Nahverkehr

Grenzach-Wyhlen signalisiert Interesse an einer eigenen Busverbindung mit Inzlingen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 25. Juni 2019 um 15:00 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Eine Busverbindung über den Rührberg würde in Grenzach-Wyhlen auf Gegenliebe stoßen. Daran müsse sich der Landkreis finanziell beteiligen, fordert Bürgermeister Tobias Benz.

Der Vorstoß einer Bürgerin, Mitfahrerbänke als Ergänzung zum Nahverkehr am Rührberg zu installieren, hat verschiedene Meinungen hervorgerufen. Auch der Grenzach-Wyhlener Ulrich Kaiser hat sich diesbezüglich an Bürgermeister Tobias Benz gewandt. Zwar sei die ÖPNV-Verbindung mit dem 38er nach Basel "glorreich", wie Kaiser in dem Schreiben, das der BZ vorliegt, formuliert; die zum Ortsteil Rührberg aber äußerst unbefriedigend und die nach Inzlingen unverständlicherweise inzwischen obsolet.

Benz hat Kaiser ausführlich geantwortet. "Ich stimme Ihnen zu, dass die Anbindung des Rührbergs und die Verbindung nach Inzlingen derzeit hinter dem sonst sehr guten ÖPNV-Angebot in unserer Gemeinde, aus verschiedenen Gründen, zurückbleiben", teilt Benz Kaiser mit.

Angebot wurde trotz Haushaltskonsolidierung ausgebaut

Zwischen den Ortsteilen Grenzach und Wyhlen gebe es bei der Linie 38 den 15-Minuten-Takt, in Kombination mit 7311 und 7301 zeitweise sogar einen Sieben-Minuten-Takt, was für die Größe "unserer Gemeinde einzigartig ist und sich in vergleichbarer Form kaum irgendwo anders findet". Die Gemeinde gebe als freiwillige Leistung für die Linien 38 und 7311, bei der man Besteller sei, netto mehr als 500.000 Euro pro Jahr aus. "Trotz des Zwangs zur Haushaltskonsolidierung haben wir den Busbereich hiervon ausgespart und, im Gegenteil, sogar noch weiter investiert, etwa vor zwei Jahren in den Halbstundentakt auf das Neufeld, die neue Citylinie durch Wyhlen über Lindweg in den Fallberg sowie in Nachtfahrten am Wochenende und an Feiertagen. Dies auch unter dem Hintergrund, dass es meine Überzeugung ist, dass nur ein gutes ÖPNV-Angebot zum Umsteigen vom Auto und damit zur Verkehrswende führt", so der Rathauschef weiter. Die Linien 38 und 7311 seien Linien, die komplett von der Gemeinde beauftragt und finanziert würden. Das Angebot des Landkreises und des RVL würde sich auf die verbleibenden Linien beschränken.

Das Ziel der Gemeinde sei es, das Angebot bedarfsgerecht schrittweise auszubauen. Hier wäre es wichtig, dass sich Bund und Land finanziell engagieren würden und diese Aufgabe, die ja elementar für die Verkehrswende sei, nicht auf die Städte und Gemeinden abwälzten. Die Kommunen könnten den notwendigen flächendeckenden und umfassenden Ausbau des ÖPNV nicht mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen bewältigen. Von einer Umstellung auf E- oder Brennstoffzellenbusse ganz zu schweigen.

Spezielle Angebote für die Randzeiten sollen geprüft werden

Die Anbindung des Rührbergs werktags im Stundentakt ermögliche eine gewisse Grundversorgung, werde aber nicht jedem Bedürfnis gerecht. Eine Taktverdichtung, längere Betriebszeiten sowie Fahrten am Wochenende würden aber zu erheblichen Mehrkosten führen, die von der Gemeinde selbst so vollumfänglich nicht zu leisten seien. Außerdem müsste sich das dann in einem entsprechenden zusätzlichen Fahrgastpotential niederschlagen, das erweiterte Angebot müsste in ausreichender Zahl tatsächlich genutzt werden. "Für die Linie 7311 prüfen wir derzeit Optimierungen und werden Anfang kommenden Jahres eine Evaluation der vor zwei Jahren umgesetzten Verbesserungen vornehmen", so Benz. In diesem Zusammenhang werde auch die Möglichkeit von Fahrten am Wochenende geprüft. Diese wurde aber vor längerer Zeit abgeschafft, da es kaum Nutzer gab. Für die Randzeiten, etwa am Abend, würden Angebote wie ein Ruftaxi geprüft.

Außerdem arbeite man zusammen mit dem Landkreis und der Gemeinde Inzlingen an einer Buslinie Wyhlen/Bahnhof-Rührberg-Inzlingen-Riehen, die den 7311 ganz oder teilweise ersetzen würde und gerade für den Rührberg erhebliche Verbesserungen mit sich bringen würde. Knackpunkt hier sei die Kostenaufteilung und Beteiligung der Gemeinde Inzlingen und des Landkreises, von Seiten der Gemeinde Grenzach-Wyhlen und der Gemeinde Inzlingen sei eine Mitfinanzierung bereits zugesagt, es scheitere an der Höhe des finanziellen Beitrags des Landkreises, ohne den es hier aber nicht gehe. "Hier werden wir im neuen Kreistag im Spätjahr 2019 einen neuen Vorstoß wagen und hoffen auf eine Lösung mit dem Landkreis", schreibt Benz.

Kaiser lobt Benz und seinen Amtskollegen von Inzlingen, Marco Muchenberger, für die gemeinsame Anstrengung. Gleichwohl findet er, dass die Mitfahrbänke zumindest übergangsweise eine Überlegung wert seien. "Ich selbst pendle mit dem Auto häufig privat zwischen Wyhlen, Rührberg und Inzlingen; meistens sind drei Sitzplätze frei", schreibt Kaiser. Da wäre doch die Mitnahme von "Mitfahrbänklern" geradezu ein Paradebeispiel für echte Nachbarschaftshilfe. "Ich bin mir sicher, dass viele Wyhlener und Inzlinger derselben Meinung sind", so Kaiser abschließend.