"Hausbesetzer" im Oberen Schlüchttal

Wilfried Dieckmann

Von Wilfried Dieckmann

Mo, 14. Oktober 2019

Grafenhausen

NABU-Ortsgruppe registriert bis zu drei Bruten heimischer Vogelarten / Nistkästen im Herbst von etlichen Tierarten genutzt.

OBERES SCHLÜCHTTAL. Ein traumhafter Sommer neigt sich dem Ende zu. Nicht nur alle Naturliebhaber und Sonnenanbeter dürfen zufrieden sein, auch die heimische Vogelwelt konnte die optimalen Bedingungen voll nutzen: Bis zu drei Bruten wurden selbst in den Höhenlagen des Oberen Schlüchttals registriert. Auch im Herbst lohnt sich ein Blick auf die Vogelbehausungen, weil mit Glück auch Nachmieter beobachtet werden können. Der Herbst ist die beste Zeit, um Nistkästen zu reinigen.

Jeden Herbst ziehen die Nistkastenkontrolleure des Naturschutzbundes mit Leitern durch die Wälder im Oberen Schlüchttal. Sie prüfen und reinigen zahlreiche aufgehängte Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse.

Wenn auch die letzten Meisen ausgeflogen sind, ebenso alle Stare, Mauersegler, Kleiber oder Rotschwänzchen, dann haben die künstlichen Nisthilfen ausgedient, die rund um den Schlüchtsee in Grafenhausen oder den Naturena Badesee in Birkendorf die fehlenden natürlichen Bruthöhlen ersetzen. Damit im kommenden Frühjahr erneut in den kleinen Vogelheimen gebrütet werden kann, müssen allerdings die alten Nester entfernt werden.

NABU-Mitglieder pflegen weit mehr als 200 Nisthilfen. Hierbei werden nicht nur mögliche Parasiten wie Flöhe, Milben oder Zecken entfernt, die nachfolgende Bruten belasten könnten. Länger nicht gereinigte Kästen werden unbrauchbar, weil die meisten Bewohner ihr Nest einfach über das vorhandene bauen, solange, bis kein Platz mehr bleibt.

Nicht selten bekommen es die Nistkastenkontrolleure auch mit "Hausbesetzern" zu tun: Gerne machen es sich auch Haselmäuse oder Siebenschläfer in den Kästen bequem. Deswegen gilt auch hier: Kurz anklopfen, damit mögliche Hausbewohner gewarnt sind und die Räumlichkeiten verlassen können.

Doch nicht nur NABU-Mitglieder sind zu Arbeitseinsätzen im Herbst aufgerufen, auch Haus- und Gartenbesitzer, die sich in Sachen Artenschutz engagieren, sollten aktiv werden. Denn auch die vielen Nistkästen rund um Wohnhäuser stehen bei Wintergästen hoch im Kurs. Dazu zählen nicht nur Mäuse, sondern auch Ohrwürmer, Florfliegen oder Wespen. Nicht zu vergessen sind Meisen, Spatzen & Co., die in kalten Winternächten die Nisthilfen gern als Schutz- oder Schlafraum nutzen.

Zum Reinigen dürfen niemals scharfe chemische Reinigungsmittel oder gar Desinfektionsmittel verwendet werden, raten NABU-Fachleute. Es reicht, wenn der Kasten gründlich ausgefegt wird. Bei starkem Parasitenbefall kann man auch mit klarem Wasser nachspülen. An-schließend sollte das Kasteninnere jedoch gut austrocknen können. Bei jeder Reinigungsaktion immer daran denken: Sauber ja, ein Nistkasten muss aber nicht unsere Hygienevorstellungen der eigenen Wohnung erfüllen.

Übrigens: Wer es im Herbst aus Zeitgründen nicht mehr schafft, kann seine Nistkästen auch erst zum Winterende reinigen – also unmittelbar vor der Brutzeit. Es ist dann allerdings nicht ganz einfach, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, da einige Vögel sehr früh mit dem Brutgeschäft beginnen und gleichzeitig die Gefahr besteht, andere Wintergäste über Gebühr zu stören.