Herr und Hund aus Neustadt weltmeisterlich

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Mi, 19. Juni 2019

Titisee-Neustadt

Patrick Kempf schneidet mit seinem Rüden JJ vom Haardblick trotz kleiner Fehltritte noch etwas besser ab als in den Vorjahren.

TITISEE-NEUSTADT. Patrick Kempf, Vorsitzender des Schäferhundevereins Hochschwarzwald, und sein schwarzer Schäferhund JJ vom Haardblick haben mit der deutschen Mannschaft über Pfingsten die Weltmeisterschaften der Universalsieger in Großbritannien gewonnen. In der Teamwertung lagen die Deutschen sensationelle zehn Punkte vor den Belgiern.

Fast zwei Wochen lang waren Patrick Kempf und seine Frau, die ihn coachte, mit JJ für Deutschland unterwegs. 1300 Autokilometer sind es vom Hochschwarzwald nach Nantwich im Nordwesten Englands. Patrick Kempf und sein JJ gehören zu den sechs besten Mensch-Hunde-Teams der Universalsieger in Deutschland. Für den Universalsieger werden die Ergebnisse von vier Disziplinen zusammengezählt: Fährte, Unterordnung, Schutzdienst und Schönheitswettbewerb. In den ersten drei Disziplinen geht Kempfs Schäferhund in der höchsten Stufe der internationalen Gebrauchthundeordnung (IGO3).

Am Montag trafen die deutschen Teilnehmer in Nantwich ein und nahmen das Training auf, damit sich die Hunde akklimatisieren und nach der langen Reise wieder beweglich werden. Am Mittwoch fand die ärztliche Untersuchung der Hunde statt, Donnerstag war das halbstündige Mannschaftstraining im Weaver Stadion, fünf Minuten je Hund, und abends die Eröffnung des WUSV Universal Championship 2019. WUSV steht für World Union aller Schäferhundeverbände. Sieben Nationalteams sowie Einzelteilnehmer aus weiteren Nationen traten an.

Patrick Kempfs erste Disziplin war am Freitag die Fährte, sie fand in einem Gelände mit kniehohem Grasbewuchs statt. Nachdem sein Teamkollege Tim Eger mit der maximalen Punktzahl von 100 diese Aufgabe vor ihm bestanden hatte, machte sich Kempf Druck. Zudem befürchtete er, dass sich sein Rüde durch einen anderen Hund in einem direkt neben seinem Startpunkt geparkten Wagen ablenken lassen würde. Kurzum, Kempf war wider seiner Natur nervös, und das machte JJ unsicher. JJ überlief den einen Suchgegenstand und blieb einmal in der Fährte stehen, sodass er mit einem zusätzlichen Hörzeichen zum Suchen aufgefordert werden musste. Das gab Punktabzüge, und so lautete das Ergebnis schließlich 83 Punkte. "Ich hab‘s verbockt", sagt Kempf ohne Wenn und Aber. Seine Teamkameraden und seine Frau schafften es, ihn für die anderen Disziplinen wieder aufzubauen. Bei der Unterordnung am Samstag packte JJ der Schalk, bei einer Gehorsamsübung lief er einfach an seinem Hundeführer vorbei, bei einer anderen lief er einen Kringel anstatt geradeaus, und beim Abliegen und Warten ohne Sichtkontakt zum Hundeführer, während ein anderer Hund die Unterordnung macht, bewegte er sich. Die Schutzdienstübung lief trotz strömenden Regens auf einem rutschigen Untergrund gut. Bei der Schaubewertung am Sonntag JJ auf den neunten Platz gerichtet. Damit belegte das Hochschwarzwälder Team bei den Rüden in der Einzelwertung den 14. Platz. Das ist drei Plätze weiter vorne als 2018 (17.) und fünf als 2017 (19.). Für die deutsche Mannschaft starteten auch Elisabeth Speil mit Perro (die Einzelweltmeister 2017), Tim Eger mit Gringo, Manfred Leifhelm mit Balu, Andrea Wüstner mit Bonnie und Simone Detscher mit Naomy. Gemeinsam schafften sie den Mannschaftssieg mit 24 Wertungspunkten vor Belgien mit 41 und Österreich mit 42. Dafür gab es einen Riesenpokal, der derzeit bei Patrick Kempf steht. Das deutsche Team spendet ihn der Jugend als Wanderpokal für ihre deutschen IGO-Meisterschaften.

JJ ist sechs Jahre alt. Patrick Kempf kam durch seine Frau Nicole zum Hundesport. Vor 20 Jahren züchteten sie Deutsche Schäferhunde. Da jedoch eine gute Aufzucht großen Zeitaufwand erfordert, das Paar drei Kinder hat und beide berufstätig sind, verlegten sie sich auf Hundesport. Nicole Kempf ist von Kind an in dem Sport zu Hause und bildet aus. Anfangs war dies ihr Hobby und Patrick Kempf war als Musiker unterwegs. Es stieg als Schutzdiensthelfer ein und vor acht Jahren holte er sich seinen ersten Schäferhund. JJ ist sein zweiter Hund.

Über JJ sagt Patrick Kempf: "Es ist der beste Hund der Welt, ausgeglichen, sehr sozial zu allen Menschen. Er will immer gefallen und arbeiten, und er ist lustig und temperamentvoll." Nahe Straßburg liegt 2020 der Austragungsort für die Titelkämpfe. Kempfs Ziel ist, erneut dabei zu sein. Hierfür muss er mit JJ in den nächsten Monaten Punkte bei Wettbewerben sammeln, um wieder ganz vorne in der nationalen Punkteliste zu kommen.