Irrationaler Funken Hoffnung

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 24. März 2019

Theater

Der Sonntag Hans Falladas "Keiner Mann – was nun?" im Freiburger Wallgraben-Theater.

Die Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Arbeitswelt ist bei Hans Falladas "Kleiner Mann – was nun?" unvermeidlich. Im Freiburger Wallgraben-Theater will Andreas von Studnitz den Roman von 1932 aber auch als Geschichte über das Zusammenhalten erzählen.

Klar, die gesellschaftskritische Substanz des Fallada-Romans hat hohe Aktualität, nicht umsonst steht das Werk in den vergangenen Jahren oft auf den Spielplänen der Häuser. Mindestlohn, Leiharbeit, Wohnungsnot, Mietwucher, der Assoziationen werden viele ausgelöst. "Wir leben wieder in einer Zeit, in der sich ein kleiner Teil sehr reicher Menschen einem großen Anteil, dem sein Einkommen kaum zum Auskommen reicht, gegenüberstehen", meint Wallgraben-Mitinhaberin Regine Effinger.

Eine Ohrfeige nach der anderen hat der sich fleißig im Hamsterrad abstrampelnde "kleine Mann" Pinneberg (Christian Theil) einzustecken, ehe es ihn schließlich doch aus der Bahn wirft, ehe er arbeitslos wird. Das größte anzunehmende Unheil für ihn, nicht nur weil das Geld zuvor schon nicht für ihn und seine von ihm Lämmchen genannte Frau (Katharina Rauenbusch) reichte. Denn der Mensch braucht eine Arbeit, ist nur ganz Mensch, wenn er etwas Sinnvolles arbeiten kann, meint Regisseur Andreas von Studnitz.

Aber der ehemalige Intendant des Theaters Ulm, der bereits mehrfach für das Wallgraben-Theater arbeitete, erkennt noch eine andere Facette im Fallada-Stoff. "Du hast keine Chance, aber nutze sie. Der Spruch, den die von Herbert Achternbusch selbst gespielte Figur Herbert am Ende des Achternbusch-Films "Die Atlantikschwimmer", sagt, steht für von Studnitz für eine Haltung, die für ihn auch das Paar Pinneberg/Lämmchen vor allem aufgrund der Willensstärke der Frau am Leben hält. Die Absurdität des Daseins aushalten, an sich glauben, vor allem sich nicht auseinanderdividieren lassen.

Nicht von ungefähr ist dieses Paar in der Wallgraben-Inszenierung besetzt, alle anderen Rollen teilen sich hingegen nur drei weitere Schauspieler (Achim Barrenstein, Sibylle Denker, Martin Schurr). "Wenn die beiden nicht zusammenhalten, dann ist für beide alles aus", sagt von Studnitz. Das hat er als die entscheidende Botschaft aus der Lektüre des Fallada-Textes für sich gezogen. Im kleinsten Kosmos des Zusammenlebens müsse der irrationale Funken Hoffnung stets erhalten bleiben. Das will Andreas von Studnitz als die erwärmende Botschaft aus Hans Falladas "Kleiner Mann – was nun?" dem Publikum im Wallgraben-Theater vermitteln.
Kleiner Mann – was nun?, Premiere am Samstag, 30. März, Wallgraben-Theater Freiburg, viele weitere Vorstellungen bis zum 18. Mai, Karteninformationen unter http://www.bz-ticket.de/karten oder unter der Nummer 0761 / 496 88 88.