Ausflug

In Freiamt gibt es jeden Freitag historisches Flair und Köstliches aus der Region

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

Fr, 31. Mai 2019 um 12:49 Uhr

Freiamt

Der Sonntag Ein historisches Areal lockt zurzeit jeden Freitag nach Freiamt-Ottoschwanden. Neben einem Bauernmarkt gibt es hier ein Museum mit alter Radiosammlung, eine Turmuhren-Kollektion und eine feine Schaubrennerei.

Hefezopf und Schneckennudeln sind schon ausverkauft, ihr Holzofenbrot ebenfalls. "Bis zu 80 Laibe passen in meinen Holzofen, Pfünder und Kilo", sagt Helga Grafmüller aus Freiamt-Ottoschwanden. Sie steht seit 20 Jahren jeden Freitag hier oben dem Bauernmarkt. Mit frischen Backwaren und dem, was gerade im Garten Saison hat. Eier von freilaufenden Hühnern sind immer dabei, selbst gemachte Marmelade, Schmalz, Speck von den eigenen Schweinen und Eingemachtes.

Von Schuttertal über Ettenheim, Herbolzheim, Kenzingen, Emmendingen und sogar aus Freiburg kommen die Kunden, um regionale Produkte von den zwölf Marktständen zu kaufen, die sich auf dem stimmungsvollen historischen Areal des Freihofs im Freiämter Ortsteil Ottoschwanden verteilen.

Dass der Freihof vermutlich schon vor über 1 000 Jahren zum Zentrum des Dorfs "Ottenswant" gehörte und sich seit 1786 genau hier am Lindenplatz befindet, weiß Hans Zimmermann, Vorsitzender des Freiämter Bauernmarkts. Er erzählt Besuchern gern von der Reise des alle Blicke auf sich ziehenden Leibgedinghauses, im Freiämter Dialekt "Bäule" genannt. In Reichenbach wurde es einst abgebaut und im Freihof behutsam wieder errichtet. Mit Fördergeldern vom Land und der europäischen Gemeinschaft, die man für die Idee bekam, Landprodukte zu vermarkten. "So entstand unser Bauernmarkt, der sich mittlerweile etabliert hat und bis heute nur das anbietet, was wir mit eigenen Händen machen können", erklärt Hans Zimmermann und betont: "Es gehört zum Konzept, dass wir kaum Handelsware haben und dass alles vorwiegend von Freiämtern, konzentriert auf einen einzigen Tag, angeboten wird."

Von Anfang an wollte man auch ein Marktcafé im Leibgedinghaus einrichten. Selbstgemachter Kuchen und Kaffee, die man an schönen Tagen auch im Hof genießen kann, seien längst "das Zugpferd" für viele Besucher geworden – unter ihnen viele Stammkunden, die den Freitagnachmittag regelmäßig hier verbringen, sagt Zimmermann. "Es kommen Freiburger mit der Regiokarte, trinken hier Kaffee, machen eine Wanderung und fahren mit dem letzten Bus, Brot und Speck in der Tasche, wieder herunter." Doch allein im Leibgedinghaus gibt es viel mehr als ein Café: Der Heimatverein Freiamt hat in liebevoller Kleinarbeit Möbel und Gerätschaften zusammengetragen, die das bäuerliche Leben vor rund 80 Jahren lebendig werden lassen.

Eines der Zimmer beherbergt darüber hinaus eine alte Schuhmacherwerkstatt, seit zwei Jahren findet man eine komplette Etage mit einer großen Sammlung alter Radios. Dank der so genannten "Dienstagsgruppe" des Heimatvereins hat sich das Angebot immer weiter entwickelt: Auch die angrenzende Scheune mit Mostkeller wurde zum Museum ausgebaut, zeigt landwirtschaftliche Geräte und Handwerkskünste. Wenige Schritte entfernt: die kuriose Turmuhrensammlung im gleichnamigen Museum. "Ich liebe dieses Ambiente und freue mich, dass ich gefragt wurde, ob ich mitmischen will", sagt Klara Glatz.

Der Brennerin und Edelbrand-Sommelière vom 100 Jahre alten Buckhof in Freiamt kann man seit März jeden ersten Freitag im Monat beim Schnapsbrennen in einem alten Brennereigebäude zusehen, das der Heimatverein sorgfältig saniert hat. Ein seltenes Brenngerät mit indirekter Dampfheizung aus dem Jahr 1972 wurde erworben und auf den neuesten Stand gebracht. "Ich will den Leuten erklären, wie die Produkte hergestellt werden. Es ist aber auch schön, einfach zu plaudern und Brände und Liköre zu genießen, die keine Massenware sind", erklärt Klara Glatz.
Freitags in Freiamt

Bauernmarkt mit Marktcafé im Heimatmuseum Freiamt, Freihof 11, in Freiamt-Ottoschwanden von 15 bis 18 Uhr. Schaubrennen mit Klara Glatz jeden ersten Freitag im Monat. Nächster Termin ist der 7. Juni. Während des Bauernmarkts sind auch die Museumsscheune und das Leibgedinghaus geöffnet. Führungen für Gruppen möglich (Willi Gerber: 0 76 45/2 37), Turmuhrenmuseum geöffnet freitags von 15 bis 17 Uhr. Führungen für Gruppen nach telefonischer Absprache (Hans Grafetstätter: 0 76 45/9 21).