Festliche Musik zum Jubiläum

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Mo, 20. Mai 2019

Grenzach-Wyhlen

Gesangverein Frohsinn und Musikverein Wyhlen feiern die gemeinsame Entstehung vor 175 Jahren.

GRENZACH-WYHLEN. 175 Jahre feiern auch traditionsreiche Vereine nicht alle Tage. In Wyhlen haben das Gesang- und Musikverein geschafft und sind die ältesten im Ort. Am Samstag begingen sie dieses Jubiläum mit einem Festakt in der Hochrheinhalle.

Den feierlichen Rahmen schufen sie selbst, Sänger und Musiker gestalteten zu Beginn die Hymne "Die Ehre Gottes", geschrieben von Christian Gellert bereits 1757, vertont von Ludwig van Beethoven als Nummer 4 eines Zyklus geistlicher Lieder. Als nächstes spielte der Musikverein das Konzertstück "Fate of he Gods", zu deutsch Schicksal der Götter. Der Gesangverein Frohsinn, auch diesmal gemeinsam auftretend mit den Freunden vom Männerchor Grenzach als Singgemeinschaft, erfreute die Gäste mit "Das Morgenrot" und "Im Abendrot". Hochklassige Musik in bester Interpretation ließen die beiden Vereine gemeinsam erklingen.

Die Festansprache hatte Bürgermeister Tobias Benz übernommen. Für diesen besonderen Anlass erinnerte er an das Gründungsjahr 1844. Der schlesische Weberaufstand erschütterte damals die gerade begonnene Industrialisierung, Heines "Wintermärchen" erschien. Leidenschaft, Verantwortung und Uneigennützigkeit seien sowohl bei der Gründung des Vereins als auch in den 175 Jahren seitdem ständige Begleiter gewesen. "Bis heute sind beide Vereine feste Positionen des kulturellen Lebens in der Gemeinde", beschrieb der Bürgermeister. "Mit Ihrem Repertoire, Ihren Festen und der Jugendarbeit bereichern Sie das gesellschaftliche Leben." Neben den großen Konzerten seien es vor allem die vielen kleinen feierlichen Begleitungen des öffentlichen Lebens im Laufe der Jahre. Bis heute bringen die Vereine Generationen zusammen und gestalten in sich Zusammenhalt.

Landrätin Marion Dammann überbrachte die Grüße aus dem Landkreis. Sie kam auf die Partnerschaften mit anderen Vereinen zu sprechen, diese seien in Zeiten geringer werdenden Nachwuchses immer wichtiger. Solch Bündelung eröffne auch neue Möglichkeiten. Dass sich die Vereine dem veränderten Zeitgeist stellen, zeige sich auch darin, dass seit Jahresbeginn mit Katharina Haag erstmals eine Frau den Männergesangverein dirigiert. Weitere Grußworte sprachen Rudolf Grzybek, Präsident des Obermarkgräfler Chorverbandes, und Peter Hässler, Präsident des Alemannischen Musikverbandes. Marianne Müller überbrachte herzliche Grüße von den anderen nahezu 80 Vereinen in der Gemeinde. Vieles Interessante und Heitere aus der Geschichte beider Vereine verpackte Claus Schneider in seine freundliche Moderation. Da ist zum Beispiel die Fahnengeschichte. Die zwei Jahre nach der Gründung des gemeinsamen Vereins beschaffte Fahne verblieb nach der Teilung bei den Musikern. Einige von ihnen, das soll wohl in den 1880er Jahren gewesen sein, zechten im Wirtshaus etwas zu kräftig, obwohl sie zu wenig Geld bei sich hatten. Der alte Ochsenwirt griff beherzt zur Fahne und behielt sie als Pfand. Davon erfuhren die Sänger, lösten sie mit der Begleichung der Musikerschulden aus und nahmen sie mit nach Hause. Bis heute bewahren die Sänger die alte Fahne.

Bei der Festveranstaltung stellten beide Vereine ihr hohes Können unter Beweis. Sie wagten sich an schwierige und emotional bewegende Werke. Zum abschließenden gemeinsamen Auftritt kam auch noch der Frauenchor Wyhlen mit auf die Bühne. In dieser Dreisamkeit wurden der Gefangenenchor aus der Oper Nabucco und die "Ode an die Freude" Höhepunkte des Abends.

Zwar spielte bei der Musikauswahl die kurz bevorstehende Europawahl sicherlich keine Rolle, doch eine Woche davor setzten Sänger und Musiker damit dennoch ein wichtiges Zeichen.