Attraktivität der Gemeinde im Blick

Sebastian Barthmes

Von Sebastian Barthmes

Mo, 16. September 2019

Höchenschwand

Zur offiziellen Kandidatenvorstellung kommen viele Bürger ins Höchenschwander Haus des Gastes / Zwei Bewerber präsentieren sich.

HÖCHENSCHWAND. Viele Einheimische und sogar Bürger aus Nachbarkommunen waren am Freitag ins Haus des Gastes gekommen, um die offizielle Vorstellung der Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu erleben. Auch die Gelegenheit, Fragen zu stellen, nutzten die Höchenschwander. Erschienen waren nur zwei der drei Bewerber um die Nachfolge von Bürgermeister Stefan Dorfmeister, der den Abend als Vorsitzender des Wahlausschusses leitete.

Die Bewerbungen lagen gleichzeitig im Briefkasten, das Los musste deshalb über die Reihenfolge entscheiden, in der die Namen auf dem Wahlzettel stehen: Peter Grün steht vor Sebastian Stiegeler. Und so stand auch die Reihenfolge fest, in der sich die beiden ernsthaften Bewerber am Freitag dem großen Publikum vorstellen konnten. 15 Minuten hatten sie jeweils Zeit. Nach einer Pause konnten die Bürger schließlich Fragen an die Bewerber richten. Der Kandidat Samuel Speitelsbach war am Freitagabend nicht im Haus des Gastes erschienen.

PETER GRÜN
"Bürgermeister zu sein, ist eine Aufgabe, die mich durch und durch reizt. Man kann etwas bewegen", sagte Peter Grün. Die Erwartungshaltung der Bürger, die er bei vielen Begegnungen erfahren habe, entspreche seinen Vorstellungen, betonte Peter Grün.

Er verstehe sich als "Motor und Impulsgeber", der im ständigen Austausch mit den Bürgern Visionen entwickeln wolle, um Höchenschwand wieder zu einer im In- und Ausland bekannten Marke zu machen, wie er sagte. Ziel müsse es sein, dass auch die Kinder in Zukunft gerne in Höchenschwand leben wollen.

Zu einigen Themenbereichen nahm er konkret Stellung: Der Tourismus und das Marketing für die Gemeinden müssten dringend weiterentwickelt werden. So fehle es beispielsweise an Angeboten für Familien und an einem schlüssigen Gesamtkonzept. Die Kliniken müssten von der Gemeinden unterstützt werden, um das Prädikat Heilklimatischer Luftkurort beibehalten zu können, und die Gesundheitsversorgung müsse gesichert werden.

Um die wichtige Vereinsvielfalt zu erhalten sei auch die Renovierung der Halle Atllisberg sehr dringend. Überhaupt müssten alle Vereine eine gute Bleibe haben können sowie die gleiche Aufmerksamkeit durch die Gemeinde erfahren.

Bezahlbaren Wohnraum sei für junge und alte Menschen von großer Bedeutung und Senioren müssten zentrumsnah Wohnungen finden können. Dafür könne man vielleicht das Areal um das alte Rathaus nutzen. Für die Attraktivität sei es wichtig, den Ausbau der Betreuung im Kindergarten und in der Grundschule auszubauen. Damit unterstütze man auch die Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften. Überhaupt setze er auf eine aktive Wirtschaftsförderung und eine Unterstützung der Landwirtschaft.

Er strebe ein offenes Rathaus mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten an. Zu den Gemeindefinanzen sagte Peter Grün: "Eine Generation darf nur das ausgeben, was sie erwirtschaftet."

SEBASTIAN STIEGELER
Seit sieben Jahren arbeite er als Tourismuschef in der Gemeinde, sagte Sebastian Stiegeler, er kenne also die wichtigen Themen. Wichtig sei es, den Tourismus noch besser aufzustellen. Als Beispiel nannte er unter anderem die Erweiterung des Wohnmobilstellplatzes und die Aufwertung des Kurgartens. Die Gemeinde müsse darüber hinaus ein attraktiver Wohnort sein, in dem die Gesundheitsvorsorge und die Kinderbetreuung gesichert seien. Er strebe eine bürgernahe und transparente Verwaltung an, auch die Gemeinderatsarbeit müsse transparenter werden. Dafür wolle er auch eine App einführen, um die Bürger schnell über Aktuelles informieren zu können. Die Jugend wolle er in die Kommunalpolitik einbeziehen und deshalb eine Jugendkonferenz ins Leben rufen, sagte Stiegeler.

Die Gemeinde, wie auch die gesamte Region wolle er voranbringen, wofür die Zusammenarbeit mit den anderen Kommunen wichtig sei. Das Freibad müsse zum Beispiel mit Hilfe der Nachbargemeinden erhalten werden.

Die Sicherung der Gesundheitsversorgung sei ein sehr wichtiges Thema. Auf dem Areal rund um das alte Rathaus könne zum Beispiel auch ein Ärztezentrum entstehen, das die Gemeinde mit seinem Service auch für junge Medizinerinnen attraktiv macht. Das Angebot bezahlbaren Wohnraums sei ebenso wichtig wie Mehrgenerationenstätten. Die könnten dazu beitragen, dass alte und junge Menschen voneinander profitieren.

Die Arbeit der Vereine sei sehr wichtig für die Gemeinde und die Anerkennung durch die Kommune notwendig. Höchenschwand müsse für eine sichere Unterbringung der Vereine sorgen, weshalb beispielsweise die Halle Attlisberg überplant werden müsse.

Die Ortskerne aller Ortsteile müssten erhalten und aufgewertet werden. Im Ort Höchenschwand könnten auf dem Areal des alten Rathauses deshalb zum Beispiel auch Geschäftsräume und auch Parkraum entstehen.

DAS FRAGTEN BÜRGER
Welche Hilfe könnte die Gemeinde den Waldeigentümern, angesichts der größer werdenden Probleme bieten? Die Gemeinde müsse dafür kämpfen, dass die Tourismusgemeinde Höchenschwand staatliche Förderungen erhalte, sagte Peter Grün. Das betonte auch Sebastian Stiegeler. Die Gemeinde könnte kleinen Waldbesitzern vielleicht auch mit einem eigenen Waldarbeiter unter die Arme greifen, ergänzte er.

Die Gesundheitsversorgung sei übergangsweise gesichert, wie könne das dauerhaft geschehen? Die Gemeinde könnte zum Beispiel eine barrierefreie Praxis anbieten und sich als attraktiven Wohnort präsentieren, sagte Stiegeler. Die Rahmenbedingungen, einschließlich der Kinderbetreuung, müssen insgesamt stimmen – sie müssen ein Wettbewerbsvorteil sein, damit sich junge Medizinerinnen für Höchenschwand entscheiden, sagte Grün.

Wo werde er im Falle seiner Wahl wohnen, fragte ein Bürger den Kandidaten Peter Grün. Gerade baue er mit seiner Frau ein Haus in einem Ortsteil von Waldshut-Tiengen. Seine Frau, die ebenfalls berufstätig sei, müsste bei einem Umzug nach Höchenschwand ihre Arbeitsstelle aufgeben. Deshalb werde die Familie nicht in die Gemeinde umziehen, sagte Grün. Allerdings stelle das keinen Nachteil dar, sein Einsatz für Höchenschwand werde nicht geschmälert – derzeit fahre er nach Villingen-Schwenningen zur Arbeit.

Wie stehen die Kandidaten zu Windkraftanlagen in der Region oder sogar in der Gemeinde? Er finde Windkraft toll, allerdings in der Nordsee, sagte Peter Grün. In den Schwarzwald passe sie nicht, sie beiße sich mit dem Tourismus. Windkraftanlagen dienten in der Region weniger der Stromgewinnung als der Landschaftsverschandelung, ergänzte er.

Ein "klares Nein" zur Windkraft in der Region sagte auch Sebastian Stiegeler. "Da, wo sich Großstädter erholen wollen, gibt es mehr Alternativen für Energiequellen", ergänzte er.

Den öffentlichen Personennahverkehr sprach ein weiterer Bürger an. Man benötige ja schon fast einen Führerschein, um zu einer der wenigen Bushaltestellen zu gelangen, sagte er. Was könne die Gemeinde aus Sicht der Bewerber tun, um die Situation zu verbessern?

Die Gemeinde habe nur beschränkte Handlungsmöglichkeiten, sagte Sebastian Stiegeler. Als Sofortmaßnahme könnten Mitfahrerbänke in den Ortsteilen eingerichtet werden. Auch über ein Ruftaxi könnte man nachdenken.

Er sehe einen dringenden Handlungsbedarf, sagte Peter Grün. Unter Umständen müsste die Gemeinde in Ferienzeiten benötigte Buslinien mitfinanzieren.

Die konkrete Situation in der Kinderbetreuung sprach eine Bürgerin an: Plätze fehlen und verlängerte Öffnungszeiten, für die Bedarf vorhanden sei, biete der Kindergarten nicht an. Außerdem fahre der Kindergartenbus nur während der Schulzeit. Wie könnte die Gemeinde kurzfristig für Abhilfe sorgen? Das Transportproblem könne man wohl nur mit einem Ruftaxi lösen, sagte Peter Grün. Und für die Ausweitung der Betreuungszeiten werde mehr Personal benötigt. Stellen müsste man möglichst schnell schaffen.

Zusätzliche Erzieherinnen müssten schnell eingestellt werden, sagte auch Stiegeler, das Raumproblem könnte man vielleicht kurzfristig auch mit einem Container lösen.

Was könnte man gegen den Leerstand großer Gebäudekomplexe tun? Als Bürgermeister müsse man Klinken putzen, um Investoren für die privaten Liegenschaften zu finden, sagte Grün. Während die Aussichten, das Vitalhotel wiederzubeleben, gut seien, sei es schwieriger, mit den Eigentümern der beiden anderen Liegenschaften ins Gespräch zu kommen. Auf alle Fälle müssten die Ruinen verschwinden.