Klinikalltag

Im Bett nebenan: Wenn Menschen ein Krankenzimmer teilen

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

So, 15. Mai 2022 um 10:54 Uhr

Liebe & Familie

BZ-Plus In Kliniken bilden sich schnell Schicksalsgemeinschaften: Eine Geschichte über Menschen, die im Krankenhaus ein Zimmer miteinander teilen – und sich gegenseitig in schlimmen Zeiten helfen.

Mein letzter Krankenhausaufenthalt dauerte fast fünf Wochen – den Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal verdanke ich, dass mein Körper wieder gesund wurde. Aber wie hätte meine durch eine plötzliche Herzerkrankung erschütterte Seele das ohne meine Bettnachbarinnen im Zwei- und später im Dreibettzimmer geschafft? Innerhalb kürzester Zeit wurden sie – sicher auch, weil Corona die meisten Besuche von außen verhinderte – zu meinen wichtigen Vor-Ort-Vertrauten.
Trotz Pandemie und Personalnot: Sie arbeiten gerne als Krankenpfleger
Es gibt gute und schlechte Erfahrungen – definitiv kann jede und jeder, der einmal längere Zeit im Krankenhaus zubringen musste, einige Geschichten über seine Zimmernachbarin, seinen Zimmernachbarn erzählen. Früher, bevor es die kleinen Bildschirme direkt am Krankenbett gab, war es oft das eine über den Betten hängende Gemeinschaftsfernsehgerät, das Unmut hervorrief: Für den einen konnte es im langweiligen Klinikalltag nicht lange genug laufen, für die andere waren die ewig flackernden Bilder störend. Wer als Nichtraucher das Zweibettzimmer mit einem starken Raucher teilt, den nervt der Geruch, den dieser jedes Mal mit hineinbringt, wenn er draußen gequalmt hat – "gefühlt war das alle halbe Stunde", erzählt ein Freund, der genau das erlebt hat.
Beim Vorstellen geht es nicht darum, Krankengeschichten zu teilen
Für Dorothee Meyer-Mybes beginnt das Miteinander im Krankenzimmer damit, dass zwei Fremde, die es sich nicht ausgesucht haben, eine Zeitlang eng miteinander zu leben, einander erst einmal gut vorgestellt werden. Meyer-Mybes ist seit zwölf Jahren Krankenhausseelsorgerin im Freiburger Diakoniekrankenhaus und hat auch einmal eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert. Beim Vorstellen gehe es nicht darum, Einzelheiten aus der Krankengeschichte des jeweils anderen zu teilen, sagt sie. "Sondern darum, dass die Zimmernachbarn und -nachbarinnen die Chance haben, sich gegenseitig wahrzunehmen und in Kontakt zu treten." Das sei auch vor dem Hintergrund wichtig, dass es manchmal häufige Wechsel in den Zimmern gebe: "Das ist dann für die- oder denjenigen, die länger bleiben, also in kurzer Zeit viele Mitbewohner haben, besonders schwierig."
In meinem Krankenhauszimmer begann für uns die entspannteste Zeit des Tages, wenn wir um kurz vor 18 Uhr Kai Pflaume und sein Rateteam von "Wer weiß ...

Jetzt diesen Artikel lesen!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

Die eingegebene E-Mail Adresse ist bereits registriert.
Hier können Sie sich anmelden
Diese E-Mail-Adresse ist bereits registriert aber nicht aktiv.
Aktivierungslink erneut zuschicken

BZ-Digital Basis

12,40 € / Monat

  • Lesen Sie alle Artikel auf badische-zeitung.de
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung