Höherer Partyfaktor

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

So, 24. März 2019

Rock & Pop

Der Sonntag Mit neuem Booker, HipHop und Indie-Rock will das ZMF 2019 auf die Jugend setzen – und denkt an ein größeres Zelt.

Beim Freiburger Zelt-Musik-Festival (ZMF) bemüht man sich 2019 um ein junges Publikum und um eine Marke. Wenn das Festival am Mundenhof vom 17. Juli bis zum 4. August seine 37. Ausgabe feiert, gehören Dendemann, Mark Herre, Lea, Kamasi Washingto, Chick Corea und Sophie Hunger zu den Gästen.

"Zuhause – wenn du jeden Sommer wiederkommst", ist das Motto 2019, das sich die Freiburger Agentur "Feyka & Herr" überlegt hat. Neben anderer Außendarstellung samt neuer Website gibt es aber auch im Programm Veränderungen, die durch Alexander Hässler, der im Herbst 2017 Dieter Bös als Booker abgelöst hat, vorangetrieben wurden. Das ZMF-Programm soll auch junges Publikum ansprechen – deshalb kommen weniger Altstars, aber mehr junge Bands als früher aufs Festivalgelände. Statt Weltmusik und Crossover-Projekten findet sich nun mehr HipHop, Elektronische Musik und Indie-Rock im zweieinhalbwöchigen Programm. Auch sechs Clubnights im Spiegelzelt sorgen für einen höheren Partyfaktor.

Mit Max Herre (19.7.), Samy Deluxe (26.7.), Dendemann (28.7.) und Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi (30.7.) sind gleich vier HipHop-Formationen im großen Zirkuszelt, das mit Moop Mama und Django 3000 am 25. Juli noch einen Abend zum Abtanzen verspricht. Angesagter Deutschpop ist mit Lea (29.7.) und dem Doppelkonzert von Namika und Joris beim ZMF-Abschluss am 4. August geboten. Mit Chick Corea (18. Juli), der schon beim allerersten ZMF 1983 gastierte, und dem international für Furore sorgenden Saxofonisten Kamasi Washington am 24. Juli können die Festivalmacher im Jazzbereich zwei absolute Top Acts vorweisen. Die Beach Boys (22.7.) und Wolfgang Niedeckens BAP (27.7.) decken das Segment Ü40 ab.

Nach wie vor ist im Zirkuszelt eine große stilistische Bandbreite zu entdecken: vom keltischen Folk einer Loreena McKennitt im Eröffnungskonzert am 17. Juli bis zum Politpunk von "Feine Sahne Fischfilet" (2.8.), vom kreativen, melodischen Elektropop von Metronomy und Roosevelt (20.7.) bis zum obligatorischen, bereits ausverkauften Schlagerabend Dieter Thomas Kuhns (3.8.). Bei der ZMF-Gala mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg am 21. Juli wird der Ehrenpreisträger Helge Schneider gleich sieben Instrumente spielen, wie Festivalgründer Alexander Heisler verkündete.

Der Bereich Klassik findet sich in drei Matineen im Spiegelzelt wieder – unter anderem mit dem diesjährigen ZMF-Preisträger und Pianist Robert Neumann am 28. Juli. Überhaupt sind im Spiegelzelt einige Perlen zu finden wie das Berliner Frauenquartett Laing (22.7.), Jazzanova (27.7.), die New Yorker Blechformation "Brass Against" (1.8.) oder der deutsche Liedermacher Gisbert zu Knyphausen zum Festivalende (4.8.). Mit den Freiburger Bands "El Flecha Negra" (26.7.), Fatcat (3.8.) und dem Konzert zum 40-jährigen Jubiläums der "Brothers" am 31. Juli (mit Gästen wie Tokunbo und Sascha Bendiks) bietet Alex Hässler auch ganz bewusst der Freiburger Szene eine Bühne auf dem ZMF.

Ein Selbstläufer war das Zeltmusikfestival mit seinem 1,7 Millionen-Euro-Etat trotz der guten Auslastung in den letzten Jahren nicht. Nach dem Wegfall des Hauptsponsors Mercedes-Benz (Kestenholz GmbH) gestaltet sich die Sponsorensuche laut ZMF-Geschäftsführer Marc Oßwald als nicht unbedingt einfach. "Ohne Sponsoren können wir das Festival nicht durchführen." Mit Fürstenberg hat zumindest der zweite Hauptsponsor seinen finanziellen Betrag erhöht. Ob der geplante Stadtteil Dietenbach, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Festivalgeländes befinden wird, die Feierlaune verdirbt, wird sich erst in fünf bis acht Jahren zeigen. Die Veranstalter verlassen sich diesbezüglich auf die Zusagen der Stadt.

Außerdem denkt das ZMF-Team an eine Erweiterung des Festivalgeländes nach Westen hin, was auch ein größeres Zelt möglich machen würde. "Wir bekommen einige bekannte Bands nicht, die wir gerne hätten, weil das Zirkuszelt mit seinen maximal 2800 Besuchern dafür zu klein ist. 5000 Besucher sind ungefähr die Richtmarke, die wir an Kapazität erreichen müssten", sagt Oßwald. Da die Gagenforderungen der Künstler wegen der zurückgehenden CD-Verkäufe immer höher werden, mussten in diesem Jahr auch die Ticketpreise angepasst werden, die im Zirkuszelt von 35 bis 85 Euro reichen. "Aber das ist ein allgemeines Phänomen und nicht ZMF-spezifisch", erklärt Marc Oßwald.
Zeltmusikfestival Freiburg, vom 17. Juli bis zum 4. August 2019, Karteninformationen unter http://www.zmf.de oder telefonisch unter der Nummer 0761 / 496 88 88.