Altenpflege

Junge Menschen für Pflege gewinnen

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 29. Oktober 2016 um 09:33 Uhr

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Anzeige Der Beruf der Altenpflege hat ein schlechtes Image. Um das zu ändern, hat die Bundesregierung unter Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gemeinsam mit Verbänden und den Ländern die Ausbildungs- und Qualitätsoffensive Altenpflege initiiert.

Zu viel körperlich und psychisch belastende Arbeit für den Einzelnen, zu schlechte Bezahlung, zu wenig Zeit, um sich den betreuten Menschen wirklich widmen zu können, geringe bis gar keine gesellschaftliche Wertschätzung, dies sind Bewertungen, die das Image des Altenpflegeberufs kennzeichnen. Was es schwer macht, dringend gesuchte Altenpfleger zu finden oder auszubilden. Und doch arbeiten in der Bundesrepublik mehr als eine Million Menschen in der Pflege – das sind mehr als in der deutschen Automobilindustrie.

Dem Fachkräftemangel will der Staat mit der Ende 2012 gestarteten Initiative abhelfen. Der Beruf des Altenpflegers ist anspruchsvoll, spannend und abwechslungsreich, lautet die Botschaft. Er biete viele Entwicklungschancen, wohnortnahe Arbeitsplätze und nicht zuletzt einen sicheren Arbeitsplatz. "Wir wollen die Kräfte aller Verantwortlichen im Bereich der Altenpflege bündeln und konkrete Maßnahmen vereinbaren, die die entsprechende berufliche Aus- und Fortbildung stärken und den Beruf attraktiver machen", sagt eine Sprecherin des BMFSFJ. Insgesamt wurden rund 240 Maßnahmen vereinbart, von denen einige auf die Laufzeit der Offensive befristet, viele jedoch auf eine dauerhafte Umsetzung angelegt sind.

Bundesweit und in den einzelnen Ländern sind verschiedene Initiativen und Kampagnen gestartet. In Baden-Württemberg zum Beispiel "Vom Fach – Für Menschen". Damit wird umfassend über Berufsbilder in Pflege- und Sozialberufen informiert. Auch die Aufstiegschancen werden vorgestellt und die eher selten erwähnten positiven Seiten dieser Berufe ins Licht gerückt. Mit der Kampagne "Berufsmixer – Ich will sozial" möchten der Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Roten Kreuzes und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband Baden-Württemberg vor allem junge Menschen für einen Beruf im Sozial- und Gesundheitswesen gewinnen.

Interessierte über Apps ansprechen

Sie werben über Medien, die von der jungen Generation bevorzugt werden, für diese Berufe werben. So können die Jugendlichen mit der Smartphoneapp "Berufsmixer.de" den für sie individuell passenden sozialen Beruf ermitteln und auf der mit der App verknüpften Internetseite viele Informationen, Berufsvideos sowie Ausbildungs- und Praktikumsplätze finden. Auf der Facebook-Fanpage können sie sich mit anderen Jugendlichen austauschen. Seit Beginn der Kampagne hat die Bundesregierung zudem das Portal altenpflegeausbildung.net freigeschaltet und das Beratungsteam Altenpflegeausbildung etabliert, das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben angesiedelt ist.

Eine erste Zwischenbilanz der Bemühungen um mehr Auszubildende in der Altenpflege wurde 2015 veröffentlicht. Demnach konnte zum Schuljahr 2013/14 eine Steigerung von 14 Prozent erreicht werden, auch im Schuljahr 2014/15 blieb die Zahl derjenigen, die eine entsprechende Ausbildung begonnen haben, auf diesem erhöhten Niveau. "Einen wichtigen Anteil an dieser Erhöhung der Ausbildungszahlen hat das Gesetz zur Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Altenpflege", sagt die Sprecherin des BMFSFJ. Damit konnten Altenpflegeumschulungen zwischen dem 1. April 2013 und dem 31. März 2016 dreijährig durch die Arbeitsagenturen beziehungsweise Jobcenter gefördert werden. Gleichzeitig hat die Bundesregierung die Möglichkeiten erweitert, dass Menschen mit entsprechenden Vorkenntnissen bei einer beruflichen Weiterbildung in der Altenpflege diese Ausbildung verkürzen konnten. Die dreijährige Förderung von Umschulungen ist jetzt bis zum 31. Dezember 2017 verlängert worden.

Wie wichtig es ist, junge Menschen für einen Beruf in der Pflege zu gewinnen, zeigt die demografische Entwicklung. Pflegekräfte werden auch in den kommenden Jahrzehnten gefragt sein. Die Bundesregierung werde daher weiter an der Initiative festhalten und sie der anstehenden Reform der Pflegeberufe anpassen. Dann wird nicht mehr nur für die Altenpflege im Besonderen, sondern für Berufe in der Pflege im Allgemeinen geworben werden.