Im Zeichen der Kunst

Christel Hülter-Hassler

Von Christel Hülter-Hassler

Mo, 24. Juni 2019

Endingen

Art Endingen und Künstlermarkt lockten in die Stadt / Initiator berichtete von Anfeindungen im Netz.

ENDINGEN. Ein Meer aus Blattgold und Öl, Figuren aus Sägemehl und Leim, Segmente des Freiburger Münsterturms in Acryl: Die künstlerische Vielfalt bei der neunten Auflage der internationalen Kunstmesse Art Endingen am Wochenende war groß. Initiator Willy Kern nutzte die Eröffnung am Samstag für ein Statement gegen Rechts.

Zeitgenössische Kunst ist selten gefällig. Sie provoziert, verstört, verzaubert oder amüsiert den Betrachter. So auch bei der gut besuchten Kunstmesse am Samstag und Sonntag in der Endinger Stadthalle, wo auf rund 2000 Quadratmetern 55 Kunstschaffende ihre Arbeiten zeigten. Die Messe bot Gelegenheit, sich ein Bild zu verschaffen, von dem, was der Markt in Sachen Malerei, Grafik, Zeichnung, Fotografie oder Bildhauerei hergibt.

"Sie sind an den richtigen Ort gekommen", sagte der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß bei der Eröffnung an die Besucher gewandt. Tobias Metz, Endingens Bürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung, würdigte das hohe Niveau der Arbeiten, die logistische Meisterleistung der Veranstalter und die Großzügigkeit der Sponsoren: "Ohne das könnte diese Ausstellung nicht realisiert werden", sagte er.

Willy Kern, Initiator der Kunsttage, berichtete bei der Eröffnung von Anfeindungen von Rechts im Netz. Noch nie sei die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks so in Gefahr gewesen wie heute, sagte er. In diesen Zeiten sei es schwer, einer Bandbreite an zeitgenössischer Kunst Raum zu geben: Ginge es nach den "selbsternannten Bewachern der deutschen Kultur", so Kern, könnten 60 Prozent der anwesenden Künstlerinnen und Künstler ihre Werke abhängen. An die Besucher gerichtet sagte Kern: "Ich wünsche Ihnen die Freiheit, die der Artikel zwei des Grundgesetzes uns schenkt!"

Zum ersten Mal war eine Sonderschau auf der Bühne zu sehen. Dem Thema "Heima(r)t widmeten drei Künstlerinnen ihr Schaffen. Mit ihrem Bild "Ein Wolf & tausend und eine Tanne" zeigt die Ettenheimerin Gabi Melzer beispielsweise neue, ungewöhnliche Facetten des Schwarzwalds. Martina Morlok aus Biberach haben es Köpfe von Kühen und altertümliches Gerät angetan, das sie auf altem Holz Gestalt annehmen lässt.

Ausnehmend positiv über die Kunstmesse äußerten sich die Kunstlehrer Jaques Millet und Perathiba Mohanathar, die die Freiburger Edith-Maryon-Kunstschule vertraten: "Es herrscht hier eine sehr persönliche und offene Atmosphäre, die es ermöglicht, gut in Kontakt mit Besuchern oder Ausstellern zu kommen." Sehen und gesehen werden ist ein wichtiger Aspekt für die 55 Künstlerinnen und Künstler bei der Art Endingen. Sie sei zum ersten Mal bei einer Kunstmesse dabei, sagte zum Beispiel die junge Schwarzwälder Malerin Regine Temmel. Anders als bei einer Ausstellung allein im Atelier wirkten hier die Impulse der anderen Kunstschaffenden sehr inspirierend, sagte sie im Gespräch mit der BZ.

Veranstaltet wurde die Messe von der Stadt, dem Kunstverein "X-clusio Forum Endingen" und der Künstleragentur Artkana. Zum Gesamtkonzept gehört auch der Künstler- und Töpfermarkt auf dem Marktplatz, organisiert vom Kunst- und Kulturverein Rügener Kleinkunstbühne Pro Musis. Rund 50 Aussteller waren dafür aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Endingen gekommen. Ließen die Besucherzahlen am Samstag noch zu wünschen übrig, nutzen am Sonntag viele Interessierte die Möglichkeit, zu bummeln, zu schauen, zu kaufen und zu genießen. Für die Bewirtung sorgten Endinger Vereine und Firmen.

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