"Die Kirche wachrütteln"

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mo, 13. Mai 2019

Hinterzarten

Rund 30 Menschen sind beim Kirchenstreik "Maria 2.0" in Hinterzarten mit dabei / Aktion soll monatlich stattfinden.

HOCHSCHWARZWALD. Die mächtigen Kirchenglocken der Pfarrkirche Mariä in den Zarten riefen die Gläubigen zum Gottesdienst. Doch wie bundesweit angekündigt, fand am Sonntag auch in Hinterzarten die Aktion "Maria 2.0" statt. Ingrid Birkenberger, Anne Rütten, Dorothea Welle, Anita Babler, Monika Kolz und Ruth Ludorf hatte eingeladen, der Eucharistiefeier fernzubleiben, vor der Kirchentür zu streiken und dort einen Wortgottesdienst zu feiern. Rund 30 Leute machten mit.

"Es wird Zeit, dass die Kirche wachgerüttelt wird", sagte Susanne Würmeling, die sich zwar als Sympathisantin dieser Aktion bezeichnete, aber noch nicht restlos überzeugt davon ist. "So wie es derzeit läuft, gehen spätestens 2030 keine Menschen mehr in die Kirche. Daran muss sich etwas ändern." Erfreut darüber, dass gut 30 Menschen draußen blieben und gemeinsam rund ums Feuer feierten, war hingegen vom Organisationsteam Messnerin Ingrid Birkenberger. "Wir sind überrascht vom großen Zuspruch."

"Es geht uns nicht darum, dass wir gegen die Strukturen vor Ort sind", erklärte Monika Kolz. Die Zusammenarbeit mit Pfarrer Arno Zahlauer sei gut und Frauen würden in ihrem Engagement für die Kirche wertgeschätzt. Es gehe vielmehr darum, dass Frauen in der katholischen Kirche keinen Zugang zu irgendwelchen Ämtern hätten, "obwohl sie dafür qualifiziert sind. Deshalb unterstütze ich diese Aktion." Die junge Ministrantin Johanna Rütten sieht das ähnlich. "Wir wollen, dass Frauen in der Kirche ernst genommen werden, dass Frauen gezeigt wird, dass sie etwas wert sind." Hubert Förschner bezog ebenfalls Stellung: "Ich unterstütze diese Aktion. Es geht nicht, dass Frauen ständig für die Kirche da sind, aber wenn es ernst wird, sind sie Menschen zweiter Klasse." Daran müsse sich dringend etwas ändern.

Anne Rütten, die Leiterin des Kinderchors der Pfarrgemeinde, erinnerte zu Beginn des Wortgottesdienstes daran, dass man in den 1980er Jahren darum gekämpft habe, dass Mädchen Dienst am Altar verrichten dürfen, was heute eine Selbstverständlichkeit sei. "Vielleicht bewegt sich ja durch unsere Aktion etwas weiter", hofft sie, dass der bundesweite Streik bei den Entscheidungsträgern der katholischen Kirche ankommt.

Das will der junge Felix Würmeling wissen. "Ich frage mich, wie die Entscheidungsträger zu dieser Aktion stehen." An der Struktur müsse sich etwas ändern, sagte er weiter. Teils sah er diesen Streik auch kritisch. "Wenn Leute draußen vor der Tür einen Wortgottesdienst feiern, fehlt halt etwas in der Kirche."

"Ich halte nichts von dieser Aktion", sagte Wilfried Enzinger. Er habe nichts gegen Reformen, aber das, was die katholische Kirche ausmache, dürfe nicht verwässert werden. "Eine Aufopferung des Kerns, der Botschaft darf es nicht geben." Hans Peter Rehder sah das ähnlich. "Es war doch so, dass die Frauen keine Konkurrenzveranstaltung zur Eucharistiefeier machen wollten. Sie ist es aber geworden." Sicherlich seien viele Anliegen dringend und müssten angegangen werden. "Die Form aber ist schade. Es stört die Einheit." An dem Ablauf der Aktion stört sich auch Hermann Straub. "Es ist zwar eine Entwicklung notwendig. Aber die Form hat mir nicht gefallen."

Fraglich, ob der Protest in Rom ankommt

Es bewege sich in der Kirche doch was, wenn auch nur sehr langsam. Und Karl Harter findet, vor der eigenen Tür zu protestieren, "ist der falsche Ort. Das ist keine wirkungsvolle Aktion und es ist fraglich, ob dieser Protest überhaupt im Vatikan ankommt".

Pater Sebastian Debour hält viel von der Frauenaktion Maria 2.0. "Es ist wichtig, dass das Anliegen dieser Frauen umgesetzt wird." Er selbst hat zwar den Gottesdienst in der Kirche gefeiert, "ich war mit meinem Herzen aber draußen". Beeindruckend sei es für ihn gewesen, dass es kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander gegeben habe. "Das war berührend." Für Simon Gutmann, einer der wenigen jungen Erwachsenen, der an der Eucharistiefeier teilgenommen hat, findet, dass "man ja irgendwo anfangen muss, wenn man Veränderungen will." Die Frauen wollten keinen Konflikt, sondern auf ihre Probleme aufmerksam machen. "Das ist wichtig und legitim."

Pfarrer Arno Zahlauer findet die Aktion der Frauen gut, da sie "sehr berechtigte Anliegen vortragen". Allerdings tue er sich damit schwer, dass Eucharistie politisiert wird. "Ich versuche, in meinen Gottesdiensten immer sowohl die Politik als auch die Kirchenpolitik außen vorzulassen. Über die Probleme, die die Frauen hier vortragen, spreche ich aber gerne vor der Kirchentür." Und wichtig sei ihm zudem gewesen, dass diese Aktion mit ihm abgesprochen worden sei.

Obwohl "Maria 2.0" große Kreise gezogen habe, sei es dennoch fraglich, ob die Anliegen in Rom ankommen, so Ingrid Birkenberger. "Dennoch müssen wir etwas tun und wir werden weiter solche Aktionen machen." Geplant ist "Maria 2.0" vor der Kirchentür monatlich stattfinden zu lassen.