"Ich bin kein Monster"

Julius Müller-Meiningen

Von Julius Müller-Meiningen

Mo, 17. Juni 2019

Panorama

Vor einem juristischen Fachprozess sprach Amanda Knox über ihr Schicksal als Justizopfer.

MODENA. Es ist eine Abrechnung, vorgetragen mit brüchiger Stimme. Amanda Knox steht in Modena auf der Bühne. Die 31 Jahre alte US-Amerikanerin ist erstmals seit acht Jahren wieder in Italien. Vor zwölf Jahren wurde ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher unter nie geklärten Umständen in der Studentenstadt Perugia ermordet. Knox wurde zweimal als Mörderin verurteilt, 2015 sprach Italiens Oberster Gerichtshof die US-Amerikanerin frei. Jetzt sagt sie: "Ich bin kein Monster, ich bin einfach nur Amanda."

Applaus braust auf im Forum Monzani in Modena. Hier fand am Wochenende das Festival für Strafjustiz statt. Knox war umstrittener Stargast. Vier Jahre saß sie in Haft. Knox polarisiert bis heute. Warum ist sie überhaupt nach Italien gekommen, fragt sich der Anwalt der Familie des Mordopfers, Meredith Kercher? Er bezeichnete den Auftritt als Fehler. Knox begründet ihr Kommen damit, ihre "Version der Tatsachen" erzählen zu wollen.

Die 31-jährige Knox trägt ein rosafarbenes Kleid. Immer wieder muss sie am Samstag ihre Rede unterbrechen. Das Thema ihres Vortrags lautet "Der mediale Strafprozess". Und Knox führt aus, wie sich diese parallele Verurteilung durch die Medien angefühlt habe. Sie sei als "Psychopathin","als Drogensüchtige, die an Orgien" teilnehme und als "Hure" beschrieben worden. Auslöser dafür waren die Thesen des Staatsanwalts in Perugia, der im ersten Prozess das Szenario einer dramatisch mit der Ermordung Kerchers endenden Sex-Orgie entworfen hatte.

In Modena beschuldigte Knox die Medien, die Ermittlungen verfälscht und die Richter beeinflusst zu haben, um "mit einer aufgeblasenen Story Einnahmen zu kassieren". Die Rede ist der Versuch, ihr Ansehen reinzuwaschen. Doch dass Knox umstritten bleibt, hat Gründe: So wurde die US-Amerikanerin rechtskräftig dafür verurteilt, in den Tagen nach dem Mord einen unschuldigen Barkeeper für die Tat verantwortlich gemacht zu haben.

In Modena wartete sie mit einem eigenen Schuldspruch auf: "Ein Verbrecher namens Rudy Guede ist in mein Zimmer eingedrungen und hat Meredith vergewaltigt und ermordet." Sie und ihr Freund seien nicht dagewesen. Guede wurde wegen Beihilfe zu 16 Jahren Haft verurteilt, er gibt zu, am Tatort gewesen zu sein, bestreitet aber, der Täter zu sein. Wer Meredith Kercher 2007 ermordet hat, bleibt ein Mysterium.