Betzenhausen

Baugebiet Obergrün soll 43 statt 35 Wohnungen erhalten

Joachim Röderer und Jelka Louisa Beule

Von Joachim Röderer & Jelka Louisa Beule

Fr, 03. Juli 2020

Freiburg

Eine Nachricht, die in Betzenhausen nicht nur gut ankommt: Das Baugebiet Obergrün soll 43 statt 35 Wohnungen erhalten. Einige Lokalvereine sehen ihre Interessen missachtet

. Das Baugebiet Obergrün am Rand von Betzenhausen soll noch etwas intensiver genutzt werden. Weil auf der Fläche nun auch drei Mehrfamilienhäuser geplant sind, erhöhen sich die Wohneinheiten von 35 auf 43 – mehr als doppelt so viele wie im ersten Entwurf von 2015. Der Gemeinderat hat das neue Konzept in seiner jüngsten Sitzung bei einer Gegenstimme abgesegnet. Fassungslos über die Entwicklung sind der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde und der benachbarte Verein "Bauernhoftiere für Stadtkinder".

Seit 2015 arbeitet das Rathaus am "Obergrün", mehrfach wurden die Pläne für die 7000 Quadratmeter große Fläche geändert. Der neue Entwurf sieht 26 Reihenhäuser und drei Mehrfamilienhäuser vor. Als Investor tritt die Firma Treubau auf, der die meisten Grundstücke gehören. Weiterer beteiligter Eigentümer ist die Stiftungsverwaltung.

"Die Menge der Wohnungen und auch die Dichte der Bebauung sind zumutbar", erklärte Baubürgermeister Martin Haag im Gemeinderat. Auch mit den Einsprüchen der Nachbarn sei man so gut wie möglich umgegangen. Mit dem Verein "Bauernhoftiere für Stadtkinder", dessen Stallungen direkt an die Fläche angrenzen, habe die Stadtverwaltung einen Kompromiss gefunden. Für den Baubürgermeister ist das Mini-Baugebiet ein gutes Beispiel, wie im Innenbereich Wohnungen entstehen können. Stadtrat Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert) kritisierte den Entwurf, der immer wieder zugunsten des Investors verändert worden sei. Es fielen Grünflächen weg, der Bauernhofverein müsse Flächen abgeben und der Fuß- und Radweg verlegt werden. Winkler sagte, die Interessen der Anwohner würden missachtet.

Dem widersprach der Baubürgermeister. Es habe sich zwar die Zahl der Wohnungen erhöht, nicht aber die Baufläche. Umgesetzt werden soll in dem Gebiet auch geförderter Wohnungsbau. "Und da sind die Wohnungen eben kleiner", so Haag. Der Investor wird dafür 20 Prozent der Fläche an die Stadt abtreten. "Die Umgehung der 50-Prozent-Vorgabe können wir nicht gutheißen", erklärte Stadtrat Michael Moos. Die Fraktion "Eine Stadt für alle" enthielt sich aus diesem Grund bei der Abstimmung.

Völlig entsetzt über den neuen Entwurf ist der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde. "Das geht komplett an der Meinung und den Vorstellungen der Bürger vorbei", erklärte die Vorsitzende Beate Diezemann gegenüber der BZ. Schon gegen die Variante mit 35 Wohneinheiten habe es massive Proteste gegeben. Die Entwicklung sei "traurig für den Stadtteil", Teile eines wichtigen Naherholungsgebiets fielen weg. Zudem habe die Stadtverwaltung erneut "eine fertige Entscheidung vorgesetzt", von den Stadträten vermisse sie "Empathie", so Diezemann. "Wir sind regelrecht erschüttert", sagte auch Kerstin Geigenbauer vom Verein "Bauernhoftiere für Stadtkinder", der umweltpädagogische Arbeit für Kinder anbietet. Der Verein verliere wichtige Weideflächen. Bei der im Papier für den Gemeinderat beschriebenen Einigung gehe es gar nicht um Ersatzflächen für das Obergrün-Baugebiet, sondern um Flächen, die der Verein wegen ebenfalls geplanter Kleingärten abgeben müsse. Auch einen zugesicherten Bestandsschutz habe der Verein weiterhin nicht. Völlig außer acht gelassen werde zudem die ökologische Wertigkeit des Obergrüns. "Das ist ein Arten-Biodiversitäts-Hotspot mitten in der Stadt", so Kerstin Geigenbauer. Dieser müsse geschützt werden, statt ihn mehr und mehr zu bebauen.

Sorgen um den Bauernhofverein macht sich auch die Anne-Frank-Grundschule. Sie soll zur Ganztagesschule werden und will hierbei die Kooperation mit dem Bauernhoftiereverein stark ausbauen, sagte Schulleiterin Karoline Schiafone. Keinesfalls dürfe die Vereinsarbeit deshalb weiter eingeschränkt werden, forderte sie.

Bei den Planungen für das Baugebiet steht im nächsten Schritt die so genannte Offenlage an, diese ist für Anfang 2021 vorgesehen. Dabei können die Bürger ihre Kritik erneut vorbringen. Abgeschlossen sein soll das Bebauungsplanverfahren in Lauf des kommenden Jahres.