Ratsabstimmung

Heitersheim will nicht offiziell Malteserstadt heißen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Mi, 17. März 2021 um 18:09 Uhr

Heitersheim

Ein Antrag auf den offiziellen Titel fand im Gemeinderat nicht die erforderliche Mehrheit, aber starkes Echo bei Gegnern. Schnell ging es um den alten Schlossstreit und einen neuen Bürgerentscheid.

Heitersheim nennt sich schon lange Malteserstadt. Im 13. Jahrhundert hatte Ritter Gottfried von Staufen seine Kirche samt Hof in Heitersheim an die Johanniter übergeben, die schließlich die ganze Gegend kauften. Heitersheim wurde eine Art Europazentrale des Ordens und dieser schließlich zu den Maltesern, als sie im 16. Jahrhundert Malta als Lehen bekamen. Ihre Heitersheimer Herrschaft endete nach dem Einzug Napoleons 1806.

Und so klang der Tagesordnungspunkt in der Sitzung am Dienstagabend nach einer netten, harmlosen Idee: Der Rat möge einen Antrag beschließen, den Namen der Stadt auch offiziell um den Zusatz Malteserstadt zu ergänzen. Die Idee stammte von der Fraktion der Freien Wähler, die eine Gesetzesänderung nutzen wollten.

Historie, Alltag – alles sprach für den Titel

Seit Dezember genehmigt das Innenministerium des Landes einer Gemeinde leichter einen Extratitel. Bedingung: Er muss auf ihrer Geschichte, Eigenart oder Bedeutung beruhen und drei Viertel aller Mitglieder des Gemeinderates müssen zustimmen, erklärte Fraktionssprecher Dierk Bredemeyer. Unter Marketingaspekten wäre der Zusatz sehr positiv. "Und ein historischer Bezug ist in überragender Weise gegeben." Die Freien Wähler rechneten mit ausreichend Zustimmung.

Bürgermeister Christoph Zachow fand die Idee sichtlich charmant: "Umgangssprachlich sind wir ja schon lange Malteserstadt." Als solche sei Heitersheim weit über die Region bekannt. Die Stadt führt die Bezeichnung in ihrem Logo, auf ihrer Internetseite, im Amtsblatt und zudem nutzt sie so mancher Verein, ein Beispiel: die "Historische Gesellschaft der Malteserstadt Heitersheim".

Marketing, Maltesergedanken und Listung unter M

Bei einer Genehmigung könnte die Stadt "Malteserstadt Heitersheim" auf ihre Ortsschilder schreiben (Kosten 1500 Euro) und im Schriftverkehr nutzen. "Ich find’s ein schönes Zeichen in diesen trüben Zeiten", meinte Zachow.

"Ist das eine Chance von historischer Bedeutung oder eine außerordentliche Ausgabe?", fragte Ursula Schlegel (CDU). Und weiter, ob Firmen wie bei der Postleitzahlenumstellung ihre Adresse ändern müssten, Bürger ihre Papiere, und ob die Stadt dann unter M gelistet werde. Nein, sagte Bürgermeister Zachow und erklärte, dass Zusätze kein Namensbestandteil seien, also Firmen und Bürger nichts ändern müssten.

"Ich glaube, mit der Debatte schaden wir uns." SPD-Rat Rudolf Epp
"Dann haben wir ja einen Flickenteppich", meinte Ernst Fünfgeld (Zusammen für Heitersheim). Der Begriff Malteserstadt werde benutzt, solange er sich erinnere. Doch der Zweck des Malteser Hilfswerks sei karitativ. Fünfgeld schnitt das Thema Malteserschloss an. Mit dem Bürgerentscheid habe Heitersheim das Schloss explizit vom karitativen Zweck entkoppelt. Es gebe kein Kinderhospiz, man brauche eine neue Unterkunft für Flüchtlinge und ein Lebenshaus. Fünfgeld sprach von einer "Entwürdigung des Maltesergedankens".
Schlossstreit

Im Malteserschloss wollen Investoren um den Freiburger Christian Hodeige und chinesische Partner eine internationale Privatschule einrichten. Die Schlossherrinnen begrüßen die Pläne: Die Vinzentinerinnen sind alt und wollen das Schloss schon länger verkaufen. Im Herbst 2019 lehnte der Gemeinderat die Schule ab, bekam aber Gegenwind und Heitersheim so vor einem guten Jahr einen Bürgerentscheid. Ergebnis: 55 Prozent stimmten für die Schule. Doch seither gärt es immer wieder.


"Da geht’s nur um Marketing", so Martin Schaber (CDU). Es sei auch nicht klar, ob Heitersheim künftig noch ein Maltesermuseum habe. Mit dem Namenszusatz solle auf die Geschichte hingewiesen werden, entgegnete Zachow, "die nimmt uns ja keiner". Die SDP fand die Freie-Wähler-Idee sehr gut, die Grünen-Fraktion gut, wollte aber einen Zusatz mit mehr Zug überlegen.

Ideengeber Bredemeyer mahnte, nicht alle Konflikte in den Antrag zu legen. Rudolf Epp von der SPD fand es abenteuerlich, die Geschichte der Stadt auf die letzten zwei Jahre zu verkürzen. "Ich glaube, mit der Debatte schaden wir uns." Ursula Schlegel meinte, der Gemeinderat sei womöglich zu klein, um die Sache zu klären: "Ich bin für einen Bürgerentscheid, wenn wir uns heute nicht entscheiden."

Das tat das Gremium dann doch: 15 der insgesamt 20 Heitersheimer Räte hätte es für die Dreiviertelmehrheit gebraucht. Fünf stimmten dagegen und so blieben nur 14 Ja-Stimmen: Harald Höfler (SPD) hatte in der ganzen Sitzung entschuldigt gefehlt.