Hausarzt hat Forderungen

Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Von Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Sa, 21. September 2019

Weil am Rhein

AUS DER PARTNERSTADT: Allgemeinmediziner kommt nur, wenn er Anschubfinanzierung erhält.

WEIL AM RHEIN/HUNINGUE. Auch in der elsässischen Partner- und Nachbarstadt gibt es Engpässe bei der medizinischen Versorgung. Dass nun ein ansiedlungswilliger Mediziner gefunden werden konnte, löst aber nicht nur Freude aus. Denn der Arzt stellt Forderungen, wie Magdalena Kaufmann-Spachtholz schildert.

Liebe Freunde in Weil,
am Donnerstag letzter Woche war im Hüninger Stadtrat eine heftige Diskussion aufgekommen, denn nachdem endlich ein Allgemeinmediziner gefunden war, der sich in Hüningen niederlassen will, verlangt dieser eine Finanzspritze von 50 000 Euro als Starthilfe.

Seit drei Jahren verfügt Hüningen mit seinen über 8000 Einwohnern über keinen Hausarzt mehr. Dabei hatte Hüningen auf dem Abbatucci-Platz extra ein Ärztehaus gebaut, in dem vier Allgemeinmediziner untergebracht waren. Nachdem einer der Ärzte verstorben war, hatte das verbliebene Ärzteehepaar beschlossen, sich anderweitig niederzulassen, und der letzte verbliebene Hausarzt konnte und wollte diese Arbeit nicht alleine stemmen und zog ebenfalls weg. Alle Bestrebungen, Ärzte aus dem In- und Ausland anzuziehen, waren erfolglos.

Am Donnerstag letzter Woche konnte Bürgermeister Deichtmann eine Lösung vorstellen, da endlich ein ehemaliger Notarzt aus der Klinik in Saint-Louis sich bereit erklärt hat, die Zusatzausbildung zum Allgemeinarzt zu machen und sich in Hüningen niederzulassen – unter einer Bedingung, nämlich einer Unterstützung von 50 000 Euro. Als "mehr als erstaunlich und moralisch äußerst zweifelhaft" wurde dies sowohl von den Vertretern der Opposition als auch der eigenen Fraktion bezeichnet.

Darüber hinaus werde Dr. Lieu auch noch von der regionalen Agentur für Gesundheit (ARS) ebenfalls einen Betrag von 50 000 Euro erhalten, die diesen Betrag angesichts der Notlage in Hüningen freigemacht habe, so die Information.

Nach der anfänglichen Forderung von Dr. Lieu wurden auch andere Möglichkeiten der Rekrutierung erforscht, wie Medizinstudenten zu fördern. Aber auch das würde mindestens 30 000 Euros kosten und Jahre dauern – und selbst dann bestünde noch keine Garantie auf Erfolg. So ist das Angebot von Dr. Lieu das "geringste Übel". Mit 45 Jahren hat er noch mindestens 22 Jahre Arbeit vor sich. "Wir werden ihm 25 000 Euro im Laufe des ersten Quartals überweisen, den Rest ein Jahr nach Unterzeichnung des Vertrags", schlug die Verwaltung vor – unter der Auflage, mindestens fünf Jahre in Hüningen zu praktizieren, ansonsten ist das Geld anteilig zurückzahlbar. Entsprechendes gilt für den Betrag der Gesundheitsagentur.

"Ist denn der Beitrag der Gesundheitsagentur nicht schon genug?" Das fragte Véronique Wauthier, während Dominique Bohl errechnete: " Das kostet jeden Bürger von Hüningen 7,14 Euro, das müsste es uns wert sein". Der Bürgermeister stimmte zu, dass mit dieser Zahlung für weitere Allgemeinärzte das Prinzip dann auch angewandt werden müsse. Nach dem Einzug von Dr. Lieu wäre noch eine weitere Stelle für einen Allgemeinarzt im Ärztehaus frei. Schon jetzt sind dort eine Kinderärztin, ein Gynäkologe, zwei Kardiologen tageweise vertreten, vier Krankenpfleger und eine Fußpflegerin kommen dazu. Das Ärztehaus ist damit gut aufgestellt, aber ohne Hausarzt geht es nicht. Deshalb haben die Gemeinderäte in den sauren Apfel gebissen und für die Zahlung an Dr. Lieu gestimmt, auch mit den Stimmen der Opposition. Ihre