Erst suspekt, nun Megatrend

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

Mo, 14. Oktober 2019

Kandern

Der Turn und Sportverein hat in seiner 175-jährigen Geschichte viele Wandlungen durchlebt.

KANDERN. Der Turn- und Sportverein (TSV) Kandern, einer der ältesten Vereine Badens, feierte am Samstag sein 175-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Gasthaus Ochsen. Mit einem unterhaltsamen Programm präsentierte sich der TSV als Verein, der bis heute den Sport und auch die Geselligkeit pflegt.

Der Vorsitzende Jörg Schwarzwälder begrüßte die Gäste an den festlich gedeckten Tischen im Ochsensaal. Er dankte allen, die sich seit der Gründung im Jahr 1844 mit Idealismus und unermüdlichem Einsatz für den TSV Kandern eingesetzt haben. Insbesondere dankte er den heutigen Übungs- und Jugendleitern sowie den Organisatoren des Festes um Oberturnwart Hanspeter Horlemann. Alle heutigen Abteilungen seien erfolgreich und machten intensive Jugendarbeit, lobte er. "Im Verein ist Sport am schönsten und gemeinsam feiern wir unsere Erfolge", schloss er. Die Ringer kämpfen zurzeit erfolgreich in der Landesliga. Auch die Tischtennisabteilung nimmt an Rundenwettkämpfen teil. Bei der Turn- und Leichtathletikabteilung liegt der Schwerpunkt auf Breitensport, besonders gut besucht ist das Eltern-Kind-Turnen.

"Nüschti Zittig, nüschti Meldige", tönte es plötzlich von hinten durch den Saal. Der zweite Vorsitzende Thomas Spicker und Michael Mayer als Zeitungsjunge führten durch die Vereinsgeschichte. "Auf dem Turnplatz stehen alle Turner als Brüder zusammen und nennen sich Du", zitierte Spicker aus den Gründungsstatuten. Er erinnerte daran, dass in einer Zeit als Deutschland noch in Kleinstaaten zersplittert war, solche Gedanken der Freiheit und Gleichheit suspekt waren.

Spicker und Zeitungsjunge Mayer berichteten, dass die Kanderner Turner schon immer zu feiern wussten. Bei einer "Abendunterhaltung" im Ochsensaal im Jahr 1913 kamen neben Turnvorführungen auch Couplets, ein Theaterstück und "Gesangsstückli" zur Aufführung. Mit stürmischem Beifall reagierten die Jubiläumsgäste auf die Meldung über Ringer "Guschdi" alias Günter Jurth, der einst Seniorenweltmeister wurde.

Dieter Meier, Vorsitzender des Markgräfler-Hochrheinturngaus (MHTG) erwähnte ebenfalls das revolutionäre Element des Turnens im 19. Jahrhundert. Nach dem Krieg habe der Turnverein in Kandern erst 1949 den Betrieb wieder aufnehmen können, weil auch die Franzosen zunächst verhindern wollten, dass Menschen sich treffen und diskutieren, meinte er. Heute seien Turnen und Sport Teil des Megatrends Gesundheit. Er dankte mehreren Personen, die den TSV geprägt haben: Hans-Peter Brombacher, der die Chronik verfasste, Oberturnwart Hanspeter Horlemann, Heiner Scherer, der der Turnabteilung ein modernes Gesicht gab, und dem früheren Oberturnwart Siegfried Ehinger. Vonseiten der Stadt gab es kein Grußwort.

Zwischen den Ansprachen brachte die Gruppe "Charisma" vom TV Zell am Harmersbach den Saal mit Tänzen in packenden Rhythmen zum Kochen. Die Leistungsturnerinnen des TSV begeisterten mit einer rasanten Show, bei der sie Überschlägen, Radschlagen und anderen Übungen in witzigen Kostümen zeigten. Zum gelungenen Abend trug auch das leckere Büfett bei. Das Duo "Silvia und Sandra" spielte Stimmungshits und später Tanzmusik.