Heitere Mienen beim Straßentheater

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 27. Mai 2019

Freiburg

Das Easy-Street-Festival gastierte am Wochenende auf dem Annaplatz, dem Fritz-Schieler-Platz und dem Stühlinger Kirchplatz.

FREIBURG. Lachen, Applaus, Musik: Das Easy-Street-Festival ist schon von weitem zu hören. Am Annaplatz in der Wiehre, am Fritz-Schieler-Platz in Weingarten und am Stühlinger Kirchplatz gab’s am Wochenende Einblicke in die Programme von internationalen Straßenkünstlerinnen und Straßenkünstlern, die in Freiburg leben. Das Festival fand nach dem Auftakt im vergangenen Herbst zum zweiten Mal statt, zu jedem Auftritt kamen mehrere Hundert Menschen.

Samstagnachmittags ist der Fritz-Schieler-Platz sonst ausgestorben. Jetzt sind hier rund 350 Menschen, und neben der Telefonsäule hängt ein roter Samtvorhang. Dahinter warten Bernd Schwarte und Fabian Flender vom Duo "Extra Art" auf ihren Auftritt. Bei ihnen liegt ein Koffer. Sie brauchen nicht viel: Mal schauen sie nur verdutzt, wackeln mit den Köpfen, ziehen beide gleichzeitig an einem Tisch oder stolpern über einen Teppich. Aber das alles tun sie mit viel Mimik und Ausstrahlung. Und immer wieder legen sie auch mit Tanzschritten und Akrobatik los, jonglieren mit Gegenständen oder drehen sich mühelos mit einer Rolle vorwärts oder rückwärts durch die Luft. Alles funktioniert wunderbar ganz ohne Worte, nur Musik läuft phasenweise.

Einige schauen von den Balkonen aus zu

Die Kinder, die vorne auf Teppichen sitzen, lachen übers ganze Gesicht, die vielen Erwachsenen hinter ihnen auf Bänken und im Stehen ebenso. Die Stimmung ist fröhlich, entspannt, auch das Wetter hält trotz grauer Wolken. "Es ist so schön, weil es so improvisiert ist", schwärmt Regina Fliegert, die in Weingarten wohnt, "diese einfache Situationskomik ist wunderbar."

Ähnlich geht’s einem älteren Paar: "Hier kann man lachen, lachen, lachen", sagt die Frau, ihr Mann genießt "die schöne Atmosphäre". Beide finden es toll, dass die Straßenkünstler diesmal nach Weingarten gekommen sind, nach den Auftritten in der Wiehre, in Brühl-Beurbarung und im Stühlinger beim ersten Festival im Herbst. Damals hatte das Organisationsteam um Shiva Grings und Anita Bertolami, die beide auch Straßenkünstler sind, schon vor, das Programm auf alle Stadtteile auszuweiten, speziell auch in diejenigen, wo mehr Menschen leben, die nicht oft kulturelle Angebote nutzen.

"In der Wiehre ist es einfach, viele für Straßentheater zu interessieren", sagt Anita Bertolami, "aber wir können es allen zugänglich machen." Die Künstler, die das ganze Jahr über weltweit auftreten, können überall hin kommen, niemand muss etwas bezahlen. Trotzdem ruft Shiva Grings zwischen den Auftritten: "Gebt ganz viel Geld, 20 Euro pro Person! Und wenn ihr gar kein Geld habt, dann fragt den Nachbarn."

Das Publikum ist bunt gemischt: Viele Kinder und junge Leute sind da, aber auch etliche Ältere. Zwei nur Russisch sprechende Frauen, die in der Seniorenwohnanlage der Arbeiterwohlfahrt nebenan wohnen, beobachten alles von einer etwas entfernt stehenden Bank aus. Und von ihren Balkonen schauen einige Bewohner zu. Immer wieder kommt jemand zufällig vorbei und bleibt hängen: So wie eine alte Frau mit Rollator, die erst skeptisch schaut, dann lächelt und sich spontan hinsetzt, oder ein Jugendlicher mit Rad und Baseballkappe, der einen Zwischenstopp einlegt. Manche sind extra nach Weingarten gefahren, Christian Haaga kam sogar aus Tuttlingen gezielt zu den Auftritten. Es waren nicht die letzten: Die Straßenkünstler werden auch beim Freiburg-Jubiläum im kommenden Jahr mit dabei sein, sagt Anita Bertolami.