Maria 2.0

Frauen aus Heuweiler beteiligen sich am Protest gegen das Priesterinnen-Verbot

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Fr, 17. Mai 2019 um 12:48 Uhr

Heuweiler

Katholische Frauen haben die Maiandacht nach draußen verlegt, weil sie die Kirche nicht betreten wollen. Ein Ja zur Priesterinnenweihe ist dem Domkapitular aber nicht zu entlocken.

Die Maiandacht in Heuweiler wurde nach draußen verlegt, weil Katholikinnen die Kirche diese Woche nicht betreten wollen. Das Heuweilermer Gemeindeteam hat sich nach Auskunft ihrer Sprecherin Susanne Rutgers bei der Teamsitzung vergangene Woche dazu entschlossen, sich an den unter Maria 2.0 firmierenden Protestaktionen zu beteiligen. "Dabei wurden wir von unseren männlichen Kollegen sehr unterstützt", so Rutgers, die von einer politischen Aktion spricht.

"Gottes Mühlen mahlen langsam. Sie müssen mal einen ordentlichen Schubs kriegen." Susanne Rutgers, Gemeindesprecherin
Während in Freiburg rund 700 Frauen und Männer aus der ganzen Erzdiözese am vergangenen Sonntag dagegen demonstrierten, dass die katholische Kirche Frauen das Priesteramt verwehrt, wurde in Heuweiler die traditionelle Maiandacht ohne Vorankündigung nach draußen verlegt. Auch die Vorabendmesse am kommenden Samstag wird laut Rutgers außerhalb der Kirchengemäuer stattfinden. "Wir Frauen werden die Kirche nicht betreten", so Rutgers.

Unterschriftenliste für Erzbischof

Für die Maiandacht stellte das Team Stühle und Bänke vor die Kirche, Rutgers verlas eine Erklärung. Dies habe zunächst einige ältere Menschen irritiert. Sie hätten gesagt, dass sie nicht gekommen wären, wenn sie im Vorfeld von der Aktion gewusst hätten, so Rutgers, die dennoch mit mehr Widerstand gerechnet habe. Doch: "In den Gesprächen habe ich gemerkt, dass die Aktion gut angekommen ist." Davon zeugten auch 60 Unterschriften, die die katholischen Frauen in Heuweiler an diesem Abend gesammelt hätten. Die Liste soll im Kindergarten und der Kirche ausgelegt und dann Erzbischof Stephan Burger geschickt werden.

Um ihr Anliegen zu untermauern, haben die vier Frauen Rita Engler, Maria Haller, Barbara Klausmann und Susanne Rutgers Plakate gestaltet, die während der Maiandacht "wie Luthers Thesen vor der Tür hingen".

"Das Problem der Priesterweihe der Frau lösen wir nicht auf die Schnelle und nicht in Heuweiler, Freiburg oder Deutschland, sondern in der Weltkirche." Hermann Ritter, Domkapitular
Auf denen waren die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten von Frauen in der Kirche sowie ihre Forderungen aufgelistet. "Das Erste, was man sieht, wenn man die Kirche betritt, ist, dass alles so schön ist", sagt Rutgers. Und das sei das Verdienst der Putz- und der Blumenfrauen. "Erstkommunion, Maiandacht, Familiengottesdienst, Seelsorge, Kinderbibeltag – fast alles wird von Frauen organisiert", sagt Rutgers, die mit der Aktion vor allem Aufmerksamkeit erzeugen will. "Wir können nicht erreichen, dass wir in Heuweiler eine katholische Pfarrerin kriegen – jedenfalls nicht so schnell", sagt Rutgers. Denn: "Gottes Mühlen mahlen langsam. Sie müssen mal einen ordentlichen Schubs kriegen." Wenn die Kirche sich nicht langsam bewege, sei sie irgendwann leer, befürchtet Rutgers.

Domkapitular Hermann Ritter, der bei der Maiandacht auch zugegen war, zollte den Frauen Respekt für ihr Engagement. "Ich bin mit den Frauen einer Meinung, dass hinsichtlich der Wertschätzung ihrer Arbeit noch eine ganze Menge geschehen muss", sagt er. Die Frage, ob er es befürworte, dass auch Frauen zu Priesterinnen geweiht werden können, wollte er im Gespräch mit der BZ nicht beantworten, da sie "theologisch zu komplex" sei. Er sei aber offen für Diskussionen. "Das Problem der Priesterweihe der Frau lösen wir nicht auf die Schnelle und nicht in Heuweiler, Freiburg oder Deutschland, sondern in der Weltkirche", so Ritter. Der Denzlinger Pfarrer Nelson Ribeiro äußerte sich auf BZ-Nachfrage nicht zum Thema.

Themen werden vermischt

Dennoch genießen die Heuweilermer Frauen innerhalb der katholischen Kirchengemeinde an der Glotter Rückendeckung. "Ich verstehe das Anliegen der Frauen", sagt Gemeindereferentin Veronika Scherzinger. "Schließlich wird unsere Kirche von Frauen getragen." Diese hätten mit ihren Familien in der Kirche eine Heimat gefunden und diese wollten sie auch erhalten. In Denzlingen, Vörstetten und Glottertal gab es bislang keine Protestaktionen. Scherzinger sagt aber, dass auch dort einige Ideen diskutiert worden seien. "Vielleicht tut sich in den anderen Gemeinden noch etwas", sagt Scherzinger, die Wert darauf legt, dass die Missbrauchsskandale und die Forderung nach Priesterinnen auseinandergehalten werden. "Da werden momentan viele Themen vermischt, die nichts miteinander zu tun haben."



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