Jugendliche auf Identitätssuche

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mo, 14. Oktober 2019

Bad Säckingen

Das Junge Theater der Festspielgemeinde hat an drei Abenden das Theaterstück "Double Bind" auf die Bühne gebracht.

BAD SÄCKINGEN. "Du bist anders, als du denkst" – um die Identitätssuche von Jugendlichen drehte sich das Theaterstück "Double Bind" von Lorenz Hippe, welches das Junge Theater der Festspielgemeinde an drei Abenden, von Freitag bis Sonntag, auf die Bühne brachte.

Mit ihrer vierten Produktion hatten sich die Regisseure Stefan Meier und Anne Ragusa ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, doch der Mut zum Risiko hatte sich gelohnt. Bereichert wurde die Aufführung durch das Lied "Du bist anders, als du denkst", das Theaterpädagoge Stefan Meier verfasst und Clemens Buchta vertont hatte; für ihre sängerische Darbietung erhielt Gülsen Özdemir, wie auch die anderen Akteure, viel Beifall.

Das Jugendtheaterstück ist in eine Vielzahl von Szenen aufgeteilt, die durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden: Bei einem Landschulheimaufenthalt müssen vier Schüler ein Theaterstück verfassen. Dabei werden sie mit ihren Träumen, Wünschen und Ängsten konfrontiert. Der Schüler Mike, der sich immer wieder als Moderator an das Publikum wendet, sorgt für einen Spannungsbogen: "Wenn ich gewusst hätte, was passiert, wäre ich nach Hause gefahren", kündigt er an. Die Schüler schaffen Figuren, in die sie – bewusst oder unbewusst – ihre eigene Lebenssituation projizieren und zu denen sie höchst ambivalente Beziehungen unterhalten. Die fiktiven Gestalten entwickeln ein Eigenleben, treten ihren Autoren als handelnde Personen entgegen und werden sogar widerspenstig. Doch die Autoren können nicht einfach loslassen, wie die Schülerin Laura erkennt: "Wenn ich die Figur aus dem Stück schreibe, habe ich das Gefühl, einen Teil von mir selbst zu töten". Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als die Schüler anfangen, die Figuren der anderen zu kritisieren, und mündet in einer Katastrophe.

Die Schauspieler im Alter von 14 bis 17 Jahren (darunter Neulinge und Theatererfahrene) zeigten sehr ansprechende Leistungen, stellten ihre Figuren glaubwürdig dar und konnten auch deren psychologische Entwicklungen sichtbar machen. Tobias Eckert spielte den umgänglichen Schüler Mike, der allerdings auch eine andere, abgründige Seite hat und deswegen nicht ohne Grund die Gestalt eines Psychologen kreiert.

Cay Schindler übernahm die Rolle der Laura, die mit Unsicherheiten kämpft und diese in ihrem fragilen alter ego Anna ausdrückt. Sandra (gespielt von Fabienne Schindler) ist eine ernsthafte Schülerin, die sich mit dem Theaterstück ein zu ehrgeiziges Ziel gesetzt hat und mit ihrem Scheitern konfrontiert wird.

Conan Zipser spielte den machohaften Boris, der seine Gefühle erst nach und nach verrät. In weiteren Rollen waren Jelina Pepermanns, Amon Frost, Jens Pepermanns, Lara Meier, Angelika Snetkova, Felix Storkenmaier und Megan Veenstra zu sehen.

Für Musik, Videoaufzeichnungen und Technik sorgten Raimund Huber, Reinhold Briegel und Günter Kraus.