Alltag mit Corona

Jugendzentrum Efringen-Kirchen kann nur an einem Tag öffnen

Reinhard Cremer

Von Reinhard Cremer

Fr, 19. Juni 2020 um 06:55 Uhr

Efringen-Kirchen

Die Öffnung des Jugendzentrums in Efringen-Kirchen erfordert drei Betreuer. Maximal dürfen 15 Besucher kommen. Und gemeinsames Kochen ist aktuell auch unmöglich.

Nach mehrwöchiger Corona bedingter Pause hatte das Jugendzentrum (JuZ) in Efringen-Kirchen am 10. Juni erstmals wieder geöffnet – allerdings unter Einschränkungen. Geöffnet hat das JuZ vorerst nur mittwochs von 16 bis 21 Uhr. Bis auf Weiteres betreut ein Dreierteam maximal 15 Jugendliche. Zehn dürfen sich im Außenbereich treffen, fünf im Innern.

Die Regie im JuZ haben Jens Künster als Leiter der JuZ in Efringen-Kirchen und Kandern, die Jugendreferentin für das Obere Wiesental, Verena de la Rey Swardt, die auch für die Zentren in Schönau und Todtnau zuständig ist, sowie Sergei Rogalski, vornehmlich als Schulsozialarbeiter an der Kaufmännischen Schule in Lörrach tätig. Alle drei sind Mitarbeiter der Caritas.

Auch für die Jugendlichen unbefriedigend

Aufgrund der Corona-Verordnung müssten an den Öffnungstagen drei Betreuer anwesend sein, schilderte Künster die auch für die Jugendlichen unbefriedigende Situation. Denn daraus ergäbe sich, dass bei einer Betreuung von fünf Jugendzentren durch die Caritas – neben Efringen-Kirchen sind dies Kandern, Schönau, Todtnau und Zell – lediglich ein Tag pro JuZ zur Verfügung stehe. Ziel sei es nun, wenigstens zwei Öffnungstage für das JuZ zu erreichen.

Gemäß der Vorgaben des Sozialministeriums Baden-Württemberg und des Fachverbandes der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (AGJF) bemisst sich die Anzahl der im JuZ Anwesenden nach der Flächengröße der Einrichtung. Da sich die Rahmenbedingungen dynamisch entwickelten, so Künster, dürfen sich jetzt auf der Freifläche zehn und im Innenraum fünf Jugendliche gleichzeitig aufhalten.

Keine Küsse, keine Umarmung

Probleme gäbe es mit der Abstandswahrung, berichtete de la Rey Swardt: "Jugendliche mit Migrationshintergrund sind es gewohnt, sich zur Begrüßung zu umarmen und zu küssen."

Während des Lockdowns gab es Kontakte zwischen Betreuern und Jugendlichen lediglich über Instagram. Zwar habe man sich über Probleme und Themen wie Homeschooling austauschen können, doch sei dies kein adäquater Ersatz für die tägliche Arbeit gewesen, stellte Künster fest: "Es hat sich doch einiges an Redebedarf aufgestaut."

So langsam versuche man, zur Normalität zurückzufinden. Die Jugendreferentin schilderte die Schwierigkeiten dorthin am Beispiel des gemeinsamen Kochens. "Manche Jugendliche haben echt Kohldampf, wenn sie zu uns kommen," berichtete sie. In "Normalzeiten" buken und kochten die Jugendlichen selber, jetzt müsse dies das Betreuerteam allein machen.

Dabei brennt Künster noch auf ein generelles Problem des JuZ Efringen-Kirchen unter den Nägeln: Ursprünglich war die Unterbringung in Containern am Sportplatz als Übergangslösung gedacht. Doch wie das mit Provisorien häufig so ist: Sie sind sehr andauernd.

"Es geht nicht an, dass die Jugendlichen bei der Geldverteilung immer hinten runter fallen." Jens Künster

Zwar habe es, so Künster, vor geraumer Zeit ein gemeinsames Gespräch gegeben mit dem Bauamt – die Gemeinde ist Eigentümer der Fläche, auf dem die Container stehen – und Wolfgang Würzburger als Eigentümer der Container bezüglich einer baulichen Erweiterung oder eines Umzuges in das ehemalige Sportheim des TuS.

Aus der Presse habe man dann erfahren müssen, dass das Thema wohl "eingestampft" worden sie, bedauerte Künster und reklamiert: "Es geht nicht an, dass die Jugendlichen bei der Geldverteilung immer hinten runter fallen".

Auch die später am Mittwoch anwesenden Neele Lais (14) und Leo Ortlieb (17) äußerten den Wunsch nach größeren, nicht so beengten Räumlichkeiten. Positiv bewertete Künster die Zusammenarbeit mit der Leiterin der Sozialabteilung, Adelheid Arnold. Das im November stattgefundene Jugend-Hearing mit Gemeinderäten lasse hoffen, dass hier ein Beteiligungsprozess angestoßen werden konnte, in dem Bedürfnisse der Jugendlichen platziert werden können.