Große Schriften und Audio-Systeme für Gottesdienste

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 05. Mai 2022

Denzlingen

Nicht nur in der aktuellen Woche der Inklusion engagiert sich die Kirchengemeinde an der Glotter für mehr Barrierefreiheit.

. "Eine barrierefreie Kirche, das werden wir nicht schaffen, doch unser Ziel ist es, dass Kirche so arm an Barrieren wie möglich ist", erklärt Veronika Scherzinger, die Gemeindereferentin der Kirchengemeinde an der Glotter. Dabei sollen jedoch nicht nur die großen Hemmnisse im Blick sein, die es Menschen mit Einschränkungen erschweren, am kirchlichen Leben teilzunehmen, sondern auch viele kleine. "Oft sind es Dinge, die uns als nicht Betroffene überhaupt nicht in den Sinn kommen."

"Bereits vor drei Jahren wurde in der Kirchengemeinde ein Arbeitskreis barrierefreie Kirche gegründet", sagt Sonja Reichert, Vorsitzende des Ausschusses Caritas und Soziales. Anstoß dazu gab ihr zufolge ein Erstkommunionkind, das auf den Rollstuhl angewiesen war und dem es ermöglicht werden sollte, mit den anderen an der Feier im Kreis rund um den Altar teilzunehmen. "Seither werde bewusster gesucht, wo Hürden sind und dies nicht nur, was bauliche Gegebenheiten in den Kirchen und Gemeindehäusern der Kirchengemeinde betrifft", sagt Reichert. Im Arbeitskreis seien auch Betroffene, neben Esther Weber und Bruno Stratz, die ebenfalls Rollstuhlfahrer sind, auch Seh- und Hörbehinderte.

Dass Gesangbücher im Großdruck, die die Kirchengemeinde schon bereitlegt, hilfreich sind, sei leicht einsehbar. Doch die Expertise der Betroffenen hilft darüber hinaus viel weiter, denn dass es beim Gut-sehen-können auch um Farbauswahl bei der Beleuchtung und Kontraste bei der Liedanzeige geht, falle auf Anhieb nicht ein. "Oft sind es auch die richtigen Schilder, an den entsprechenden Plätzen und in der richtigen Größe, die vermisst werden", sagt Reichert. In der Kirchengemeinde gibt es auch schon länger den Pfarrbrief in einer Großdruckausgabe, daneben in manchen Kirchen auch Audio-Assistenz-Systeme, doch müssen die auch mit den Hörgeräten der Hörgeschädigten in Kontakt treten können.

Dass das Thema weit über die technische Assistenz und die richtige Ausstattung hinaus greift, betont Scherzinger. "Die liturgische Sprache, Lieder, aber auch Predigten sind nicht immer einfach zu verstehen, so dass es einer Übertragung in eine leicht verständliche Sprache braucht", sagt sie.

Ergänzend betont Hermann Müller vom ökumenischen Bildungswerk, dass Einschränkungen der Menschen nicht immer zu erkennen seien und von Betroffenen auch gerne verdeckt würden: "Da nimmt ein Mensch nicht am Gottesdienst teil oder geht still und leise, weil er einen künstlichen Darmausgang hat und bei der Kirche keine geeignete Toilette für ihn vorhanden ist."

Alles in allem ein weites Feld, dem sich die Kirchengemeinde aus Anlass der Woche der Inklusion, die in der Diözese vom 1. bis 8. Mai begangen wird, mit zwei Veranstaltungen widmet.

Beim Gottesdienst in St. Jakobus am Sonntag, 8. Mai, um 10.30 Uhr werden zwei Gebärdendolmetscherinnen dabei sein.

Zu einer Podiumsdiskussion lädt auf Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, das ökumenische Bildungswerk in den Pfarrsaal St. Jakobus ein. Es geht darum, was Menschen mit Behinderungen für das Miteinander erwarten. Betroffene und Angehörige werden aus ihrem Alltag berichten.