Angelhaken für die Menschenfischerin

Gabriele Rasenberger

Von Gabriele Rasenberger

Di, 23. Juli 2019

Hausen im Wiesental

Die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Hausen-Raitbach, Martina Weber-Ernst, wurde am Sonntag feierlich verabschiedet.

HAUSEN. Eine Kirche, die so voll ist, wie sonst vielleicht nur an Weihnachten. Dies war beim Abschiedsgottesdienst von Pfarrerin Martina Weber-Ernst in Hausen der Fall. Seit 2014 war sie Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Hausen-Raitbach. Nun wechselt sie nach Wertheim in die Nähe ihrer Eltern, um sich um diese kümmern zu können.

Martina Weber-Ernst verglich bei ihrer Predigt die Gemeinde mit einem Omnibus, mit dem viele Menschen unterwegs sind. Ihr sei bewusst, dass die Kirchengemeinde ins Ungewisse gehe, aber "der Navigator ist unser Herr Jesus Christus", so Weber-Ernst. Sie bedankte sich für "eine wirklich schöne Zeit" mit vertrauensvoller Zusammenarbeit, bei der sie viel ausprobieren durfte und die für sie "wertvoll" war. Pfarrer Kai Tilgner – als Stellvertreter für Dekanin Bärbel Schäfer anwesend – sagte in Hinblick auf den Abschied: "Für Sie ist eine traurige Woche." Tilgner erinnerte in seiner Ansprache an die kreativen Gottesdienste von Weber-Ernst, die zum Beispiel im Wirtshaus oder Schwimmbad stattfanden. Gleichzeitig habe sie Eigenengagement unterstützt. Schließlich wurde Weber-Ernst noch von Tilgner und der Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, Andrea Digeser, gesegnet.

Bürgermeister Martin Bühler erinnerte daran, dass Martina Weber-Ernst in ihrer Aufgabe als Pfarrerin auch zur Kulturkommission, zur Hebelkommission gehört habe. Hier gab es gute, offene Gespräche. "Ich werd dich saumäßig vermissen", so Bühler. Aus Raitbach waren Jörg Jost vom Ortschaftsrat und Susanne Greiner anwesend, die die Dorfchronik, einen Bildband und Blumen überreichten.

Dann gab es Grußworte und Geschenke. Zunächst von den Mitgliedern des Kirchengemeinderates, die vor allem symbolhaft Geschenke gaben, wie einen Angelhaken für die "Menschenfischerin", Taschentücher, wenn die Tränen kommen, Fotos als Gedächtnisstützen, Samen zum Wachsen oder eine Kaffeetasse für den Wachen Geist. Es war aber auch Bier für Andreas Ernst dabei, den Ehemann, dem "starken Mann im Hintergrund", wie es ausgedrückt wurde.

"Der Projektchor war ihr Baby", sagte Susanne Röhr, die Leiterin des Singkreises. Für diesen ist es ein doppelter Abschied, denn die Sänger verlieren auch Andreas Ernst als Mitglied. Nicht nur bei den Protestanten war Martina Weber-Ernst beliebt. So waren etliche katholische Gemeindemitglieder anwesend, darunter Pfarrer Michael Latzel und Pastoralreferentin Christina Betz der Seelsorgeeinheit Mittleres Wiesental. Michael Merten vom Gemeindeteam machte deutlich, was es bedeutet, dass die Pfarrerin Hausen verlässt: "Es schmerzt sehr, eine so junge Pfarrerin zu verlieren." Er sprach von der Freude, die sie immer im Herzen hatte. Zum Schluss bedankte sich Weber-Ernst nochmals. Für sie war es Fügung, "dass so vieles zusammenfiel".

Mitgestaltet wurde dieser Gottesdienst am Sonntag vom Singkreis mit Projektchor unter Leitung von Susanne Röhr und Begleitung am Klavier durch Mathias Heftrich. Während der Liturgie sangen Kindergartenkinder aus Raitbach ein Lied.

Während der Vakanzzeit wird die Kirchengemeinde von Ulrike Krumm, Pfarrerin der Kirchengemeinden Fahrnau-Kürnberg und Gersbach, betreut.