In der Eishalle Herrischried

Eissportclub ohne Trainingszeiten

Martin Köpfer

Von Martin Köpfer

Mi, 22. Mai 2019 um 14:00 Uhr

Herrischried

Der neue Verein blitzt im Gemeinderat ab. Dagegen können Eishockeyclub und Eislaufverein ihr Angebot wie bisher nutzen.

Fast erwartungsgemäß und ohne größere Diskussionen segnete der Gemeinderat Herrischried in seiner Sitzung am Montagabend ohne Gegenstimmen die neuen Trainingszeiten in der Eishalle für die Saison 2019/20 ab, die mit den bereits bestehenden identisch sind. Das bedeutet, dass der Eishockeyclub (EHC) Herrischried ebenso seine Trainingszeiten behalten wird wie der Eislaufverein Hotzenwald Herrischried (EVHH). Damit kommt der im März neu gegründete Eissportclub Herrischried (ESPCH) nicht zu Trainingszeiten.

Selten dürfte der Sitzungssaal in der Rotmooshalle so gut mit Besuchern gefüllt gewesen sein. Es war unschwer an den Shirts zu erkennen, dass sehr viele Anwesende – darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche – dem neu gegründeten Eissportclub angehören und damit auf Trainingszeiten für den neuen Verein gehofft haben – allerdings vergebens.

Bürgermeister Christof Berger hatte die drei Vereine im Vorfeld angeschrieben und um Angaben zu Zeitbedarf, Mitgliederzahl und anderen Fakten gebeten. Alle drei Vereine haben geantwortet. Daraufhin hatte Berger aber bereits in der Sitzungsvorlage deutlich gemacht, dass die Verwaltung keine Möglichkeit sieht, für zusätzliche Trainingszeiten eines Vereins zu sorgen, obwohl der neugegründete Eissportclub mit insgesamt einer Wochenstunde ausgekommen wäre. Entsprechend zeigten sich die Vorsitzende des neuen Vereins, Marie-Claude Hartmann, und Trainer Ulrich Hartmann direkt nach der Sitzung enttäuscht von diesem Abstimmungsergebnis. Besonders beklagten sich die beiden darüber, dass sie sich nicht während der Diskussion zu Wort melden durften. Diese ist aber die kraft Gesetzes Bürgermeister und Gemeinderäten vorbehalten. Wortmeldungen wären allerdings zu Beginn der Sitzung in der Bürgerfragestunde möglich gewesen.

Bürgermeister Berger hatte vor der Fragestunde sogar explizit darauf hingewiesen, dass sich bei dem Punkt auch Sprecher der drei Vereine mit Erklärungen zu Wort melden können – was keiner der drei Vereine genutzt hat und was speziell für den Eissportclub überrascht hat.

Berger berichtete dann vor der Abstimmung über die Vergabe der Hallenzeiten, und dass es bereits mehr als 100 Stunden Öffnungszeiten pro Woche gebe. Mehr gehe auch für das Personal einfach nicht. Bis auf den Montagnachmittag von 14 bis 18 Uhr sei die Halle voll belegt. Montag bis Freitag werde die Eissporthalle vormittags von Schulen genutzt, und auch der öffentliche Publikumslauf könne nicht weiter eingeschränkt werden, zumal die Eishalle rote Zahlen schreibe und man auf Einnahmen aus dem Publikumslauf angewiesen sei. Zugunsten der Vereine sei dieser Betrieb in der Vergangenheit eingeschränkt worden, mehr gehe nicht. "Wir werden aber genau darauf achten, dass die beanspruchten Zeiten eingehalten und ausgefüllt werden. Aber davon kann man ausgehen", meinte Berger.

"Wenn der Eissportclub keine Trainingszeiten bekommt, wird es kritisch fürs Überleben", sagte Berger, der den Eheleuten Hartmann zu einem Gespräch mit dem Eislaufverein möglicherweise mit einem vermittelnden Mediator riet, was zuvor Gemeinderat Bernd Kühnel (CDU) ebenfalls angeregt hatte.

Doch da scheint das Tischtuch endgültig zerschnitten, nachdem die Hartmanns, die zuvor als Trainerin und Sportwart beim Eislaufverein engagiert waren, ihren eigenen Club mit Mitgliedern des EVHH gegründet haben (die BZ berichtete mehrfach) und jeweilige Kündigungen ausgesprochen wurden.

"Es gab Disharmonien im Eislaufverein. Wenn die Folge eine weitere Clubgründung ist, sehe ich das sehr kritisch. Diese Neugründung kann nur zu Lasten beider Vereine gehen, vor allem im sportlichen Bereich. Das ist ein völlig falsches Signal an Jugendliche", sagte Kühnel.

"Ziel muss es sein, Kinder auf die Eisfläche zu bekommen und diese bestmöglich zu schulen", sagte Berger. Wie dies im letzten Detail funktionieren soll, ist aber noch offen.