AUFSTEIGERPORTRÄT: "Jonas Waidele hat noch ein paar Kisten offen"

Aufgezeichnet: Matthias Konzok

Von Aufgezeichnet: Matthias Konzok

Do, 13. Juni 2019

Landesliga Süd

Verletzungspech mit positivem Effekt: Die SG Maulburg/Steinen steigt in die Handball-Landesliga auf / Der Kapitän blickt zurück.

In einer Serie porträtieren wir Aufsteiger im Amateursport. Heute: die Handballer der SG Maulburg/Steinen − Aufsteiger in die Landesliga. Drei Spieltage vor Saisonende schien das Meisterschaftsrennen in der Bezirksklasse bereits entschieden, doch im Endspurt fing Maulburg/Steinen den HSV Schopfheim an der Spitze noch ab – dem Verletzungspech zum Trotz. SG-Kapitän André Leuchtmann blickt auf die Spielzeit zurück.

Welcher Satz fasst die Saison am besten zusammen?
Unverhofft kommt oft.
Mannschaftliche Geschlossenheit vorausgesetzt – was war darüber hinaus ein wichtiger Erfolgsfaktor?
Charakter, Wille und Einsatzbereitschaft. Wir haben immer daran geglaubt, sind auch nach der zweiten Niederlage gegen Schopfheim nicht eingebrochen. Und: Wir spielen gerne miteinander Handball.
Beste Anekdote der Saison?
Als wir ein Heimspiel in Grenzach austrugen, stand Jonas Waidele, nachdem er vor dem Spiel noch Snowboarden war, in Steinen vor der Sporthalle und wunderte sich, dass keiner da war. Er hat es einfach verpennt – in Steinen konnten wir seit zwei Jahren kein Spiel mehr ausgetragen. Wir liefen uns schon warm, als er mit Sonnenbrand in die Halle kam. Smiley.
Welchen Moment werden Sie in besonderer Erinnerung behalten?
Die Verabschiedung von Thomas Fischer, Sebastian Albu und Daniel Winkelbeiner nach dem letzten Spiel. Das war eine emotionale Geschichte. Thomas Fischer hat uns über zehn Jahre trainiert, ich kenne ihn, seitdem ich 15 bin. Wir alle redeten danach noch viel über alte Zeiten.
Welcher Saisonerfolg war der vielleicht wichtigste?
Als wir trotz Verletzungspech und vier Ausfällen bei der SG Waldkirch/Denzlingen II mit 32:29 gewannen. Das hat uns gepusht. Zuvor verloren wir 23:27 gegen Schopfheim, und Daniel Winkelbeiner und Tim Lindner jeweils mit Handbruch. Da haben wir gesagt: Es kann nicht sein, dass die Saison so endet. Dadurch sind wir noch krasser zusammengerückt.
Wer war der Spieler des Jahres – nicht nur sportlich?
Unsere Jungen haben sich weiterentwickelt, gerade Nico Knoblich ist gegen Ende der Saison aufgeblüht. Jannik Eichin überzeugte auf der ungewohnten Position am Kreis. Und Sebastian Albu spielte eine gute Saison – leider seine letzte.
Welcher Spieler musste die meisten Kisten zahlen?
Jonas Waidele, er ist einfach ein bisschen verpeilt. Mal vergisst war sein Zeug in der Halle, hat kein Aufwärmshirt dabei oder kommt zu spät. Apropos: Ein paar Kisten sind bei ihm noch offen...
Wer hat sich auf der Aufstiegsfeier als größtes Feierbiest entpuppt?
Wir sind alle Feierbiester, aber Sebastian Albu hat mich überrascht. Er ist gut abgegangen, bis tief in die Morgenstunden.
Wo steht der Verein in einem Jahr?
Die Entwicklung des Teams steht im Vordergrund. Wenn wir jeden Spieltag alles abrufen, ist der Klassenerhalt drin. In der Bezirksklasse reichen gegen den Letzten vielleicht auch mal 80 Prozent, in der Landesliga braucht es immer 100.
Wo muss sich der Verein besser aufstellen?
Unsere Vorstandschaft bewegt viel, unterstützt jedes Team, hat für alle ein offenes Ohr. Wo wir nachbessern können: mit Co-Trainern und Torhüter-Training.
Thomas Fischer ist ein super Meistertrainer, aber... er wirft Dir manchmal Spielernamen an den Kopf, die Dir erstmal nichts sagen. Denn er kennt alle Spieler der Bezirksklasse, sogar mit Rückennummer. Und: Er versprach uns mal ein Grillfest, da warten wir noch drauf...

André Leuchtmann (29) ist eine treue Seele: Mit elf Jahren begann der Rückraumspieler bei der SG, erlebte fünf Aufstiege und fünf Abstiege. Nur 2010/11 schlüpfte der Steinener – zweimal Landesliga-Torschützenkönig – berufsbedingt in ein anderes Handballtrikot (HSG Karlsruhe). Leuchtmann, der bis zur A-Jugend beim FC Steinen-Höllstein kickte, ist gelernter Versicherungs- und Finanzkaufmann und arbeitet als Industriekaufmann bei den EWS Schönau.