die Gottenheimer Glück: Die Anstoßzeit wurde so gewählt, dass die Saarländerinnen am Spieltag an- und abreisen. "Von den Reisekosten haben wir die Hälfte zu tragen – würden sie übernachten, dann ebenso", erklärt Streicher. Bei den Eintrittspreisen einigte man sich auf sechs Euro ab 18 Jahren und vier Euro für alle anderen. Bis zu 26 Euro pro Ticket wären möglich gewesen. Die Einnahmen aus dem Eintritt werden genauso geteilt, wie die Schiedsrichterkosten.

Die hohen Auflagen und die zugleich geringen Zuschauereinnahmen haben andere Amateurvereine bewogen, die Begegnung zu drehen: "Rielasingen-Arlen, der südbadische Pokalsieger bei den Herren, hat sein Pokalspiel beim Zweitligisten Holstein Kiel ausgetragen und sein Heimrecht abgegeben", so Streicher. In der ersten Runde des DFB-Pokals sind die Vorgaben bei den Frauen auch nicht so streng wie bei den Männern. Für Gottenheim stand jedenfalls ein Verzicht auf das Heimrecht nicht zur Debatte: "Die Spielerinnen haben sich diese Partie zu Hause mehr als verdient. Auch die Fans – wie viele wären wohl nach Saarbrücken gefahren?" fragt Björn Streicher.

Tolle Werbung und einmaliges Ereignis

Für Gottenheim sei die Teilnahme an dem bundesweiten Wettbewerb tolle Werbung und "ein einmaliges Ereignis", sagt Streicher strahlend. "Ich freue mich, auch wenn ich Urlaub gebucht habe und diesen nicht verschieben kann." Der Vereinsboss verpasst folglich das Spiel und muss es im Urlaub via Live-Ticker verfolgen. Dann setzt Streicher aber ein breites Lächeln auf: "Zu den Frauen habe ich gesagt, dass ich den Termin für die zweite Runde geblockt habe." Wie realistisch das ist? "Wer in so einer Begegnung steht, hat immer auch die Chance zu gewinnen. Man sagt ja, der Pokal hat seine eigenen Gesetze." Der DFB habe zudem eine Garantie gefordert, dass der Platz für die zweite Runde zur Verfügung stehe – und diese konnte Gottenheim geben.