Große Hoffnung für die Innenstadt

Kommentar

Von Kommentar

Do, 22. Juli 2021

Titisee-Neustadt

Volle Rückendeckung für den Umzug der Bibliothek samt Jugend und Senioren / Bürger sollen Anregungen geben.

Der Umzug der Bibliothek aus dem Gemeinschaftshaus als moderne Mediathek in das Dienstleistungszentrum am Münster (die BZ berichtete) kann mit der vollen Rückendeckung des Gemeinderats angegangen werden. Als Bürgermeisterin Meike Folkerts am Dienstag in öffentlicher Sitzung das Vorhaben vorstellte, stieß sie nur auf Begeisterung, keine der fünf Fraktionen sah einen Haken.

Die Mediathek, dann in Trägerschaft der Stadt, wird deutlich mehr Platz haben als die Bibliothek, die bisher vom Landkreis betrieben wird. Sie soll zum Ort der Begegnung werden. Letzteres nicht nur dadurch, dass der Jugendtreff und die Seniorenbegegnungsstätte von der Bahnhofstraße kommend Räume nutzen. Sondern auch, indem dem Einfallsreichtum und Elan der Bürger weitere Nutzungen überlassen werden. Auch Vereine könnten, in Absprache mit der Bibliothek und Jung und Alt, rege werden.

Senioren lesen für Jüngere vor, Jugendliche erklären den älteren Semestern die sozialen Netzwerke? Kulturelle Veranstaltungen? Fasnet und Häkelkurs – der Fantasie sind aus Folkerts’ Sicht kaum Grenzen gesetzt. Die Angebote sollen Menschen in die Stadtmitte ziehen und diese zu einem quirligen Etwas machen. Im Sog könnten selbst Handel und Gastronomie einen Nutzen davon haben.

Partner freuen sich auf den Umzug

Die nächsten Schritte werden sein, dass das Konzept für die Mediathek feingeschliffen wird, die Raumplanung für die Kooperationspartner vorankommt, die Kosten für den Haushalt 2022 ermittelt werden und Bürger Ideen einbringen. Der Umbau dürfte vier Monate dauern, Landkreis und Vermieter haben zeitlichen Spielraum angeboten. Die Umbaukosten sind mit 235 000 Euro veranschlagt, abzüglich des Landkreiszuschusses in Höhe von 105 000 Euro. Die Verwaltung sucht weitere Fördertöpfe.

Alexandra Laule-Wittmer von der Bibliothek freut sich: Mit größeren Räumen und technischen Verbesserungen könne man endlich das Potential ausschöpfen, bisher sei man doch "etwas versteckt".

Barbara Müller und Egon Schlegel von der SBS gefällt das Konzept, weil die Einrichtung wieder in die Stadtmitte kommt. Sie erhoffen sich davon Aufmerksamkeit und Zulauf, nicht zuletzt räumlich mehr Möglichkeiten, denn an der Bahnhofstraße durften während Corona nicht einmal zehn Personen gleichzeitig da sein. Die Verbundenheit zur Bibliothek besteht: Die Senioren leisten den Hol- und Bringdienst von Büchern. Auch Alexandra Walter (Träger- und Förderverein Jugend) sieht den Vorteil, Zentralität und mehr Platz. Der Tenor im Gemeinderat war einhellig: zukunftsweisend. Markus Schlegel (SPD) sprach von der besten aller bisherigen Lösungen und lobte die Verhandlungen der Bürgermeisterin. Giuseppe Curia (LEB) nannte die Vereinbarung gar "ein Meisterwerk" und sagte, hinter all den Partnern stünden engagierte Bürger. Klaus Menner (Bürgerliste) gefiel diese Art von Leerstandsmanagement – dass die Arztpraxis auszieht, war klar. Dass das Schulzentrum die Bibliothek nicht als Nachbar behält, sei zu verschmerzen – in Zukunft seien eben die anderen Schulen näher dran.