Eine besondere Wochenstube im Oberen Schlüchttal

Dorothée Kuhlmann

Von Dorothée Kuhlmann

Di, 12. März 2019

Grafenhausen

Im Gebiet des Schlüchtsees findet sich die wohl größte Population der Fransenfledermaus deutschlandweit.

GRAFENHAUSEN (doro). Die kleine Gruppe der aktiven Mitglieder der NABU-Ortsgruppe Grafenhausen engagierte sich 2018 in rund 1500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit für den Naturschutz. Diesen Einsatz und auch die gute Zusammenarbeit mit Gemeinde, Forstverwaltung und Bauhof würdigte Bürgermeister Christian Behringer anlässlich der Jahreshauptversammlung des Vereins.

Entwicklung der Fauna
Die Tätigkeitsbereiche sind für die NABU-Aktiven recht weit gestreut, erklärte Vereinsvorsitzender Harald Nüssle. Im Frühjahr steht regelmäßig die Reinigung von rund 200 Nisthilfen in und um Grafenhausen auf dem Programm. Im letzten Jahr waren durch die schweren Stürme leider einige Kästen beschädigt worden, darunter auch zwei der Fledermausbeobachtungskästen am Schlüchtsee, berichtete Schriftführerin Dorothée Kuhlmann. Die Kästen wurden repariert oder ersetzt. Bei den Fledermäusen hat die Anbringung von entsprechenden Kästen, auch Großraumkästen für Wochenstuben, dazu geführt, dass im Gebiet des Schlüchtsee im vergangenen Jahr rund 750 Fledermäuse lebten. Ein besonders schöner Erfolg ist die Population der seltenen Fransenfledermaus. Offiziell soll diese Fledermausart nur bis in Höhen von 500 Metern vorkommen. "Bei uns im Gebiet des Schlüchtsee ist jetzt aber die wohl größte Population Deutschlands mit Wochenstuben zu finden", berichtete Harald Nüssle nicht ohne Stolz.

Solche Erfolge seien schön. Tatsache sei aber auch, dass der Artenreichtum im Tier- und Pflanzenreich auch in der Region stark rückläufig ist. Erfolge für einzelne Arten, wie zum Beispiel die Milane, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sowohl der Artenreichtum als auch die Individuenzahlen zum Teil stark zurückgehen, so der Tenor der engagierten Naturfreunde. Aufklärung, Erklärungen zur Anlage von Blühstreifen, Insekten- und Vogelschutz, Pflege von Hecken und viele weitere Maßnahmen unterstützen die Naturfreunde. "Wir suchen das Gespräch und sind deshalb auch immer wieder auf passenden Veranstaltungen in der Gemeinde anzutreffen, berichtete der Vereinsvorsitzende. Dabei gibt es auch durchaus einmal Kontroversen in bestimmten Bereichen zu der Einstellung des NABU-Landesverbandes. Was den Bau von Windrädern angeht, gehen manche Schutzvorschriften den Naturfreunden zu weit. "Wenn in einer Gemeinde von der Bevölkerung der Bau von zwei weiteren Windrädern befürwortet wird, und dann wegen einer angeblichen Gefährdung der bestehenden Milanpopulation abgelehnt wird, sorgt das für erheblichen Unmut", erinnerte Uli Spielberger vom NABU Bonndorf – Obere Wutach an die Schwierigkeiten in Bonndorf. Trotz der bereits bestehenden Windräder in Bonndorf habe sich dort die Milanpopulation in den vergangenen zwei Jahrzehnten stabilisiert beziehungsweise weiter entwickelt.

Die Bereiche, in denen die Naturfreunde sich engagieren, sind sehr vielseitig: Pflege von Schutzgebieten, Unterstützung verschiedener Schutz- und Pflegemaßnahmen, Einrichtung von Ausgleichsflächen bei Bauvorhaben oder Förderung von ökologischer Landwirtschaft. "Die Zusammenarbeit und das Gespräch mit den Leuten sowie Gemeinde und Forstverwaltung sind uns dabei wichtig, um gute Lösungen zu finden", unterstrich Harald Nüssle.